Risikolebensversicherung Versicherungssumme – wie hoch sollte sie sein?

Die richtige Versicherungssumme entscheidet darüber, ob eine Risikolebensversicherung im Ernstfall tatsächlich ausreichend schützt. Entscheidend ist deshalb nicht irgendeine pauschale Zahl, sondern die Frage, wie groß die finanzielle Lücke für Partner, Kinder oder andere Angehörige nach einem Todesfall wirklich wäre.

Eine Risikolebensversicherung soll Hinterbliebene finanziell absichern, wenn eine versicherte Person während der Vertragslaufzeit stirbt. Das Prinzip klingt einfach: Es wird eine Versicherungssumme vereinbart, und im Todesfall zahlt der Versicherer diesen Betrag an die bezugsberechtigte Person aus. Schwieriger ist die Frage, wie hoch die Versicherungssumme der Risikolebensversicherung tatsächlich sein sollte.

100.000 Euro können für einen alleinstehenden Kreditnehmer ausreichend sein und für eine Familie mit zwei Kindern viel zu wenig. 500.000 Euro können bei einer hohen Immobilienfinanzierung sinnvoll sein, in einer anderen Lebenssituation aber deutlich über dem tatsächlichen Absicherungsbedarf liegen. Einkommen, laufende Kredite, Familiengröße, vorhandenes Vermögen und der Zeitraum, über den Einkommen ersetzt werden müsste, spielen gemeinsam eine Rolle.

Wer die Versicherungssumme nur danach auswählt, welcher Beitrag besonders günstig aussieht, beginnt deshalb am falschen Ende. Sinnvoller ist es, zunächst den tatsächlichen finanziellen Absicherungsbedarf zu berechnen und anschließend Tarife zu vergleichen, die diese Summe zu passenden Vertragsbedingungen absichern.

Inhaltsverzeichnis

Warum die richtige Versicherungssumme so wichtig ist

Die Versicherungssumme ist das finanzielle Herzstück einer Risikolebensversicherung. Sie bestimmt, welcher Betrag ausgezahlt wird, wenn der versicherte Todesfall während der vereinbarten Laufzeit eintritt. Eine zu niedrige Summe kann dazu führen, dass Hinterbliebene trotz Versicherung erhebliche finanzielle Probleme bekommen. Eine unnötig hohe Absicherung kann dagegen den laufenden Versicherungsbeitrag erhöhen.

Besonders wichtig ist die Berechnung bei Familien, Paaren mit unterschiedlich hohen Einkommen und Immobilienbesitzern. Fällt ein Einkommen dauerhaft weg, verschwinden die bisherigen finanziellen Verpflichtungen schließlich nicht automatisch. Miete oder Kreditrate, Strom, Versicherungen, Lebensmittel, Mobilität, Kinderbetreuung und zahlreiche andere Kosten müssen weiterhin bezahlt werden.

Die Frage sollte deshalb nicht lauten: „Wie viel Risikolebensversicherung kann ich mir leisten?“ Zuerst sollte geklärt werden: „Wie viel Geld würde meiner Familie tatsächlich fehlen?“ Erst danach lässt sich beurteilen, welcher Tarif diesen Bedarf zu vertretbaren Kosten absichern kann.

Wie hoch sollte eine Risikolebensversicherung sein?

Eine einzige Versicherungssumme, die für jeden Haushalt richtig ist, gibt es nicht. Häufig werden Faustregeln genannt, nach denen beispielsweise das Drei- bis Fünffache eines Jahresbruttoeinkommens abgesichert werden sollte. Solche Werte können eine erste Orientierung geben, ersetzen aber keine individuelle Berechnung.

Bei einer Familie mit einem Einkommen von 60.000 Euro brutto würde eine solche Faustregel beispielsweise auf eine Versicherungssumme zwischen 180.000 und 300.000 Euro hinauslaufen. Besteht gleichzeitig noch eine Immobilienfinanzierung über 300.000 Euro und sollen zwei Kinder langfristig abgesichert werden, dürfte eine solche Summe möglicherweise nicht ausreichen.

