Eine Lebensversicherung läuft häufig über Jahrzehnte. In dieser Zeit kann sich finanziell vieles verändern: Das Einkommen sinkt, eine Immobilienfinanzierung beginnt, die Familie wächst oder andere Ausgaben werden wichtiger. Wer die monatlichen oder jährlichen Versicherungsbeiträge nicht mehr zahlen möchte, denkt deshalb schnell darüber nach, die Lebensversicherung zu kündigen.
Eine Kündigung kann jedoch erhebliche Nachteile haben. Gerade bei älteren kapitalbildenden Lebensversicherungen kann es sinnvoll sein, den Vertrag zunächst nicht aufzugeben, sondern die Lebensversicherung beitragsfrei zu stellen. Dabei werden keine regulären Beiträge mehr eingezahlt, der Vertrag bleibt aber grundsätzlich bestehen und wird mit einer reduzierten Versicherungsleistung weitergeführt.
Ob sich diese Lösung tatsächlich lohnt, hängt stark vom Vertrag ab. Entscheidend sind unter anderem der bisher aufgebaute Vertragswert, mögliche Garantien, die Restlaufzeit, Kosten, Versicherungsleistungen und die persönliche finanzielle Situation. Vor einer Entscheidung sollten deshalb mehrere Alternativen miteinander verglichen werden.
Was bedeutet es, eine Lebensversicherung beitragsfrei zu stellen?
Bei einer Beitragsfreistellung wird die laufende Beitragszahlung beendet, ohne dass die Lebensversicherung vollständig gekündigt wird. Das bereits vorhandene Vertragsguthaben bleibt grundsätzlich innerhalb des Vertrags und bildet die Grundlage für die künftig noch mögliche Versicherungsleistung.
Der Versicherer berechnet anschließend eine sogenannte beitragsfreie Versicherungssumme oder eine entsprechend reduzierte Ablaufleistung. Der Vertrag läuft damit weiter, allerdings auf einem niedrigeren Leistungsniveau. Wie stark die Leistung sinkt, hängt insbesondere davon ab, wie lange bereits Beiträge gezahlt wurden und wie viel Kapital sich im Vertrag befindet.
Eine Beitragsfreistellung ist damit etwas grundsätzlich anderes als eine Kündigung. Bei einer Kündigung wird der Vertrag beendet und – sofern ein Rückkaufswert vorhanden ist – dieser an den Versicherungsnehmer ausgezahlt. Bei der Beitragsfreistellung bleibt das Kapital dagegen im Vertrag.
Was passiert mit den bisherigen Einzahlungen?
Die bisher eingezahlten Beiträge verschwinden nicht einfach. Ein Teil davon wurde allerdings bereits für Abschlusskosten, Verwaltungskosten und gegebenenfalls Versicherungsleistungen verwendet. Nur der verbleibende Sparanteil beziehungsweise das vorhandene Vertragsvermögen steht für die weitere Entwicklung des Vertrags zur Verfügung.
Bei klassischen kapitalbildenden Lebensversicherungen können zusätzlich garantierte Leistungen und Überschüsse eine Rolle spielen. Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen hängt die weitere Entwicklung dagegen wesentlich von den enthaltenen Fonds und deren Wertentwicklung ab.
Deshalb lässt sich aus der Summe der bisher gezahlten Beiträge allein nicht ableiten, wie hoch die beitragsfreie Leistung später sein wird. Maßgeblich sind die konkreten Vertragswerte, die der Versicherer für die Beitragsfreistellung berechnet.
Wann kann eine Beitragsfreistellung sinnvoll sein?
Eine Lebensversicherung beitragsfrei zu stellen kann vor allem dann interessant sein, wenn die laufenden Beiträge aktuell nicht mehr in das persönliche Budget passen, der Vertrag selbst aber weiterhin bestimmte Vorteile besitzt. Besonders bei langfristigen Verträgen sollte eine Kündigung nicht ausschließlich aus kurzfristigem finanziellen Druck heraus erfolgen.
