Für Familien gehört die Risikolebensversicherung zu den Versicherungen, deren Bedeutung häufig erst dann vollständig sichtbar wird, wenn man ein konkretes Szenario durchrechnet: Was passiert finanziell, wenn ein Elternteil plötzlich verstirbt? Reicht das verbleibende Einkommen aus? Kann eine laufende Immobilienfinanzierung weiterhin bezahlt werden? Wie lange müssen die Kinder noch versorgt werden und welche zusätzlichen Kosten könnten entstehen?
Gerade die Höhe der Absicherung wird dabei häufig unterschätzt. Eine pauschale Versicherungssumme von beispielsweise 100.000 oder 200.000 Euro klingt zunächst hoch, kann bei einer jungen Familie mit mehreren Kindern, nur einem hohen Haupteinkommen und einer laufenden Baufinanzierung jedoch deutlich zu niedrig sein. Umgekehrt muss nicht jede Familie automatisch eine Versicherungssumme von einer Million Euro vereinbaren.
Die richtige Absicherung sollte deshalb nicht nach Gefühl gewählt werden. Sinnvoller ist eine konkrete Bedarfsrechnung, bei der Einkommen, laufende Kredite, Rücklagen, Kinder, Immobilien und die gewünschte Dauer der finanziellen Absicherung berücksichtigt werden.
Warum eine Risikolebensversicherung für Familien besonders wichtig sein kann
Familien sind finanziell meist stärker voneinander abhängig als Singles oder Paare ohne gemeinsame Verpflichtungen. Häufig trägt ein Elternteil einen größeren Teil zum Haushaltseinkommen bei, während gleichzeitig Miete oder Immobilienfinanzierung, Lebenshaltungskosten, Versicherungen, Mobilität und Ausgaben für die Kinder finanziert werden müssen.
Stirbt ein Elternteil, fallen viele dieser Kosten nicht automatisch weg. Gleichzeitig kann das Haushaltseinkommen deutlich sinken. Hinterbliebenenleistungen können einen Teil der finanziellen Belastung auffangen, sollten bei der privaten Absicherung jedoch nicht als vollständiger Ersatz des bisherigen Einkommens betrachtet werden.
Hinzu kommt ein Punkt, der bei der Planung häufig vergessen wird: Auch ein Elternteil mit geringem oder keinem eigenen Einkommen kann einen erheblichen wirtschaftlichen Beitrag zur Familie leisten. Wer beispielsweise überwiegend Kinderbetreuung, Haushalt und organisatorische Aufgaben übernimmt, erbringt Leistungen, die im Todesfall teilweise durch externe Betreuung oder eine Reduzierung der Arbeitszeit des anderen Elternteils ersetzt werden müssten.
Eine Risikolebensversicherung für Familien sollte deshalb nicht ausschließlich anhand des Gehalts betrachtet werden. Entscheidend ist vielmehr, welche finanzielle Lücke durch den Tod einer Person innerhalb der Familie entstehen würde.
Wie hoch sollte eine Risikolebensversicherung für Familien sein?
Eine universell richtige Versicherungssumme gibt es nicht. Als grobe Orientierung werden teilweise mehrere Jahresbruttoeinkommen genannt, beispielsweise das Drei- bis Fünffache des jährlichen Bruttoeinkommens. Eine solche Faustformel kann einen ersten Anhaltspunkt liefern, ersetzt aber keine individuelle Berechnung.
Bei Familien ist eine bedarfsorientierte Berechnung meist wesentlich sinnvoller. Dabei werden die finanziellen Verpflichtungen und der zukünftige Versorgungsbedarf zusammengerechnet und anschließend vorhandenes Vermögen oder andere unmittelbar verfügbare Absicherungen berücksichtigt.
Vereinfacht kann die Überlegung so aussehen:
Benötigter Einkommensersatz + offene Kredite + zusätzliche Familienkosten + finanzielle Reserve – vorhandenes frei verfügbares Vermögen = ungefähr benötigte Versicherungssumme
Diese Rechnung muss nicht auf den Euro genau sein. Sie hilft aber dabei, eine Versicherungssumme zu wählen, die nachvollziehbar aus der tatsächlichen Lebenssituation abgeleitet wurde.