Eine sinnvollere Berechnung berücksichtigt deshalb mehrere Bausteine: bestehende Schulden, den zukünftigen Einkommensbedarf der Familie, Kosten für Kinder, mögliche Sonderausgaben und vorhandene finanzielle Reserven.

Versicherungssumme berechnen: Diese Faktoren sind entscheidend

Wer die passende Versicherungssumme ermitteln möchte, sollte nicht von einer beliebigen Rundsumme ausgehen. Der tatsächliche Bedarf lässt sich besser nachvollziehen, wenn die finanzielle Situation in einzelne Bereiche zerlegt wird.

Dabei geht es nicht darum, jeden zukünftigen Euro exakt vorherzusagen. Niemand kann heute genau berechnen, welche Ausgaben eine Familie in zwölf oder fünfzehn Jahren haben wird. Eine nachvollziehbare Kalkulation verhindert jedoch, dass wesentliche Verpflichtungen übersehen werden.

1. Bestehende Kredite und Schulden berücksichtigen

Offene Kredite gehören meist zu den wichtigsten Positionen. Besonders relevant ist eine Immobilienfinanzierung, weil deren monatliche Belastung häufig einen großen Teil des Haushaltsbudgets ausmacht. Stirbt ein Kreditnehmer, kann die Finanzierung für den verbleibenden Partner erheblich schwieriger werden.

Beträgt die offene Restschuld einer Baufinanzierung beispielsweise 280.000 Euro, sollte geprüft werden, ob diese vollständig oder zumindest zu einem großen Teil über die Risikolebensversicherung abgedeckt werden soll. Dadurch kann verhindert werden, dass die Immobilie im Todesfall allein wegen einer nicht mehr tragbaren Finanzierung verkauft werden muss.

Auch Ratenkredite oder andere größere Verbindlichkeiten sollten berücksichtigt werden. Kleinere Konsumschulden spielen im Verhältnis zum Gesamtbedarf dagegen oft eine geringere Rolle.

2. Wegfallendes Einkommen realistisch ersetzen

Die größte finanzielle Belastung ist häufig nicht ein einzelner Kredit, sondern das Einkommen, das über viele Jahre fehlen würde. Genau dieser Punkt wird bei der Wahl der Risikolebensversicherung Versicherungssumme besonders häufig unterschätzt.

Verdient eine versicherte Person beispielsweise netto 3.000 Euro monatlich, bedeutet ihr Tod nicht automatisch, dass die Familie jeden Monat exakt 3.000 Euro ersetzen muss. Einige persönliche Ausgaben fallen weg, andere Kosten bleiben bestehen. Gleichzeitig können zusätzliche Belastungen entstehen, etwa durch Kinderbetreuung oder eine notwendige Reduzierung der Arbeitszeit des überlebenden Partners.

Angenommen, nach einer Haushaltsrechnung fehlen dauerhaft 1.500 Euro monatlich. Soll diese Lücke für zehn Jahre abgesichert werden, ergibt sich bereits ein Bedarf von 180.000 Euro. Bei 15 Jahren wären es 270.000 Euro.

Das Beispiel zeigt, warum allein die Höhe vorhandener Kredite keine ausreichende Grundlage für die Versicherungssumme ist.

3. Kinder und deren zukünftigen Bedarf einplanen

Familien mit Kindern benötigen häufig eine höhere Absicherung als kinderlose Paare. Kinder verursachen nicht nur laufende Kosten für Lebensmittel, Kleidung oder Freizeit. Auch Betreuung, Schule, Ausbildung, Studium, Führerschein oder ein späterer Umzug können finanziell relevant werden.

Besonders hoch kann der Absicherungsbedarf sein, wenn die Kinder noch klein sind. Fällt ein Elternteil aus, muss die finanzielle Unterstützung möglicherweise noch über viele Jahre gewährleistet werden.