Typische Situationen sind beispielsweise Arbeitslosigkeit, Elternzeit, eine berufliche Veränderung, eine größere Finanzierung oder allgemein gestiegene Lebenshaltungskosten. In solchen Fällen kann die Beitragsfreistellung die monatliche Belastung reduzieren, ohne den Versicherungsvertrag vollständig aufzugeben.
Wichtig ist jedoch die Unterscheidung zwischen einem vorübergehenden finanziellen Engpass und einer grundsätzlich veränderten finanziellen Planung. Bei einem kurzen Engpass können möglicherweise andere Vertragsoptionen geeigneter sein als eine dauerhafte Beitragsfreistellung.
Besonders interessant bei älteren Verträgen
Ältere Lebensversicherungen können Vertragsbedingungen enthalten, die bei heutigen Neuabschlüssen nicht mehr in gleicher Form verfügbar sind. Dazu können beispielsweise vergleichsweise attraktive Garantien gehören. Eine vorschnelle Kündigung kann deshalb dazu führen, dass wertvolle Vertragsbestandteile dauerhaft verloren gehen.
Gerade bei Verträgen, die bereits viele Jahre laufen, sollte deshalb geprüft werden, welche garantierten Werte tatsächlich vorhanden sind. Eine Beitragsfreistellung kann in solchen Fällen eine Möglichkeit darstellen, den bisherigen Vertragswert weiterzuführen, ohne zusätzliche Beiträge einzahlen zu müssen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder alte Vertrag automatisch attraktiv ist. Hohe laufende Kosten, schwache Leistungen oder eine ungünstige Vertragsstruktur können auch bei lang laufenden Policen gegen eine Fortführung sprechen.
Welche Nachteile hat eine beitragsfreie Lebensversicherung?
Der wichtigste Nachteil ist die meist deutlich niedrigere Leistung. Wenn keine weiteren Beiträge mehr eingezahlt werden, fehlt ein großer Teil des ursprünglich geplanten Kapitals. Entsprechend reduziert sich häufig die spätere Auszahlung.
Auch die Absicherung im Todesfall kann sinken. Wer eine Lebensversicherung nicht ausschließlich als Sparvertrag, sondern auch zur finanziellen Absicherung von Angehörigen abgeschlossen hat, sollte diesen Punkt besonders sorgfältig prüfen.
Hinzu kommt, dass innerhalb des Vertrags weiterhin Kosten anfallen können. Wie hoch diese sind und wie sie sich auf das Vertragsvermögen auswirken, hängt von den jeweiligen Bedingungen ab. Eine beitragsfreie Police bedeutet deshalb nicht automatisch, dass der Vertrag künftig vollständig kostenfrei weiterläuft.
Zusatzversicherungen können betroffen sein
Viele Lebensversicherungsverträge enthalten zusätzliche Bausteine. Dazu können beispielsweise eine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung oder andere Risikoabsicherungen gehören. Eine Beitragsfreistellung des Hauptvertrags kann Auswirkungen auf diese zusätzlichen Leistungen haben.
Im ungünstigen Fall reduziert sich nicht nur die spätere Kapitalleistung, sondern gleichzeitig eine wichtige persönliche Absicherung. Deshalb sollte vor der Beitragsfreistellung genau geprüft werden, welche Vertragsbestandteile verändert werden.
Wer beispielsweise einen wertvollen Berufsunfähigkeitsschutz innerhalb des Vertrags besitzt, sollte diesen Punkt besonders ernst nehmen. Ein späterer Neuabschluss einer vergleichbaren Absicherung kann aufgrund eines höheren Alters oder veränderter Gesundheit schwieriger oder teurer werden.
Beitragsfrei stellen oder Lebensversicherung kündigen?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Beide Varianten führen dazu, dass künftig keine regulären Beiträge mehr gezahlt werden, haben aber völlig unterschiedliche Konsequenzen.
Bei der Kündigung wird der Vertrag beendet. Der Versicherungsnehmer erhält normalerweise den aktuellen Rückkaufswert, sofern ein solcher vorhanden ist. Danach bestehen weder die ursprüngliche Kapitalanlage noch die damit verbundenen Versicherungsleistungen weiter.