Den Einkommensausfall realistisch berechnen
Der größte Teil der Versicherungssumme dient bei vielen Familien dazu, den wegfallenden Verdienst zumindest für einen bestimmten Zeitraum zu ersetzen. Dabei sollte nicht automatisch das komplette bisherige Einkommen für 20 oder 30 Jahre angesetzt werden.
Wichtiger ist die Frage, wie groß die tatsächliche monatliche Finanzierungslücke wäre. Verdient beispielsweise ein Elternteil netto 3.500 Euro und der andere 1.800 Euro, bedeutet der Tod des Hauptverdieners nicht zwangsläufig, dass dauerhaft 3.500 Euro monatlich ersetzt werden müssen. Bestimmte persönliche Ausgaben fallen weg, eventuell stehen Hinterbliebenenleistungen zur Verfügung und die Familie könnte ihre Ausgabenstruktur langfristig anpassen.
Gleichzeitig können neue Kosten entstehen. Der verbliebene Elternteil arbeitet möglicherweise weniger, um sich um die Kinder kümmern zu können. Vielleicht wird eine Kinderbetreuung benötigt oder Unterstützung im Haushalt erforderlich.
Eine vernünftige Berechnung sollte deshalb nicht nur nach dem bisherigen Einkommen fragen, sondern nach dem Betrag, der der Familie monatlich tatsächlich fehlen würde.
Angenommen, nach Berücksichtigung aller Veränderungen fehlen der Familie voraussichtlich 2.000 Euro monatlich. Soll diese Lücke zunächst für zehn Jahre abgesichert werden, entspricht das bereits 240.000 Euro. Zusätzliche Kredite und Sicherheitsreserven sind darin noch nicht enthalten.
Kinder verändern den benötigten Versicherungsschutz erheblich
Je jünger die Kinder sind, desto länger besteht normalerweise ein finanzieller Versorgungsbedarf. Ein Paar mit zwei Kindern im Alter von zwei und vier Jahren befindet sich deshalb in einer anderen Situation als Eltern, deren Kinder bereits 17 und 19 Jahre alt sind.
Bei kleinen Kindern muss die Familie möglicherweise noch über viele Jahre für Wohnen, Kleidung, Ernährung, Betreuung, Schule, Freizeit und später Ausbildung oder Studium aufkommen. Gleichzeitig sind die beruflichen Möglichkeiten des verbliebenen Elternteils durch die Betreuung möglicherweise eingeschränkt.
Es ist deshalb sinnvoll, die Absicherung nicht nur bis zum 18. Geburtstag des jüngsten Kindes zu betrachten. Je nach familiärer Planung kann eine Laufzeit bis zum Abschluss einer Ausbildung oder eines Studiums sinnvoller sein.
Wer beispielsweise ein dreijähriges Kind hat und davon ausgeht, dass die finanzielle Abhängigkeit ungefähr bis zum 23. oder 25. Lebensjahr bestehen könnte, sollte prüfen, ob eine Vertragslaufzeit von rund 20 bis 22 Jahren besser zur eigenen Situation passt als eine deutlich kürzere Laufzeit.
Immobilienkredit und Risikolebensversicherung gemeinsam betrachten
Besonders wichtig wird die Versicherungssumme, wenn eine Familie eine Immobilie finanziert. Der Tod eines Kreditnehmers kann dazu führen, dass der verbleibende Partner die monatliche Kreditrate allein nicht mehr tragen kann.
Eine mögliche Lösung besteht darin, die offene Restschuld zusätzlich zum benötigten Versorgungsbetrag zu berücksichtigen. Beträgt die Restschuld beispielsweise noch 280.000 Euro und werden weitere 300.000 Euro benötigt, um die Familie über mehrere Jahre finanziell abzusichern, könnte sich daraus ein Absicherungsbedarf von ungefähr 580.000 Euro ergeben.
Ob der Immobilienkredit im Todesfall vollständig zurückgezahlt werden soll, ist eine individuelle Entscheidung. Es kann beispielsweise auch ausreichen, einen größeren Teil der Restschuld abzulösen, sodass die verbleibende monatliche Kreditrate mit dem Einkommen des überlebenden Partners problemlos tragbar wird.
Entscheidend ist das Ziel: Die Familie sollte nicht allein deshalb zum Verkauf des eigenen Hauses gezwungen sein, weil nach dem Tod eines Elternteils die Finanzierung nicht mehr bezahlbar ist.