Dabei sollte nicht nur das Einkommen des Hauptverdieners abgesichert werden. Auch der Tod eines Elternteils, der aktuell wenig oder gar kein eigenes Erwerbseinkommen erzielt, kann erhebliche finanzielle Folgen haben. Muss beispielsweise Kinderbetreuung organisiert oder die Arbeitszeit des anderen Elternteils reduziert werden, entsteht ebenfalls eine finanzielle Lücke.

4. Zusätzliche finanzielle Ziele einbeziehen

Neben laufenden Kosten können weitere Ziele in die Kalkulation einfließen. Manche Eltern möchten beispielsweise sicherstellen, dass ausreichend Kapital für Ausbildung oder Studium ihrer Kinder vorhanden ist. Andere möchten verhindern, dass eine Immobilie verkauft werden muss oder dass größere finanzielle Reserven vollständig aufgebraucht werden.

Solche Wünsche sind individuell. Sie müssen nicht zwingend vollständig versichert werden, sollten bei der Berechnung jedoch bewusst berücksichtigt werden.

Gerade hier wird deutlich, dass die Versicherungssumme keine mathematisch einzig richtige Zahl ist. Vielmehr entsteht ein sinnvoller Bereich, innerhalb dessen sich der gewünschte Schutz bewegen kann.

Eine einfache Formel für die Versicherungssumme

Als praktische Orientierung lässt sich der Absicherungsbedarf mit einer vereinfachten Formel berechnen:

Offene Schulden + zukünftige Versorgungslücke + zusätzlicher Kapitalbedarf – anrechenbare finanzielle Reserven = benötigte Versicherungssumme

Angenommen, eine Familie hat noch 220.000 Euro Restschuld auf ihrem Haus. Nach dem Tod eines Elternteils würden voraussichtlich 1.200 Euro monatlich im Haushaltsbudget fehlen. Diese Lücke soll zwölf Jahre abgesichert werden. Zusätzlich werden 30.000 Euro als Reserve für Ausbildung und besondere Ausgaben eingeplant.

Die Rechnung würde dann zunächst so aussehen:

220.000 Euro Restschuld + 172.800 Euro Einkommenslücke + 30.000 Euro zusätzlicher Bedarf = 422.800 Euro.

Sind beispielsweise 40.000 Euro frei verfügbares Vermögen vorhanden, das tatsächlich zur Absicherung der Familie eingesetzt werden könnte, würde sich rechnerisch ein Bedarf von rund 382.800 Euro ergeben.

In der Praxis könnte man daraus beispielsweise eine Versicherungssumme von 400.000 Euro ableiten. Damit bleibt ein gewisser Sicherheitspuffer, ohne die Summe völlig losgelöst vom tatsächlichen Bedarf festzulegen.

Welche finanziellen Reserven dürfen abgezogen werden?

Vorhandenes Vermögen kann den Versicherungsbedarf reduzieren, allerdings sollte dabei vorsichtig gerechnet werden. Nicht jedes Vermögen ist automatisch eine geeignete Reserve für Hinterbliebene.

Ein ausreichend gefülltes Tagesgeldkonto oder andere kurzfristig verfügbare Geldanlagen können grundsätzlich berücksichtigt werden. Anders sieht es beispielsweise bei selbst genutztem Wohneigentum aus. Das Haus besitzt zwar einen Wert, soll aber möglicherweise gerade nicht verkauft werden. Es wäre deshalb problematisch, dessen Marktwert einfach von der benötigten Versicherungssumme abzuziehen.

Auch Altersvorsorgevermögen sollte nicht vorschnell vollständig angerechnet werden. Wird dieses Kapital nach einem Todesfall aufgebraucht, fehlt es später möglicherweise für die eigene Altersvorsorge des hinterbliebenen Partners.

Entscheidend ist daher nicht allein, wie hoch das gesamte Vermögen auf dem Papier ist. Relevant ist vielmehr, welcher Betrag tatsächlich für die Versorgung der Hinterbliebenen zur Verfügung stehen soll.

