Eine Lebensversicherung läuft häufig über mehrere Jahrzehnte. In dieser Zeit können sich Einkommen, Familienplanung, finanzielle Ziele oder die persönliche Einschätzung des Vertrags verändern, sodass irgendwann die Frage entsteht: Lohnt sich die Lebensversicherung noch oder sollte ich sie kündigen?
Spätestens vor einer Kündigung wird der Rückkaufswert entscheidend. Er beschreibt vereinfacht den Betrag, den der Versicherer bei einer vorzeitigen Vertragsbeendigung auszahlt. Besonders in den ersten Vertragsjahren erleben Versicherte dabei häufig eine Überraschung, denn die Auszahlung kann deutlich unter der Summe der bisher eingezahlten Beiträge liegen.
Eine Kündigung sollte deshalb nicht allein davon abhängen, ob der Vertrag heute noch attraktiv erscheint. Wichtig ist vielmehr, den aktuellen Rückkaufswert, zukünftige Leistungen, verbleibende Kosten, mögliche Garantien, steuerliche Folgen und Alternativen zur Kündigung gemeinsam zu betrachten.
Was ist der Rückkaufswert einer Lebensversicherung?
Der Rückkaufswert ist der Wert, den eine kapitalbildende Lebensversicherung bei einer vorzeitigen Beendigung des Vertrags besitzt. Er wird nach versicherungsmathematischen Regeln ermittelt und hängt unter anderem vom aufgebauten Vertragsvermögen, der Vertragsdauer und der konkreten Tarifgestaltung ab.
Bei einer klassischen kapitalbildenden Lebensversicherung bildet sich während der Laufzeit ein sogenanntes Deckungskapital. Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen spielt dagegen insbesondere der aktuelle Zeitwert der zugrunde liegenden Kapitalanlage eine Rolle. Dadurch kann sich der Rückkaufswert verschiedener Lebensversicherungen selbst bei vergleichbaren Beiträgen deutlich unterscheiden.
Rückkaufswert und eingezahlte Beiträge sind nicht dasselbe
Ein häufiger Denkfehler besteht darin, die eingezahlten Beiträge mit einem persönlichen Sparkonto gleichzusetzen. Zahlst du beispielsweise zehn Jahre lang monatlich 150 Euro, hast du insgesamt 18.000 Euro überwiesen – daraus folgt aber nicht automatisch ein Rückkaufswert von 18.000 Euro.
Von deinen Beiträgen werden je nach Vertrag unter anderem Kosten für Verwaltung, Abschluss und Vertrieb sowie gegebenenfalls Beiträge für den enthaltenen Versicherungsschutz finanziert. Nur der verbleibende Sparanteil fließt tatsächlich in den Vermögensaufbau, sodass gerade zu Beginn der Laufzeit eine erhebliche Differenz entstehen kann.
Bei einer reinen Risikolebensversicherung ist die Situation grundsätzlich anders, weil dort kein klassisches Sparvermögen für eine spätere Auszahlung aufgebaut wird. Der Rückkaufswert ist daher vor allem bei kapitalbildenden und fondsgebundenen Lebensversicherungen von Bedeutung.
Wie wird der Rückkaufswert einer Lebensversicherung berechnet?
Eine einfache allgemeingültige Formel, mit der Verbraucher ihren exakten Rückkaufswert selbst berechnen können, gibt es nicht. Die Berechnung basiert auf den versicherungsmathematischen Grundlagen des konkreten Vertrags und kann je nach Produktgeneration, Garantien, Kostenstruktur und Kapitalanlage unterschiedlich ausfallen.
Als grobe Orientierung lässt sich der Zusammenhang jedoch so darstellen: Ausgangspunkt ist das vorhandene Deckungskapital beziehungsweise der Zeitwert des Vertrags. Hinzukommen können bereits zugeteilte Überschüsse und weitere vertraglich vorgesehene Werte, während zulässige Abzüge oder offene Beitragsforderungen den Auszahlungsbetrag reduzieren können.
Vereinfacht gilt daher: Rückkaufswert = vorhandener Vertragswert + berücksichtigte Überschüsse – zulässige Abzüge – gegebenenfalls offene Forderungen.
Diese Darstellung eignet sich vor allem zum Verständnis der Berechnungslogik. Für eine konkrete Kündigungsentscheidung sollte immer der aktuelle Wert beim Versicherer erfragt und nicht lediglich aus den eingezahlten Beiträgen hochgerechnet werden.