Gleichbleibende oder fallende Versicherungssumme?
Wer hauptsächlich einen Immobilienkredit absichern möchte, kann Tarife mit fallender Versicherungssumme prüfen. Dabei reduziert sich die vereinbarte Todesfallleistung im Laufe der Vertragszeit.
Das kann sinnvoll sein, wenn der finanzielle Absicherungsbedarf tatsächlich kontinuierlich sinkt, beispielsweise weil auch die Restschuld eines Darlehens Jahr für Jahr geringer wird. Für eine umfassende Familienabsicherung ist eine fallende Versicherungssumme allerdings nicht automatisch die bessere Lösung.
Der Versorgungsbedarf einer Familie entwickelt sich nicht immer parallel zur Kreditschuld. Gerade in den ersten Jahren können Kinderbetreuung, Ausbildung und laufende Lebenshaltung einen hohen Kapitalbedarf verursachen. Eine konstante Versicherungssumme bietet deshalb häufig eine besser kalkulierbare Absicherung.
Beispiel: Wie viel Absicherung könnte eine Familie benötigen?
Ein konkretes Beispiel zeigt, warum eine pauschale Versicherungssumme schnell zu niedrig angesetzt sein kann. Angenommen, eine Familie besteht aus zwei Elternteilen und zwei Kindern im Alter von drei und sechs Jahren.
Ein Elternteil verdient monatlich 3.400 Euro netto und trägt den größeren Teil zum Familienunterhalt bei. Der andere Elternteil verdient 1.600 Euro netto. Für das Eigenheim besteht noch eine Restschuld von 250.000 Euro.
Nach einem Todesfall würde der Familie nach einer vorsichtigen Berechnung monatlich ungefähr ein Betrag von 1.800 Euro fehlen. Dieser Fehlbetrag soll zunächst für zwölf Jahre finanziell abgefedert werden.
1.800 Euro × 12 Monate × 12 Jahre ergeben 259.200 Euro.
Zusätzlich möchte die Familie 200.000 Euro der bestehenden Immobilienfinanzierung ablösen, damit die zukünftige Kreditrate deutlich sinkt. Außerdem sollen 40.000 Euro als Reserve für Betreuung, Ausbildung und unerwartete Kosten vorhanden sein.
Damit ergibt sich:
259.200 Euro Einkommensersatz
- 200.000 Euro Kreditabsicherung
- 40.000 Euro Reserve
= 499.200 Euro Absicherungsbedarf
Besitzt die Familie beispielsweise 50.000 Euro frei verfügbares Vermögen, das ausdrücklich für die Hinterbliebenen zur Verfügung stehen könnte, ließe sich dieses grundsätzlich berücksichtigen. Daraus würde ein rechnerischer Bedarf von rund 450.000 Euro entstehen.
Das Beispiel zeigt gleichzeitig, weshalb 100.000 oder 150.000 Euro trotz der auf den ersten Blick hohen Summe bei einer jungen Familie schnell zu wenig sein können.
Wie viel Reserve sollte zusätzlich eingeplant werden?
Eine Risikolebensversicherung muss nicht jede denkbare Ausgabe bis zum letzten Euro abdecken. Eine gewisse Sicherheitsreserve kann dennoch sinnvoll sein, weil sich die finanzielle Situation nach einem Todesfall nur schwer vollständig vorhersehen lässt.
Möglicherweise möchte der verbliebene Elternteil seine Arbeitszeit vorübergehend reduzieren. Vielleicht wird eine Betreuung benötigt, ein Umzug notwendig oder es entstehen zusätzliche Kosten für das Haus. Gleichzeitig verändern Inflation und steigende Lebenshaltungskosten langfristig den Wert einer heute festgelegten Versicherungssumme.
Eine zu knapp kalkulierte Absicherung kann deshalb problematisch sein. Wer rechnerisch beispielsweise auf einen Bedarf von 420.000 Euro kommt, sollte nicht allein aus Beitragsgründen automatisch auf 350.000 Euro reduzieren.
Die Versicherungssumme sollte ausreichend Spielraum bieten, ohne unnötig hoch angesetzt zu werden. Denn grundsätzlich gilt auch bei der Risikolebensversicherung: Eine höhere Versicherungssumme führt normalerweise zu höheren Beiträgen.