Wie hoch sollte die Versicherungssumme bei einer Baufinanzierung sein?

Eine Immobilienfinanzierung verändert den Absicherungsbedarf häufig erheblich. Viele Paare können ihre monatliche Kreditrate problemlos tragen, solange beide Einkommen vorhanden sind. Fällt eines davon weg, kann dieselbe Finanzierung plötzlich zu einer starken Belastung werden.

Eine mögliche Strategie besteht darin, mindestens die voraussichtliche Restschuld der Finanzierung abzusichern. Dadurch könnte die Immobilie im Todesfall vollständig oder weitgehend entschuldet werden. Ob das erforderlich ist, hängt allerdings vom Einkommen des überlebenden Partners, von weiteren Vermögenswerten und vom gesamten Haushaltsbudget ab.

Wichtig ist außerdem, nicht ausschließlich die Restschuld zu betrachten. Wird eine Versicherungssumme von 300.000 Euro vollständig für die Ablösung eines Immobilienkredits benötigt, steht dieses Geld anschließend nicht mehr zur Deckung der laufenden Lebenshaltungskosten zur Verfügung.

Bei Familien kann deshalb eine Summe sinnvoll sein, die sowohl die Finanzierung als auch einen zusätzlichen Versorgungsbedarf berücksichtigt.

Gleichbleibende oder fallende Versicherungssumme?

Nicht jede Risikolebensversicherung muss während der gesamten Laufzeit dieselbe Versicherungssumme besitzen. Abhängig vom Absicherungszweck können Tarife mit konstanter oder fallender Summe infrage kommen.

Bei einer gleichbleibenden Versicherungssumme bleibt die vereinbarte Todesfallleistung grundsätzlich über die Laufzeit auf demselben Niveau. Das kann vor allem für die Absicherung einer Familie interessant sein, weil nicht nur ein einzelner Kredit, sondern auch zukünftige Lebenshaltungskosten abgesichert werden sollen.

Eine fallende Versicherungssumme reduziert sich dagegen im Laufe der Zeit. Diese Variante kann gut zu einer Finanzierung passen, deren Restschuld ebenfalls kontinuierlich sinkt. Je weniger Kredit noch offen ist, desto geringer wird dann die versicherte Leistung.

Ob eine fallende Summe tatsächlich besser geeignet ist, hängt davon ab, welcher Bedarf abgesichert werden soll. Wer gleichzeitig Partner und Kinder gegen einen längerfristigen Einkommensausfall schützen möchte, sollte eine sinkende Todesfallleistung besonders sorgfältig prüfen.

Risikolebensversicherung für Familien: Nicht nur Hauptverdiener absichern

Ein verbreitetes Missverständnis besteht darin, lediglich die Person mit dem höchsten Einkommen zu versichern. Natürlich entsteht bei einem Hauptverdiener häufig eine besonders große finanzielle Lücke. Trotzdem kann auch der Tod des anderen Elternteils erhebliche Folgen haben.

Übernimmt eine Person beispielsweise überwiegend Kinderbetreuung und Haushaltsorganisation, müssten diese Leistungen nach einem Todesfall zumindest teilweise ersetzt werden. Externe Betreuung kann Geld kosten. Gleichzeitig könnte der Hauptverdiener gezwungen sein, seine Arbeitszeit zu reduzieren.

Bei der Berechnung sollte deshalb für beide Elternteile getrennt geprüft werden, welcher finanzielle Schaden tatsächlich entstehen würde. Daraus können durchaus unterschiedliche Versicherungssummen entstehen.

Eine Versicherung über jeweils denselben Betrag ist nicht automatisch die beste Lösung. Entscheidend ist der jeweilige Absicherungsbedarf.

Wie lange sollte die gewählte Versicherungssumme benötigt werden?

Versicherungssumme und Vertragslaufzeit gehören zusammen. Eine hohe Todesfallleistung hilft wenig, wenn der Versicherungsschutz endet, obwohl noch ein erheblicher finanzieller Bedarf besteht.