Rückkaufswert bei einer klassischen Lebensversicherung
Bei klassischen kapitalbildenden Lebensversicherungen spielt das Deckungskapital eine zentrale Rolle. Es entsteht aus den für den Sparprozess bestimmten Beitragsbestandteilen einschließlich der für den Vertrag maßgeblichen Rechnungsgrundlagen und entwickelt sich während der Vertragslaufzeit weiter.
Zusätzlich können Überschussbeteiligungen hinzukommen, deren Höhe jedoch nicht in jedem Fall vollständig garantiert ist. Bei älteren Verträgen können zudem Garantien vereinbart sein, die bei einer Bewertung des Vertrags besonders wichtig werden und nicht vorschnell aufgegeben werden sollten.
Gerade deshalb ist ein niedriger Rückkaufswert nicht automatisch der Beweis dafür, dass der gesamte Vertrag schlecht ist. Ein Vertrag kann beispielsweise aktuell einen unbefriedigenden Kündigungswert besitzen, gleichzeitig aber bei Fortführung interessante Garantieleistungen oder eine deutlich höhere Ablaufleistung bieten.
Rückkaufswert bei einer fondsgebundenen Lebensversicherung
Bei einer fondsgebundenen Lebensversicherung hängt der Vertragswert wesentlich davon ab, wie sich die gewählten Fonds oder sonstigen Kapitalanlagen entwickelt haben. Für den Rückkaufswert ist grundsätzlich der Zeitwert der Versicherung maßgeblich, soweit keine bestimmte Leistung garantiert ist.
Steigen die Kapitalmärkte, kann sich dies positiv auf den Vertragswert auswirken. Bei schwachen Börsenphasen können dagegen Verluste entstehen, sodass der Zeitpunkt einer Kündigung bei fondsgebundenen Verträgen eine größere Rolle spielen kann als bei einer klassischen Lebensversicherung.
Eine Kündigung nach einem deutlichen Marktrückgang kann deshalb besonders ungünstig sein, weil Kursverluste endgültig realisiert werden. Vor einer Entscheidung sollte geprüft werden, wie hoch der Fondsbestand ist, welche Kosten weiterhin entstehen, welche Fonds verwendet werden und wie lange die ursprünglich geplante Restlaufzeit noch wäre.
Warum ist der Rückkaufswert häufig niedriger als die eingezahlten Beiträge?
Insbesondere in den ersten Jahren eines Vertrags liegt der Rückkaufswert häufig unter den insgesamt geleisteten Beiträgen. Ein wesentlicher Grund sind die Kosten, die beim Abschluss und während der Verwaltung einer Lebensversicherung entstehen, sowie gegebenenfalls der Preis für den enthaltenen Versicherungsschutz.
Dadurch benötigt ein Vertrag zunächst Zeit, bis der aufgebaute Wert die Summe der eingezahlten Beiträge erreichen oder übersteigen kann. Wie lange dieser Zeitraum dauert, lässt sich nicht pauschal sagen, weil Kosten, Rendite, Garantien, Beitragshöhe und Vertragsgestaltung von Tarif zu Tarif unterschiedlich sind.
Abschluss- und Vertriebskosten wirken besonders am Anfang
Der Abschluss einer Lebensversicherung kann Kosten verursachen, beispielsweise für Beratung und Vermittlung. Für die Berechnung des gesetzlichen Mindestrückkaufswerts sieht das Versicherungsvertragsgesetz bei entsprechenden Verträgen vor, dass die angesetzten Abschluss- und Vertriebskosten rechnerisch gleichmäßig auf die ersten fünf Vertragsjahre verteilt werden.
Das ändert jedoch nichts daran, dass die Kostenbelastung gerade am Anfang einer langen Vertragslaufzeit deutlich spürbar sein kann. Wer nach wenigen Jahren kündigt, hat häufig noch nicht genügend Vertragsvermögen aufgebaut, um diese Belastung durch Kapitalerträge oder Überschüsse auszugleichen.
Nicht jeder Beitrag fließt in die Geldanlage
Eine Lebensversicherung besteht häufig nicht ausschließlich aus einer Geldanlage. Teile des Beitrags können beispielsweise für den Todesfallschutz oder ergänzende Versicherungsleistungen verwendet werden, sofern solche Bausteine vereinbart wurden.