Sollten beide Elternteile eine Risikolebensversicherung haben?
In vielen Familien ist es sinnvoll, beide Elternteile abzusichern. Das gilt auch dann, wenn die Einkommen unterschiedlich hoch sind oder ein Elternteil aktuell gar kein eigenes Einkommen erzielt.
Beim Hauptverdiener steht häufig der Einkommensverlust im Mittelpunkt. Beim anderen Elternteil kann dagegen der wirtschaftliche Wert von Kinderbetreuung, Haushalt und Organisation entscheidend sein.
Stirbt beispielsweise der Elternteil, der hauptsächlich die Kinder betreut, muss der Hauptverdiener möglicherweise seine Arbeitszeit reduzieren oder eine umfangreiche Betreuung organisieren. Auch dadurch kann eine erhebliche finanzielle Belastung entstehen.
Die Versicherungssummen müssen deshalb nicht zwangsläufig identisch sein. Für beide Personen sollte separat berechnet werden, welche finanzielle Lücke ihr Tod verursachen würde.
Einzelverträge oder verbundene Risikolebensversicherung?
Paare können ihre Absicherung grundsätzlich unterschiedlich strukturieren. Eine Möglichkeit sind zwei getrennte Risikolebensversicherungen, bei denen jeder Partner einen eigenen Vertrag besitzt und der jeweils andere als begünstigte Person vorgesehen wird.
Daneben gibt es verbundene Risikolebensversicherungen, die zwei Personen innerhalb eines Vertrags absichern. Die vereinbarte Leistung wird dabei üblicherweise einmal ausgezahlt, wenn eine der versicherten Personen während der Vertragslaufzeit verstirbt.
Für Familien können zwei separate Verträge flexibler sein, weil Versicherungssummen und Laufzeiten individuell gewählt werden können. Auch Veränderungen der Partnerschaft oder unterschiedliche Absicherungsbedürfnisse lassen sich damit häufig leichter abbilden.
Welche Variante finanziell und vertraglich sinnvoller ist, sollte anhand der konkreten Bedingungen geprüft werden. Der günstigere Beitrag allein sollte nicht entscheiden.
Welche Laufzeit ist für Familien sinnvoll?
Neben der Versicherungssumme ist die Laufzeit einer der wichtigsten Punkte bei der Tarifwahl. Die Versicherung sollte möglichst genau die Phase abdecken, in der eine erhebliche finanzielle Abhängigkeit besteht.
Bei Familien mit kleinen Kindern kann das beispielsweise bis zu dem Zeitpunkt sein, zu dem das jüngste Kind voraussichtlich wirtschaftlich selbstständig ist. Bei einer Immobilienfinanzierung kann zusätzlich die Dauer des Darlehens berücksichtigt werden.
Ein 35-jähriges Paar mit einem zweijährigen Kind könnte deshalb beispielsweise eine Laufzeit von 20 bis 25 Jahren prüfen. Sind die Kinder dagegen bereits weitgehend selbstständig und der Immobilienkredit fast zurückgezahlt, kann eine deutlich kürzere Absicherungsdauer ausreichend sein.
Problematisch ist es, die Laufzeit aus Beitragsgründen zu knapp zu wählen. Eine neue Risikolebensversicherung zehn oder fünfzehn Jahre später abzuschließen, kann aufgrund des höheren Eintrittsalters und einer möglicherweise veränderten Gesundheit erheblich teurer oder schwieriger werden.
Welche Faktoren beeinflussen die Kosten?
Der Beitrag einer Risikolebensversicherung wird individuell kalkuliert. Eine pauschale Aussage darüber, wie viel eine gute Familienabsicherung monatlich kostet, ist deshalb kaum sinnvoll.
Besonders relevant sind das Alter beim Vertragsabschluss, die gewünschte Versicherungssumme, die Laufzeit, der Gesundheitszustand, der Raucherstatus und teilweise berufliche oder private Risiken. Auch Tarifgestaltung und Anbieter unterscheiden sich.
Ein höherer Beitrag bedeutet dabei nicht automatisch einen besseren Vertrag. Gleichzeitig sollte bei einem Vergleich nicht ausschließlich nach dem niedrigsten Monatsbeitrag sortiert werden.