Familien können sich beispielsweise daran orientieren, wann die jüngsten Kinder voraussichtlich finanziell weitgehend selbstständig sein werden. Bei einer Immobilienfinanzierung kann die geplante Kreditlaufzeit eine wichtige Orientierung geben.

Ein Vertrag muss allerdings nicht zwingend bis ins hohe Alter laufen. Der Sinn einer Risikolebensversicherung besteht typischerweise darin, einen zeitlich begrenzten finanziellen Bedarf abzusichern. Mit sinkender Restschuld, wachsendem Vermögen und zunehmender Selbstständigkeit der Kinder kann dieser Bedarf später deutlich geringer sein.

Je länger die Vertragslaufzeit und je höher das Eintrittsalter beziehungsweise das versicherte Risiko, desto stärker können sich diese Faktoren auf den Beitrag auswirken. Deshalb sollten Laufzeit und Versicherungssumme gemeinsam geplant werden.

Sollte ein Sicherheitspuffer eingeplant werden?

Eine Berechnung auf den letzten Euro wirkt zwar präzise, ist in der Praxis aber selten erforderlich. Einkommen, Lebenshaltungskosten, Inflation und familiäre Situationen können sich über viele Jahre verändern.

Ein moderater Sicherheitspuffer kann deshalb sinnvoll sein. Wer beispielsweise einen Bedarf von ungefähr 370.000 Euro ermittelt, muss nicht zwangsläufig exakt 370.000 Euro versichern. Eine Versicherungssumme von 400.000 Euro könnte eine nachvollziehbare Reserve schaffen.

Ein sehr großer Puffer sollte dagegen bewusst gewählt werden. Mit zunehmender Versicherungssumme kann der Beitrag steigen, und bei sehr hohen Summen können Versicherer zusätzliche Angaben oder Untersuchungen verlangen.

Entscheidend ist ein vernünftiges Verhältnis zwischen realistischer Absicherung und laufenden Kosten.

Warum die günstigste Risikolebensversicherung nicht automatisch die beste ist

Nachdem der benötigte Schutz ermittelt wurde, beginnt erst der eigentliche Tarifvergleich. Der Beitrag ist dabei wichtig, sollte aber nicht isoliert betrachtet werden.

Zwei Tarife mit einer Versicherungssumme von 400.000 Euro können unterschiedliche Bedingungen besitzen. Relevant können beispielsweise Möglichkeiten zur späteren Erhöhung der Versicherungssumme, Regelungen bei Veränderungen der Lebenssituation oder Optionen zur Verlängerung des Versicherungsschutzes sein.

Gerade bei einem langfristigen Vertrag kann Flexibilität wichtig werden. Heirat, Geburt eines Kindes, Immobilienkauf, höheres Einkommen oder eine größere Finanzierung können den bisherigen Schutz später unzureichend machen.

Ein Tarif, der wenige Euro günstiger ist, aber kaum Anpassungsmöglichkeiten bietet, muss daher nicht automatisch die sinnvollere Wahl sein.

Nachversicherungsgarantie und Dynamik können wichtig werden

Niemand weiß bei Vertragsabschluss exakt, wie sich das eigene Leben in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren entwickelt. Deshalb können Nachversicherungsmöglichkeiten ein wichtiges Tarifmerkmal darstellen.

Eine Nachversicherungsgarantie kann unter bestimmten vertraglich festgelegten Voraussetzungen ermöglichen, die Versicherungssumme später zu erhöhen, ohne dass erneut die komplette ursprüngliche Risikoprüfung erforderlich wird. Typische Lebensereignisse können beispielsweise Heirat, Geburt eines Kindes oder der Kauf einer Immobilie sein. Welche Ereignisse und Grenzen gelten, hängt vom jeweiligen Vertrag ab.