Hinzu kommen laufende Verwaltungskosten und Kosten der Kapitalanlage. Deshalb sollte beim Vergleich nicht nur betrachtet werden, wie viel Geld insgesamt eingezahlt wurde, sondern auch, welcher Teil davon tatsächlich für den Kapitalaufbau zur Verfügung stand.
Rückkaufswert berechnen: Ein Beispiel aus der Praxis
Wie groß die Differenz zwischen Einzahlung und Rückkaufswert sein kann, lässt sich anhand eines vereinfachten Beispiels zeigen. Die folgenden Zahlen stellen keinen konkreten Versicherungstarif dar, sondern sollen lediglich verdeutlichen, wie eine Kündigung wirtschaftlich eingeordnet werden kann.
Angenommen, du zahlst monatlich 150 Euro in eine kapitalbildende Lebensversicherung ein. Nach acht Jahren wurden damit insgesamt 14.400 Euro Beiträge gezahlt, während der Versicherer einen aktuellen Rückkaufswert von 11.900 Euro ausweist.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Monatlicher Beitrag | 150 € |
| Vertragsdauer bisher | 8 Jahre |
| Eingezahlte Beiträge | 14.400 € |
| Aktueller Rückkaufswert | 11.900 € |
| Differenz | -2.500 € |
Eine sofortige Kündigung würde in diesem Beispiel bedeuten, dass gegenüber den geleisteten Beiträgen zunächst eine Differenz von 2.500 Euro besteht. Daraus kann allerdings noch nicht abgeleitet werden, ob die Fortführung automatisch besser wäre, denn dafür müssten auch zukünftige Beiträge, erwartete Ablaufleistungen, Garantien und weitere Kosten berücksichtigt werden.
Genau hier liegt der entscheidende Punkt: Für die richtige Entscheidung reicht der Blick zurück auf bereits gezahlte Beiträge nicht aus. Interessanter ist die Frage, welches Ergebnis du ab heute mit den verschiedenen Möglichkeiten erreichen kannst.
Wo findest du den aktuellen Rückkaufswert?
Bei vielen Verträgen lässt sich der aktuelle oder ein prognostizierter Rückkaufswert aus den Vertragsunterlagen beziehungsweise den regelmäßigen Informationen des Versicherers entnehmen. Allerdings können dort mehrere Werte nebeneinander stehen, beispielsweise garantierte Leistungen, mögliche Überschüsse, Ablaufleistungen und Kündigungswerte.
Wer eine Kündigung konkret erwägt, sollte deshalb den Versicherer um eine aktuelle schriftliche Auskunft bitten. Wichtig ist, dass klar erkennbar ist, welcher Betrag bei einer Kündigung zum gewünschten Zeitpunkt tatsächlich zur Auszahlung vorgesehen wäre und welche Abzüge dabei bereits berücksichtigt sind.
Vergleiche diesen Wert anschließend mit deinen bisher gezahlten Beiträgen und den Leistungen, die du bei einer Fortführung erhalten könntest. Nur dadurch entsteht ein realistisches Bild davon, welchen wirtschaftlichen Effekt die Kündigung tatsächlich hätte.
Was passiert mit dem Rückkaufswert bei einer Kündigung?
Bei laufender Beitragszahlung kann der Versicherungsnehmer eine entsprechende Lebensversicherung grundsätzlich zum Ende der laufenden Versicherungsperiode kündigen. Bei Verträgen, für die ein Rückkaufswert vorgesehen ist, wird dieser anschließend entsprechend den gesetzlichen und vertraglichen Regeln ermittelt und ausgezahlt.
Mit der Auszahlung endet jedoch nicht nur die Geldanlage. Auch der mit dem Vertrag verbundene Versicherungsschutz entfällt, weshalb insbesondere vorhandene Todesfallleistungen oder ergänzende Versicherungsbausteine in die Entscheidung einbezogen werden müssen.
Wer später wieder vergleichbaren Versicherungsschutz benötigt, muss unter Umständen einen neuen Vertrag abschließen. Alter, Gesundheitszustand, Tarifangebot und Kosten können sich bis dahin verändert haben, sodass eine spätere Wiederbeschaffung des Schutzes nicht automatisch zu denselben Bedingungen möglich ist.