Wichtig ist insbesondere, ob der Tarif ausreichend flexibel bleibt, wenn sich die Lebenssituation verändert. Familien befinden sich häufig über viele Jahre in einer Phase, in der sich Einkommen, Immobilienfinanzierung und Kinderzahl noch verändern können.
Welche Vertragsbedingungen Familien besonders prüfen sollten
Eine Risikolebensversicherung erscheint auf den ersten Blick vergleichsweise einfach: Stirbt die versicherte Person während der Vertragslaufzeit, wird die vereinbarte Versicherungssumme an die begünstigte Person ausgezahlt. Trotzdem gibt es relevante Unterschiede zwischen Tarifen.
Besonders interessant können sogenannte Nachversicherungsmöglichkeiten sein. Sie ermöglichen unter bestimmten Voraussetzungen eine Erhöhung der Versicherungssumme ohne erneute vollständige Gesundheitsprüfung.
Das kann beispielsweise nach der Geburt eines Kindes, einer Heirat, einem Immobilienkauf oder einer deutlichen Einkommenserhöhung wichtig werden. Wer heute 300.000 Euro benötigt, kann einige Jahre später einen wesentlich höheren Absicherungsbedarf haben.
Auch Verlängerungsoptionen, Regelungen zur Dynamik und die genaue Ausgestaltung einer fallenden Versicherungssumme können für Familien relevant sein. Je wahrscheinlicher größere Veränderungen in den kommenden Jahren sind, desto wichtiger ist eine ausreichende vertragliche Flexibilität.
Gesundheitsfragen müssen vollständig beantwortet werden
Beim Abschluss einer Risikolebensversicherung stellen Versicherer Gesundheitsfragen. Diese sollten sorgfältig, vollständig und wahrheitsgemäß beantwortet werden.
Unklare Erinnerungen an Behandlungen, Diagnosen oder Arztbesuche sollten nicht einfach geschätzt werden. Gerade bei hohen Versicherungssummen sollte ausreichend Zeit für die Vorbereitung des Antrags eingeplant werden.
Fehlerhafte oder unvollständige Angaben können im Leistungsfall erhebliche Probleme verursachen. Der Versuch, einen möglichst günstigen Tarif schnell abzuschließen, sollte deshalb niemals wichtiger sein als ein sauber ausgefüllter Versicherungsantrag.
Wer Vorerkrankungen hat, sollte außerdem nicht automatisch davon ausgehen, dass eine Risikolebensversicherung unmöglich ist. Versicherer bewerten gesundheitliche Risiken unterschiedlich. Je nach Situation können normale Annahme, Zuschläge, Einschränkungen oder eine Ablehnung möglich sein.
Risikolebensversicherung vergleichen: Worauf Familien achten sollten
Ein Vergleich kann erhebliche Beitragsunterschiede sichtbar machen, weil Versicherer Risiken unterschiedlich kalkulieren. Für einen sinnvollen Vergleich sollten jedoch möglichst realistische und vollständige Angaben gemacht werden.
Benötigt werden normalerweise unter anderem Alter, gewünschte Versicherungssumme, Laufzeit, Raucherstatus und verschiedene Angaben zur persönlichen Situation. Für die spätere Antragstellung kommen Gesundheitsfragen hinzu.
Beim Vergleich sollten Familien nicht nur den angezeigten Beitrag betrachten. Mindestens ebenso wichtig sind Versicherungssumme, Laufzeit, Nachversicherungsmöglichkeiten, mögliche Dynamik und die Bedingungen für spätere Vertragsanpassungen.
Besonders vorsichtig sollte man sein, wenn zwei Angebote preislich deutlich auseinanderliegen. Ein günstigerer Beitrag kann attraktiv sein, entscheidend ist aber, ob tatsächlich vergleichbare Leistungen und Vertragsmerkmale gegenübergestellt werden.
Typische Fehler bei der Absicherung von Familien
Der häufigste Fehler besteht darin, die Versicherungssumme nach Gefühl festzulegen. Beträge wie 100.000 oder 250.000 Euro wirken groß, sagen aber nichts darüber aus, ob sie zum tatsächlichen Bedarf passen.