Daneben gibt es Tarife, bei denen die Versicherungssumme regelmäßig erhöht werden kann. Damit lässt sich unter anderem berücksichtigen, dass eine heute ausreichend wirkende Summe durch steigende Lebenshaltungskosten langfristig an Kaufkraft verlieren kann.

Vor Vertragsabschluss lohnt deshalb ein Blick darauf, wie flexibel sich der Schutz später anpassen lässt.

Häufige Fehler bei der Wahl der Versicherungssumme

Einer der häufigsten Fehler besteht darin, eine beliebige runde Summe auszuwählen. Beträge wie 100.000, 200.000 oder 250.000 Euro wirken zunächst hoch, sagen aber ohne Bezug zur persönlichen Situation wenig über den tatsächlichen Schutz aus.

Ebenso problematisch ist es, ausschließlich einen Immobilienkredit abzusichern. Zwar wäre die Immobilie nach dem Todesfall möglicherweise entschuldet, doch der Familie könnte trotzdem ein erheblicher Teil des bisherigen Einkommens fehlen.

Der umgekehrte Fehler ist ebenfalls möglich: Eine sehr hohe Versicherungssumme wird gewählt, ohne überhaupt zu prüfen, welcher Betrag benötigt wird. Dadurch kann der Vertrag unnötig teuer werden.

Auch Veränderungen der Lebenssituation werden häufig übersehen. Eine Summe, die für ein kinderloses Paar vollkommen ausreichend war, kann nach Immobilienkauf und Familiengründung deutlich zu niedrig sein.

Wann sollte die Versicherungssumme überprüft werden?

Eine einmal abgeschlossene Risikolebensversicherung sollte nicht für Jahrzehnte völlig unbeachtet bleiben. Besonders nach größeren Veränderungen im Leben lohnt sich eine erneute Prüfung.

Dazu zählen beispielsweise die Geburt weiterer Kinder, ein Immobilienkauf, eine größere Anschlussfinanzierung, eine deutliche Veränderung des Einkommens oder eine neue berufliche Situation. Auch eine Trennung oder Scheidung kann Auswirkungen darauf haben, wen der Vertrag absichern soll und wie hoch der Bedarf noch ist.

Umgekehrt kann sich der erforderliche Schutz mit der Zeit reduzieren. Kredite werden getilgt, Kinder werden finanziell selbstständig und eigenes Vermögen wächst.

Ob deshalb eine bestehende Versicherung sofort verändert oder gekündigt werden sollte, muss jedoch sorgfältig geprüft werden. Ein neuer Vertrag kann aufgrund des höheren Eintrittsalters oder eines inzwischen veränderten Gesundheitszustands teurer oder schwieriger abzuschließen sein.

Risikolebensversicherung vergleichen: Welche Angaben werden benötigt?

Für einen Vergleich werden neben der gewünschten Versicherungssumme normalerweise verschiedene persönliche und vertragliche Angaben benötigt. Dazu gehören unter anderem Alter, gewünschte Vertragslaufzeit und verschiedene Informationen, die für die Risikoeinschätzung des Versicherers relevant sind.

Auch Beruf, Raucherstatus und Gesundheitsangaben können erheblichen Einfluss auf die Beitragshöhe haben. Je nach Anbieter und gewünschter Versicherungssumme können weitere Informationen erforderlich sein.

Deshalb sollte beim Vergleich nicht versucht werden, eine möglichst niedrige Versicherungssumme allein deshalb einzutragen, damit besonders günstige Beiträge erscheinen. Ein preiswerter Tarif mit zu niedriger Todesfallleistung erfüllt seinen eigentlichen Zweck möglicherweise nicht.

Sinnvoll ist die umgekehrte Reihenfolge: zuerst Bedarf berechnen, dann Versicherungssumme festlegen und anschließend passende Tarife vergleichen.

Welche Tarifdetails sollten beim Vergleich besonders beachtet werden?

Neben Beitrag, Versicherungssumme und Laufzeit sollte geprüft werden, welche Möglichkeiten zur späteren Anpassung bestehen. Gerade bei jungen Familien können sich Einkommen, Finanzierungen und familiäre Verpflichtungen mehrfach verändern.