Darf der Versicherer einen Stornoabzug vornehmen?
Ein zusätzlicher Abzug vom errechneten Rückkaufswert ist nicht beliebig möglich. Nach dem Versicherungsvertragsgesetz muss ein entsprechender Abzug vertraglich vereinbart, beziffert und angemessen sein; ein Abzug allein wegen noch nicht getilgter Abschluss- und Vertriebskosten ist in dieser Form nicht wirksam.
Wenn der ausgezahlte Betrag unerwartet niedrig erscheint, lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die Abrechnung. Dabei sollte nachvollziehbar sein, aus welchen Bestandteilen sich der Rückkaufswert zusammensetzt und welche Abzüge vorgenommen wurden.
Muss der Rückkaufswert versteuert werden?
Ob bei der Kündigung einer Lebensversicherung Steuern entstehen, hängt stark vom individuellen Vertrag ab. Entscheidend können insbesondere Abschlussdatum, Laufzeit, Alter bei Auszahlung, Vertragsgestaltung und die Höhe des tatsächlich erzielten Ertrags sein.
Bei entsprechenden nach dem 31. Dezember 2004 abgeschlossenen Verträgen kann grundsätzlich der positive Unterschied zwischen Versicherungsleistung und berücksichtigungsfähigen Beiträgen steuerlich relevant werden. Wird die Leistung nach mindestens zwölf Jahren Vertragsdauer ausgezahlt und sind die gesetzlichen Altersvoraussetzungen erfüllt, kann unter bestimmten Bedingungen lediglich die Hälfte dieses Unterschiedsbetrags anzusetzen sein; für nach dem 31. Dezember 2011 abgeschlossene Verträge ist hierfür grundsätzlich die Vollendung des 62. Lebensjahres erforderlich.
Bei älteren Verträgen können andere steuerliche Regelungen gelten. Vor allem bei lang laufenden Altverträgen sollte deshalb vor einer Kündigung geprüft werden, ob durch die Vertragsbeendigung steuerliche Vorteile oder günstige Vertragsbedingungen verloren gehen könnten.
Liegt der Rückkaufswert dagegen unter den insgesamt gezahlten Beiträgen, besteht schon rechnerisch kein positiver Unterschiedsbetrag in gleicher Höhe wie bei einem Vertrag mit Gewinn. Die steuerliche Behandlung kann dennoch von den Einzelheiten abhängen, weshalb bei größeren Beträgen eine individuelle Prüfung sinnvoll sein kann.
Kündigen oder Lebensversicherung weiterlaufen lassen?
Der Rückkaufswert allein beantwortet diese Frage nicht. Entscheidend ist, welche Alternative ab heute voraussichtlich den größeren Nutzen bringt und welche Rolle Sicherheit, Liquidität und Versicherungsschutz für deine persönliche Situation spielen.
Besonders bei älteren Verträgen kann eine Kündigung vorschnell sein. Enthält der Vertrag attraktive Garantien oder ist die verbleibende Laufzeit bereits vergleichsweise kurz, kann eine Fortführung wirtschaftlich interessanter sein als eine Auszahlung des aktuellen Rückkaufswerts.
Anders kann es aussehen, wenn ein Vertrag noch sehr lange läuft, hohe laufende Kosten verursacht, kaum zu den eigenen Zielen passt und gute Alternativen vorhanden sind. Dann sollte allerdings nicht nur die Kündigung betrachtet werden, sondern auch andere Möglichkeiten zur Anpassung des Vertrags.
Beitragsfreistellung als Alternative zur Kündigung
Bei einer Beitragsfreistellung werden keine weiteren regelmäßigen Beiträge mehr gezahlt, während der bereits aufgebaute Vertragswert grundsätzlich im Vertrag verbleibt. Die späteren Versicherungsleistungen reduzieren sich entsprechend, und bestimmte Zusatzleistungen können ebenfalls geringer werden oder entfallen.
Das Versicherungsvertragsgesetz sieht bei entsprechenden Lebensversicherungen grundsätzlich die Möglichkeit vor, eine Umwandlung in eine prämienfreie Versicherung zu verlangen, sofern die vertraglichen beziehungsweise gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Wird die erforderliche Mindestleistung nicht erreicht, kann stattdessen der Rückkaufswert relevant werden.