Bei einer Beitragsfreistellung bleibt der Vertrag dagegen bestehen. Das vorhandene Vertragskapital wird weiter innerhalb der Police geführt und später entsprechend den Vertragsbedingungen ausgezahlt.
Wann kann die Kündigung trotzdem sinnvoller sein?
Eine Kündigung kann beispielsweise dann interessant sein, wenn das Kapital dringend benötigt wird und andere Finanzierungsmöglichkeiten deutlich ungünstiger wären. Auch ein dauerhaft unattraktiver Vertrag mit hohen Kosten und schwachen Leistungen kann ein Grund sein, über eine Beendigung nachzudenken.
Allerdings sollte der Rückkaufswert vor der Entscheidung unbedingt bekannt sein. Besonders in den ersten Vertragsjahren kann dieser deutlich niedriger liegen als die Summe der eingezahlten Beiträge.
Eine Kündigung ist außerdem endgültig. Wertvolle Garantien oder Versicherungsbedingungen lassen sich später normalerweise nicht einfach wiederherstellen. Deshalb sollte diese Entscheidung nicht ausschließlich aufgrund einer kurzfristig angespannten Haushaltslage getroffen werden.
Beitragsfreistellung oder Beiträge reduzieren?
Zwischen unveränderter Fortführung und vollständiger Beitragsfreistellung gibt es häufig weitere Möglichkeiten. Je nach Vertrag kann beispielsweise eine Reduzierung des laufenden Beitrags möglich sein.
Das kann interessant sein, wenn der bisherige Beitrag zu hoch geworden ist, grundsätzlich aber weiterhin Geld für die Lebensversicherung zur Verfügung steht. Statt beispielsweise monatlich 200 Euro einzuzahlen, könnte der Beitrag – sofern der Vertrag dies zulässt – reduziert werden.
Dadurch wächst das Vertragsvermögen langsamer als ursprünglich geplant, aber weiterhin stärker als bei einer vollständigen Beitragsfreistellung. Gleichzeitig kann die Versicherungsleistung möglicherweise auf einem höheren Niveau erhalten bleiben.
Eine Beitragsreduzierung kann der Mittelweg sein
Eine Beitragssenkung eignet sich besonders für Verbraucher, deren finanzielle Belastung dauerhaft gestiegen ist, die ihren Vertrag aber weiterhin aktiv besparen möchten. Entscheidend ist, welche Mindestbeiträge der Versicherer vorsieht und wie sich die Änderung auf Garantien und Zusatzleistungen auswirkt.
Vor allem bei Verträgen mit zusätzlichem Versicherungsschutz sollte nicht nur auf den Sparbeitrag geschaut werden. Eine Beitragssenkung kann auch die Risikoabsicherung verändern.
Deshalb ist es sinnvoll, sich vor der Änderung konkrete Berechnungen für mehrere Varianten geben zu lassen: unveränderte Fortführung, reduzierter Beitrag und vollständige Beitragsfreistellung.
Lohnt sich die Beitragsfreistellung bei finanziellen Engpässen?
Gerade bei kurzfristigen finanziellen Problemen ist eine dauerhafte Beitragsfreistellung nicht automatisch die beste Lösung. Einige Versicherungsverträge bieten Möglichkeiten, Beiträge vorübergehend auszusetzen oder zu stunden.
Eine solche Lösung kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn absehbar ist, dass sich die finanzielle Situation nach einigen Monaten wieder verbessert. Der Vertrag könnte anschließend wieder regulär fortgeführt werden.
Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass eine klassische Beitragsfreistellung häufig auf eine langfristige Änderung des Vertrags hinausläuft. Eine vorübergehende Zahlungspause kann dagegen stärker auf einen zeitlich begrenzten Engpass ausgerichtet sein.
Wie wird die beitragsfreie Versicherungssumme berechnet?