Ein weiterer Fehler ist die ausschließliche Absicherung des Hauptverdieners. Auch der Tod des Partners mit geringerem Einkommen oder überwiegender Familienarbeit kann erhebliche finanzielle Folgen verursachen.
Ebenso problematisch ist eine zu kurze Vertragslaufzeit. Ist die Versicherung beendet, während Kinder oder Immobilienfinanzierung weiterhin eine hohe finanzielle Abhängigkeit verursachen, entsteht erneut eine Versorgungslücke.
Auch vorhandenes Vermögen sollte realistisch bewertet werden. Eine selbst genutzte Immobilie ist beispielsweise nicht automatisch eine frei verfügbare Rücklage. Soll die Familie darin wohnen bleiben, kann ihr vollständiger Immobilienwert kaum gleichzeitig zur Finanzierung des laufenden Lebensunterhalts eingesetzt werden.
Schließlich sollte eine einmal abgeschlossene Risikolebensversicherung nicht für Jahrzehnte völlig unbeachtet bleiben. Familienleben verändert sich und damit häufig auch der Absicherungsbedarf.
Wann sollte die Versicherungssumme überprüft werden?
Eine Überprüfung ist insbesondere nach größeren Veränderungen sinnvoll. Dazu gehören die Geburt eines weiteren Kindes, Immobilienkauf, größere Kredite, deutliche Gehaltssteigerungen, eine längere berufliche Auszeit eines Partners oder ein grundlegender Wechsel der familiären Finanzplanung.
Auch nach einigen Jahren ohne besonderes Ereignis lohnt sich ein Blick auf die ursprüngliche Berechnung. Möglicherweise ist das Einkommen deutlich gestiegen, während die ursprünglich vereinbarte Versicherungssumme unverändert geblieben ist.
Umgekehrt kann der Absicherungsbedarf mit zunehmendem Alter sinken. Kredite werden zurückgezahlt, Vermögen wächst und Kinder werden wirtschaftlich selbstständiger. Eine hohe Absicherung muss deshalb nicht zwingend bis ins Rentenalter bestehen.
Wichtig ist, Änderungen nicht vorschnell vorzunehmen. Einen bestehenden Vertrag zu kündigen und anschließend einen neuen abzuschließen kann insbesondere dann problematisch sein, wenn sich Gesundheitszustand oder Annahmebedingungen verändert haben.
Eine einfache Methode zur eigenen Bedarfsermittlung
Familien können ihren ungefähren Bedarf zunächst selbst berechnen, bevor verschiedene Tarife betrachtet werden. Dafür sollte nicht mit einer abstrakten Wunschsumme begonnen werden, sondern mit den tatsächlichen finanziellen Verpflichtungen.
Zunächst wird geschätzt, wie viel Geld dem Haushalt nach dem Tod eines Elternteils monatlich fehlen würde. Anschließend wird festgelegt, wie viele Jahre diese Differenz ausgeglichen werden soll. Danach kommen offene Kredite und eine angemessene Reserve hinzu.
Von diesem Betrag können solche Vermögenswerte abgezogen werden, die tatsächlich kurzfristig für die Hinterbliebenen eingesetzt werden können. Altersvorsorgevermögen, das nur unter erheblichen Nachteilen verfügbar wäre, oder die selbst bewohnte Immobilie sollten dagegen nicht unkritisch vollständig gegengerechnet werden.
Das Ergebnis ist keine mathematisch perfekte Zahl. Es schafft jedoch eine deutlich bessere Grundlage als die Wahl einer Versicherungssumme nach Bauchgefühl.
Häufige Fragen zur Risikolebensversicherung für Familien
Bei der Absicherung von Familien tauchen besonders häufig Fragen zur richtigen Versicherungssumme, zur Absicherung beider Eltern und zur notwendigen Vertragsdauer auf. Die folgenden Antworten helfen dabei, die wichtigsten Entscheidungen besser einzuordnen.
Reichen 300.000 Euro Risikolebensversicherung für eine Familie?
Das kann ausreichen, muss es aber nicht. Entscheidend sind Einkommen, Zahl und Alter der Kinder, vorhandenes Vermögen, laufende Kredite und die gewünschte Dauer des Einkommensersatzes.