Die Beitragsfreistellung kann interessant sein, wenn du deine monatliche Belastung reduzieren möchtest, den Vertrag aber nicht endgültig aufgeben willst. Ob sie wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt jedoch davon ab, welche Kosten anschließend weiterlaufen und wie sich die garantierten sowie möglichen Leistungen verändern.
Lebensversicherung verkaufen statt kündigen
Für bestimmte bestehende Lebensversicherungen gibt es einen sogenannten Zweitmarkt. Dabei wird der Vertrag nicht beim Versicherer gekündigt, sondern an einen Käufer übertragen, der den Vertrag anschließend weiterführt oder anderweitig verwertet.
In geeigneten Fällen kann der angebotene Kaufpreis über dem Rückkaufswert des Versicherers liegen. Das ist jedoch keineswegs garantiert, und nicht jeder Vertrag wird angekauft, weshalb Vertragsart, Laufzeit, Rückkaufswert und weitere Bedingungen geprüft werden müssen.
Wer diese Möglichkeit erwägt, sollte Kaufpreis, Zahlungsbedingungen und Folgen für den Versicherungsschutz sorgfältig vergleichen. Besonders wichtig ist außerdem, unseriöse Angebote zu vermeiden und nicht allein mit einem vermeintlich höheren Auszahlungsbetrag zu entscheiden.
Beitrag reduzieren, Teilentnahme oder Policendarlehen prüfen
Je nach Vertrag bestehen weitere Möglichkeiten, bevor eine Lebensversicherung vollständig beendet wird. Dazu können eine Reduzierung des Beitrags, eine vorübergehende Beitragsänderung, Teilauszahlungen oder ein Darlehen auf Grundlage des vorhandenen Vertragswerts gehören.
Nicht jeder Versicherer und nicht jeder Tarif bietet sämtliche Varianten an. Zudem können solche Änderungen Auswirkungen auf Garantien, Ablaufleistung, Versicherungsschutz und steuerliche Behandlung haben, weshalb vor einer Anpassung eine konkrete Berechnung angefordert werden sollte.
Gerade wenn lediglich kurzfristig Liquidität benötigt wird, kann eine vollständige Kündigung eine unverhältnismäßig weitreichende Lösung sein. Die beste Alternative hängt davon ab, ob das eigentliche Problem dauerhaft beim Vertrag liegt oder nur vorübergehend bei der monatlichen finanziellen Belastung.
So bewertest du deinen Rückkaufswert richtig
Beginne mit vier Zahlen: der Summe deiner bisherigen Beiträge, dem aktuellen Rückkaufswert, der garantierten beziehungsweise prognostizierten Leistung bei Fortführung und der noch ausstehenden Beitragssumme. Erst wenn diese Größen nebeneinanderliegen, lässt sich beurteilen, welchen Preis eine vorzeitige Kündigung tatsächlich hat.
Danach solltest du prüfen, welche Garantien im Vertrag enthalten sind. Gerade bei älteren Lebensversicherungen kann es entscheidend sein, ob Konditionen vorhanden sind, die bei einem heutigen Neuabschluss nicht mehr in vergleichbarer Form verfügbar wären.
Im nächsten Schritt geht es um den zukünftigen Nutzen. Frage nicht nur: „Wie viel habe ich bereits verloren?“, sondern vor allem: „Was bringt mir jeder weitere Euro, den ich von heute an in diesen Vertrag einzahle?“
Dieser Blick nach vorn verhindert eine zweite typische Fehlentscheidung. Bereits entstandene Kosten lassen sich durch Weiterzahlen nicht rückgängig machen, doch ebenso wäre es falsch, einen langfristig attraktiven Vertrag allein deshalb zu kündigen, weil der aktuelle Rückkaufswert enttäuschend aussieht.
Typische Fehler beim Rückkaufswert vermeiden
Ein besonders häufiger Fehler ist eine Kündigung, bevor der konkrete Auszahlungsbetrag bekannt ist. Die bloße Annahme, man erhalte ungefähr seine Beiträge zurück, kann zu erheblichen Fehleinschätzungen führen.
Ebenso problematisch ist es, ausschließlich Rückkaufswert und Beitragssumme miteinander zu vergleichen. Der Vertrag enthält möglicherweise Versicherungsschutz, Garantien oder zukünftige Leistungen, die bei einer reinen Sparrechnung nicht berücksichtigt werden.