Die Berechnung erfolgt individuell anhand des vorhandenen Vertragswerts und der jeweiligen Versicherungsbedingungen. Eine einfache Formel, die für alle Lebensversicherungen gilt, gibt es deshalb nicht.
Entscheidend sind unter anderem die bisherige Laufzeit, das angesparte Kapital, Kosten, Garantien, Überschüsse und die verbleibende Vertragsdauer. Bei fondsgebundenen Policen spielt zusätzlich der aktuelle Wert der Fondsanteile eine wesentliche Rolle.
Der Versicherer kann auf Anfrage normalerweise mitteilen, welche garantierte oder voraussichtliche Leistung bei einer sofortigen Beitragsfreistellung bestehen würde. Diese Werte sollten immer mit der regulären Fortführung und einer möglichen Kündigung verglichen werden.
Ein vereinfachtes Beispiel
Angenommen, eine Lebensversicherung wurde ursprünglich über 30 Jahre abgeschlossen und der Versicherungsnehmer zahlt monatlich 150 Euro. Nach 15 Jahren soll der Vertrag beitragsfrei gestellt werden.
Bis zu diesem Zeitpunkt wurden rechnerisch 27.000 Euro Beiträge gezahlt. Das bedeutet jedoch nicht, dass auch 27.000 Euro Vertragsvermögen vorhanden sind. Versicherungsleistungen, Kosten und die tatsächliche Wertentwicklung beeinflussen den Vertragswert.
Der Versicherer berechnet anschließend, welche Leistung aus dem vorhandenen Kapital bis zum Vertragsende entstehen kann. Die ursprünglich erwartete Ablaufleistung wird normalerweise deutlich niedriger ausfallen, weil die geplanten Beiträge der restlichen 15 Jahre fehlen.
Welche Werte sollte man vor der Entscheidung anfordern?
Eine Beitragsfreistellung sollte nicht ausschließlich anhand des aktuellen Monatsbeitrags beurteilt werden. Entscheidend ist der wirtschaftliche Unterschied zwischen den verfügbaren Alternativen.
Sinnvoll sind konkrete Vertragswerte für die Fortführung, die Beitragsfreistellung und eine mögliche Kündigung. Außerdem sollte geprüft werden, welche Leistungen garantiert sind und welche lediglich auf aktuellen Prognosen beruhen.
Besonders wichtig ist die Trennung zwischen garantiertem Vertragswert und unverbindlichen Hochrechnungen. Prognosen können sich verändern, während garantierte Werte eine deutlich bessere Grundlage für eine Entscheidung darstellen.
Zu den wichtigsten Informationen gehören insbesondere der aktuelle Rückkaufswert, die beitragsfreie Versicherungssumme, die garantierte Ablaufleistung, mögliche Überschusswerte, laufende Vertragskosten und die Auswirkungen auf den Todesfallschutz. Bestehen Zusatzversicherungen, sollten auch deren Leistungen separat betrachtet werden.
Kann eine beitragsfreie Lebensversicherung später wieder aktiviert werden?
Bei manchen Verträgen kann eine Wiederaufnahme der Beitragszahlung möglich sein. Ob dies funktioniert und unter welchen Bedingungen, hängt jedoch vom jeweiligen Versicherungsvertrag ab.
Teilweise bestehen zeitliche Grenzen oder bestimmte Voraussetzungen. Bei Versicherungsleistungen, die vom Gesundheitszustand abhängen, kann außerdem relevant sein, ob eine erneute Risikoprüfung notwendig wird.
Deshalb sollte niemand davon ausgehen, dass eine einmal beitragsfrei gestellte Lebensversicherung später problemlos wieder exakt in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden kann. Wer eine spätere Wiederaufnahme plant, sollte diese Möglichkeit vorher ausdrücklich klären.
Welche Rolle spielt die Restlaufzeit?
Die verbleibende Laufzeit ist ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung. Wird eine Lebensversicherung wenige Jahre vor dem vereinbarten Vertragsende beitragsfrei gestellt, können die Auswirkungen anders aussehen als bei einem Vertrag, der noch 20 oder 25 Jahre laufen würde.