Bei einer Familie ohne Immobilienkredit und mit zwei ähnlichen Einkommen können 300.000 Euro beispielsweise eine solide Absicherung darstellen. Besteht dagegen noch eine hohe Baufinanzierung und fällt ein Großteil des Haushaltseinkommens weg, kann der tatsächliche Bedarf erheblich höher liegen.
Wie hoch sollte die Risikolebensversicherung bei einem Hauskredit sein?
Die offene Restschuld ist eine wichtige Ausgangsgröße, sollte aber nicht automatisch mit der gesamten Versicherungssumme gleichgesetzt werden. Zusätzlich zum Darlehen benötigt die Familie möglicherweise Kapital für den laufenden Lebensunterhalt.
Bestehen beispielsweise noch 300.000 Euro Restschuld und zusätzlich ein Versorgungsbedarf von 250.000 Euro, kann eine Absicherung von insgesamt ungefähr 550.000 Euro sinnvoller sein als eine reine Kreditabsicherung über 300.000 Euro.
Muss auch ein nicht berufstätiger Elternteil versichert werden?
Eine Absicherung kann sehr sinnvoll sein. Auch ohne eigenes Erwerbseinkommen hat die Arbeit eines Elternteils innerhalb der Familie einen erheblichen wirtschaftlichen Wert.
Fällt Kinderbetreuung oder Haushaltsorganisation weg, muss der andere Elternteil möglicherweise seine Arbeitszeit reduzieren oder kostenpflichtige Unterstützung organisieren. Deshalb sollte der mögliche finanzielle Schaden individuell berechnet werden, anstatt ausschließlich das vorhandene Einkommen zu betrachten.
Bis zu welchem Alter der Kinder sollte die Versicherung laufen?
Eine häufig sinnvolle Orientierung ist der Zeitpunkt, zu dem das jüngste Kind voraussichtlich wirtschaftlich weitgehend selbstständig sein wird. Das muss nicht automatisch der 18. Geburtstag sein.
Je nach Ausbildung oder Studium kann die finanzielle Unterstützung deutlich länger erforderlich sein. Bei kleinen Kindern kann deshalb eine Vertragslaufzeit von 20 Jahren oder mehr sinnvoll sein, sofern gleichzeitig weitere Verpflichtungen wie eine Immobilienfinanzierung bestehen.
Kann man die Versicherungssumme später erhöhen?
Das hängt vom Vertrag ab. Viele Tarife sehen unter bestimmten Voraussetzungen Möglichkeiten zur Nachversicherung vor, beispielsweise nach Geburt eines Kindes, Heirat, Immobilienkauf oder anderen festgelegten Ereignissen.
Solche Optionen können für junge Familien besonders wertvoll sein, weil sich der Absicherungsbedarf im Laufe der Jahre deutlich verändern kann. Vor Vertragsabschluss sollte deshalb geprüft werden, wann und in welchem Umfang eine Erhöhung ohne erneute vollständige Gesundheitsprüfung möglich ist.
Fazit: Die richtige Versicherungssumme entsteht aus dem tatsächlichen Bedarf
Bei einer Risikolebensversicherung für Familien sollte die Versicherungssumme nicht nach einer pauschalen Empfehlung gewählt werden. Entscheidend ist die Frage, wie groß die finanzielle Lücke tatsächlich wäre, wenn ein Elternteil während der nächsten Jahre verstirbt.
Einkommensausfall, Alter der Kinder, Immobilienkredit, weitere Verbindlichkeiten, Betreuungskosten, vorhandene Rücklagen und die gewünschte Absicherungsdauer gehören deshalb gemeinsam in die Berechnung. Gerade bei jungen Familien können dadurch deutlich höhere Summen entstehen, als zunächst erwartet.
Ebenso wichtig wie die Versicherungssumme ist eine ausreichend lange Laufzeit. Der Schutz sollte möglichst die gesamte Phase abdecken, in der Kinder, Partner oder eine Immobilienfinanzierung wesentlich vom Einkommen der versicherten Person abhängig sind.
Ein gut vorbereiteter Tarifvergleich kann anschließend zeigen, wie stark sich Beiträge und Vertragsbedingungen unterscheiden. Dabei sollte nicht allein der niedrigste Preis entscheiden. Eine Risikolebensversicherung erfüllt ihren Zweck nur dann wirklich, wenn Versicherungssumme, Laufzeit und Vertragsbedingungen auch Jahre später noch zur Familie passen.