Auch der Vergleich mit einer neuen Geldanlage sollte fair erfolgen. Wer beispielsweise eine Lebensversicherung zugunsten eines günstigeren Anlageprodukts kündigt, sollte nicht nur dessen erwartete Rendite betrachten, sondern ebenfalls Risiken, Kosten, Steuerfolgen und gegebenenfalls den neu benötigten Versicherungsschutz berücksichtigen.
Ein weiterer Fehler besteht darin, eine finanzielle Engpasssituation sofort mit einer endgültigen Vertragskündigung zu lösen. Wenn Beitragsfreistellung, Beitragsreduzierung oder andere Anpassungen möglich sind, kann eine weniger endgültige Lösung sinnvoller sein.
Wann kann eine Kündigung trotz niedrigem Rückkaufswert sinnvoll sein?
Ein niedriger Rückkaufswert bedeutet nicht automatisch, dass die Lebensversicherung weitergeführt werden sollte. Wenn ein Vertrag dauerhaft nicht mehr zum eigenen Bedarf passt und die künftige Beitragsbelastung in keinem vernünftigen Verhältnis zu den erwarteten Leistungen steht, kann eine Beendigung trotzdem sinnvoll sein.
Dabei sollten bereits entstandene Verluste nicht zum alleinigen Entscheidungsmaßstab werden. Wirtschaftlich zählt vor allem, welche Alternative für das noch nicht eingezahlte Geld künftig bessere Chancen, passende Risiken und ausreichend Flexibilität bietet.
Auch eine notwendige Neuordnung der eigenen Finanzen kann für eine Kündigung sprechen. Wer beispielsweise dauerhaft hohe Verpflichtungen bedienen muss, sollte allerdings zunächst prüfen, ob eine Vertragsänderung dasselbe Ziel mit geringeren Nachteilen erreichen könnte.
Besonders vorsichtig solltest du dagegen bei alten Verträgen mit attraktiven Garantien, einer kurzen Restlaufzeit oder besonderen steuerlichen Eigenschaften sein. Hier kann eine Kündigung Leistungen aufgeben, die später nicht ohne Weiteres wiederhergestellt werden können.
Lebensversicherung vergleichen: Nicht nur auf den Rückkaufswert schauen
Wenn du deinen bestehenden Vertrag mit anderen Vorsorge- oder Anlageformen vergleichen möchtest, sollten mehrere Kriterien berücksichtigt werden. Relevant sind nicht nur Kosten und erwartete Rendite, sondern auch Garantien, Risiko, Verfügbarkeit des Kapitals, Versicherungsschutz und verbleibende Vertragsdauer.
Ein moderneres oder günstiger wirkendes Produkt ist nicht automatisch die bessere Alternative. Ein Wechsel kann neue Abschlusskosten verursachen, Garantien verändern und den Zeithorizont der Geldanlage praktisch neu beginnen lassen.
Bei einem Vergleich ist deshalb zunächst der bestehende Vertrag vollständig zu analysieren. Erst danach lässt sich einschätzen, ob eine Fortführung, Anpassung oder Beendigung langfristig besser zu den eigenen finanziellen Zielen passt.
FAQ zum Rückkaufswert der Lebensversicherung
Rund um den Rückkaufswert entstehen besonders häufig Fragen zur Höhe der Auszahlung, zur Berechnung und zu möglichen Alternativen. Die folgenden Antworten helfen dabei, typische Unsicherheiten vor einer Kündigung einzuordnen.
Wie hoch ist der Rückkaufswert meiner Lebensversicherung?
Die Höhe hängt vom konkreten Vertrag ab und lässt sich nicht allein anhand deiner Beiträge bestimmen. Entscheidend sind unter anderem Vertragsart, bisherige Laufzeit, aufgebautes Deckungskapital beziehungsweise Fondsvermögen, Kosten, Garantien, Überschüsse und mögliche vertragliche Abzüge.
Den zuverlässigsten Wert erhältst du direkt aus einer aktuellen Berechnung deines Versicherers. Vor einer Kündigung solltest du ausdrücklich nach dem Betrag fragen, der zum gewünschten Kündigungstermin tatsächlich ausgezahlt würde.
Warum bekomme ich weniger zurück, als ich eingezahlt habe?