Auch die genaue Definition einzelner Vertragsoptionen sollte berücksichtigt werden. Eine Nachversicherungsmöglichkeit ist beispielsweise nur dann wirklich hilfreich, wenn die Voraussetzungen und maximalen Erhöhungsgrenzen zur eigenen Situation passen.

Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, mehrere Varianten derselben Absicherung durchzurechnen. So lässt sich beispielsweise erkennen, welchen Unterschied eine Versicherungssumme von 300.000, 400.000 oder 500.000 Euro beim Beitrag ausmacht.

Das kann bei der Entscheidung helfen, ob ein zusätzlicher Sicherheitspuffer finanziell sinnvoll ist.

Zwei einzelne Verträge oder gegenseitige Absicherung?

Paare können grundsätzlich unterschiedliche Vertragsgestaltungen wählen. Bei zwei einzelnen Risikolebensversicherungen wird jede Person separat versichert. Dadurch lassen sich Versicherungssumme und Laufzeit individuell an den jeweiligen Absicherungsbedarf anpassen.

Daneben gibt es Konstruktionen, bei denen Partner gegenseitig berücksichtigt werden. Welche Lösung sinnvoll ist, hängt unter anderem von Familienkonstellation, Vermögenssituation und gewünschter Flexibilität ab.

Gerade bei unterschiedlich hohen Einkommen kann es sinnvoll sein, nicht automatisch identische Versicherungssummen festzulegen. Fällt beim Tod eines Partners beispielsweise ein wesentlich höheres Einkommen weg, kann dessen erforderliche Todesfallabsicherung deutlich größer sein.

Auch steuerliche und erbrechtliche Auswirkungen können bei größeren Versicherungssummen eine Rolle spielen. Bei komplexeren Vermögens- oder Familienverhältnissen kann deshalb eine individuelle fachliche Prüfung sinnvoll sein.

Risikolebensversicherung nicht mit Geldanlage verwechseln

Eine Risikolebensversicherung dient in erster Linie der Absicherung eines Todesfallrisikos. Sie ist normalerweise kein Sparvertrag, bei dem am Ende der Laufzeit das angesammelte Kapital ausgezahlt wird.

Überlebt die versicherte Person die vereinbarte Laufzeit, endet eine klassische Risikolebensversicherung grundsätzlich ohne Auszahlung der Versicherungssumme. Genau diese Konzentration auf die Risikoabsicherung ermöglicht häufig vergleichsweise hohe Todesfallleistungen zu überschaubaren laufenden Beiträgen.

Bei der Wahl der Versicherungssumme sollte deshalb nicht die Frage im Vordergrund stehen, welchen Betrag man irgendwann selbst zurückbekommt. Entscheidend ist, welchen Betrag Hinterbliebene benötigen würden, wenn das abgesicherte Ereignis tatsächlich eintritt.

Häufige Fragen zur Versicherungssumme der Risikolebensversicherung

Die optimale Summe hängt stark von der persönlichen Lebenssituation ab. Besonders häufig entstehen Unsicherheiten bei Faustregeln, Immobilienfinanzierungen und späteren Anpassungen des Versicherungsschutzes.

Wie viel Risikolebensversicherung braucht eine Familie?

Bei Familien sollte die Versicherungssumme so hoch sein, dass wesentliche Schulden und die voraussichtliche finanzielle Versorgungslücke nach einem Todesfall abgedeckt werden können. Zusätzlich können Kosten für Kinder, Ausbildung und ein angemessener finanzieller Sicherheitspuffer berücksichtigt werden.

Eine pauschale Summe für alle Familien gibt es deshalb nicht. Zwei Familien mit gleichem Einkommen können aufgrund unterschiedlicher Immobilienkredite, Kinderzahlen oder Vermögenswerte einen völlig unterschiedlichen Absicherungsbedarf besitzen.