Deine vollständigen Beiträge werden nicht automatisch eins zu eins angespart. Je nach Vertrag werden daraus unter anderem Abschluss-, Verwaltungs- und Risikokosten finanziert, sodass nur ein Teil für den eigentlichen Kapitalaufbau zur Verfügung steht.
Besonders in den ersten Vertragsjahren kann deshalb ein deutlicher Abstand zwischen Beitragssumme und Rückkaufswert bestehen. Mit zunehmender Laufzeit kann sich dieses Verhältnis verbessern, wobei die tatsächliche Entwicklung vom jeweiligen Vertrag abhängt.
Steigt der Rückkaufswert jedes Jahr?
Bei klassischen Lebensversicherungen kann sich der Rückkaufswert mit fortschreitender Laufzeit grundsätzlich weiterentwickeln, doch daraus lässt sich keine pauschale Steigerungsrate ableiten. Garantierte Werte und nicht garantierte Überschussbestandteile müssen dabei voneinander unterschieden werden.
Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen können zusätzlich Kapitalmarktschwankungen auftreten. Der Vertragswert kann dadurch in bestimmten Phasen steigen, stagnieren oder sinken, sodass der Kündigungszeitpunkt eine erhebliche Rolle spielen kann.
Kann ich meine Lebensversicherung kündigen, ohne den Rückkaufswert zu verlieren?
Bei einer vollständigen Kündigung wird der Vertrag beendet und der für diesen Zeitpunkt ermittelte Rückkaufswert ausgezahlt. Eine spätere Teilnahme an der weiteren Vertragsentwicklung findet anschließend grundsätzlich nicht mehr statt.
Wenn du den Vertrag nicht vollständig aufgeben möchtest, kann beispielsweise eine Beitragsfreistellung geprüft werden. Dadurch bleibt der Vertrag grundsätzlich bestehen, während keine regulären Beiträge mehr gezahlt werden, allerdings reduzieren sich regelmäßig die späteren Leistungen.
Was ist besser: Lebensversicherung kündigen oder beitragsfrei stellen?
Das hängt vom jeweiligen Vertrag und deinem Ziel ab. Eine Kündigung schafft Liquidität und beendet den Vertrag vollständig, während eine Beitragsfreistellung das bereits vorhandene Kapital grundsätzlich im Vertrag belässt und die laufende Beitragsbelastung beendet.
Vor der Entscheidung solltest du dir deshalb beide Varianten berechnen lassen. Besonders interessant sind der sofortige Rückkaufswert, die beitragsfreie garantierte Leistung, mögliche Überschüsse, verbleibende Kosten und Auswirkungen auf den Versicherungsschutz.
Fazit: Der Rückkaufswert ist die wichtigste Zahl vor einer Kündigung – aber nicht die einzige
Wer eine Lebensversicherung kündigen möchte, sollte den Rückkaufswert kennen, bevor die Kündigung abgeschickt wird. Gerade bei jüngeren Verträgen kann die Auszahlung deutlich unter den geleisteten Beiträgen liegen, weil Kosten, Versicherungsschutz und der bisherige Kapitalaufbau berücksichtigt werden müssen.
Trotzdem ist ein niedriger Rückkaufswert allein kein Grund, einen Vertrag unbedingt weiterzuführen. Entscheidend ist vielmehr, welche Leistungen und Kosten ab heute noch entstehen und ob der bestehende Vertrag weiterhin zu den eigenen Zielen passt.
Vor allem bei älteren Verträgen können Garantien, steuerliche Besonderheiten oder eine bereits kurze Restlaufzeit gegen eine vorschnelle Kündigung sprechen. Bei fondsgebundenen Verträgen sollte zusätzlich berücksichtigt werden, ob eine Kündigung gerade in einer schwachen Marktphase Verluste endgültig realisieren würde.
Die sinnvollste Entscheidung entsteht deshalb aus einem Vergleich mehrerer Varianten: Weiterführen, beitragsfrei stellen, Vertrag anpassen, gegebenenfalls verkaufen oder vollständig kündigen. Wer sich vorab den aktuellen Rückkaufswert und die Leistungen der Alternativen schriftlich berechnen lässt, kann wesentlich fundierter entscheiden und vermeidet, einen langfristigen Vertrag allein aus einem kurzfristigen Impuls heraus zu beenden.