Reicht das Drei- bis Fünffache des Jahresgehalts?

Das Drei- bis Fünffache des Bruttojahreseinkommens kann als grobe erste Orientierung verwendet werden, sollte aber nicht die einzige Berechnungsgrundlage sein. Besonders bei hohen Immobilienkrediten oder kleinen Kindern kann der tatsächliche Bedarf deutlich darüber liegen.

Sinnvoller ist eine konkrete Haushaltsrechnung. Dabei werden offene Schulden, die erwartete Einkommenslücke, weitere finanzielle Ziele und vorhandene Reserven miteinander verrechnet.

Sollte die Versicherungssumme die gesamte Baufinanzierung abdecken?

Das kann sinnvoll sein, ist aber nicht in jedem Fall zwingend erforderlich. Entscheidend ist, ob der verbleibende Partner die Finanzierung nach einem Todesfall weiterhin tragen könnte und welcher zusätzliche finanzielle Bedarf besteht.

Wer nur die Restschuld absichert, sollte bedenken, dass nach der Tilgung des Kredits möglicherweise kein Kapital mehr für den laufenden Lebensunterhalt vorhanden ist. Bei Familien kann deshalb eine zusätzliche Versorgungssumme erforderlich sein.

Kann die Versicherungssumme später erhöht werden?

Bei vielen Verträgen bestehen unter bestimmten Voraussetzungen Möglichkeiten zur Erhöhung. Besonders interessant können Nachversicherungsgarantien sein, die bei bestimmten Lebensereignissen eine Anpassung ermöglichen.

Welche Ereignisse gelten, wie hoch die Summe maximal erhöht werden darf und welche Fristen eingehalten werden müssen, ist jedoch tarifabhängig. Diese Bedingungen sollten deshalb bereits beim ursprünglichen Vergleich geprüft werden.

Ist eine höhere Versicherungssumme immer besser?

Nein. Entscheidend ist nicht die höchstmögliche Versicherungssumme, sondern ein angemessener Schutz für den tatsächlichen finanziellen Bedarf. Eine deutlich zu geringe Summe kann gefährlich sein, während eine unnötig hohe Absicherung die Beiträge erhöhen kann.

Eine nachvollziehbare Bedarfsermittlung mit einem angemessenen Sicherheitspuffer ist deshalb meist sinnvoller als die Wahl einer möglichst hohen Rundsumme ohne konkrete Berechnung.

Fazit: Die Versicherungssumme sollte zum tatsächlichen Risiko passen

Die richtige Risikolebensversicherung Versicherungssumme lässt sich nicht seriös mit einer einzigen Pauschalzahl beantworten. Entscheidend ist, welche finanzielle Lücke durch den Tod der versicherten Person entstehen würde. Offene Immobilien- und Ratenkredite sind dabei ebenso relevant wie fehlendes Einkommen, Kinder, zukünftige finanzielle Verpflichtungen und vorhandene Reserven.

Faustregeln wie das Drei- bis Fünffache des Jahresbruttoeinkommens können einen ersten Anhaltspunkt liefern. Deutlich aussagekräftiger ist jedoch eine individuelle Rechnung aus Schulden, zukünftiger Versorgungslücke und zusätzlichem Kapitalbedarf abzüglich tatsächlich verfügbarer Reserven. Ein moderater Sicherheitspuffer kann dabei sinnvoll sein.

Erst wenn der erforderliche Schutz feststeht, sollte der Tarifvergleich beginnen. Neben dem Beitrag verdienen vor allem Laufzeit, Anpassungsmöglichkeiten und Nachversicherungsklauseln Aufmerksamkeit. Denn die günstigste Police hilft wenig, wenn die Versicherungssumme im entscheidenden Moment nicht ausreicht.

Wer seinen tatsächlichen Bedarf zuerst berechnet und anschließend Tarife mit vergleichbaren Leistungen gegenüberstellt, schafft eine deutlich bessere Grundlage für eine langfristig passende Absicherung.

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