Bei einer langen Restlaufzeit fehlen künftig entsprechend viele Beiträge. Dadurch kann sich die erwartete Ablaufleistung erheblich reduzieren. Gleichzeitig hat das bereits vorhandene Kapital aber auch länger Zeit, sich innerhalb des Vertrags weiterzuentwickeln.
Bei einer kurzen Restlaufzeit kann wiederum entscheidend sein, welche Garantien bereits aufgebaut wurden und welche Kosten noch anfallen. Auch hier sollte deshalb nicht pauschal nach dem Motto entschieden werden, dass ein Vertrag kurz vor Ablauf grundsätzlich weitergeführt werden müsse.
Was passiert mit dem Todesfallschutz?
Eine Lebensversicherung kann neben dem Sparvorgang auch einen wichtigen Hinterbliebenenschutz enthalten. Wird der Vertrag beitragsfrei gestellt, kann sich dieser Schutz reduzieren.
Für Familien mit laufenden Krediten, Kindern oder einem wirtschaftlich abhängigen Partner kann das erhebliche Folgen haben. Die Frage nach der Beitragsfreistellung sollte deshalb nicht ausschließlich als Anlageentscheidung betrachtet werden.
Wer weiterhin einen hohen Todesfallschutz benötigt, sollte prüfen, welche Versicherungssumme nach der Beitragsfreistellung verbleibt. Sinkt sie deutlich, muss bewertet werden, ob die verbleibende Absicherung noch zum tatsächlichen Bedarf passt.
Lebensversicherung beitragsfrei stellen: Diese Punkte sollte man vorher vergleichen
Der sinnvollste Weg besteht meist darin, mehrere Varianten nebeneinanderzustellen. Dabei sollte nicht nur betrachtet werden, wie viel Geld kurzfristig im Haushaltsbudget frei wird, sondern welche langfristigen Auswirkungen entstehen.
Besonders hilfreich ist eine Gegenüberstellung von Weiterzahlung, reduziertem Beitrag, Beitragsfreistellung und Kündigung. Je nach Vertrag können zusätzlich eine zeitweise Stundung oder andere Anpassungsmöglichkeiten vorhanden sein.
Entscheidend sind dabei nicht nur Eurobeträge. Auch Garantien, Risikoabsicherungen, steuerliche Rahmenbedingungen des individuellen Vertrags und persönliche Finanzziele können die Entscheidung beeinflussen.
Ein guter Vergleich beantwortet deshalb drei Fragen gleichzeitig: Wie stark sinkt die aktuelle finanzielle Belastung? Welche Vertragswerte bleiben bestehen? Und welche langfristigen Leistungen gehen durch die Änderung verloren?
Typische Fehler bei der Beitragsfreistellung
Ein häufiger Fehler besteht darin, nur die monatliche Beitragsersparnis zu betrachten. Wer beispielsweise 180 Euro pro Monat nicht mehr zahlt, verbessert zunächst seine Liquidität. Gleichzeitig kann sich die spätere Auszahlung jedoch erheblich reduzieren.
Ebenso problematisch ist eine Entscheidung ohne genaue Vertragswerte. Aussagen wie „der Vertrag läuft einfach weiter“ greifen zu kurz. Entscheidend ist, mit welcher beitragsfreien Leistung der Vertrag tatsächlich fortgeführt wird.
Ein weiterer Fehler ist die Vernachlässigung zusätzlicher Versicherungsbausteine. Gerade eine integrierte Berufsunfähigkeitsabsicherung oder ein wichtiger Todesfallschutz kann wirtschaftlich deutlich wertvoller sein als auf den ersten Blick erkennbar.
Auch eine Kündigung unmittelbar nach dem Gedanken an eine Beitragsfreistellung ist selten eine gute Entscheidungsgrundlage. Zunächst sollte klar sein, welche Alternativen der Vertrag konkret zulässt.
Für wen lohnt sich eine Beitragsfreistellung eher?
Eine Beitragsfreistellung kann besonders interessant sein, wenn die laufenden Beiträge dauerhaft nicht mehr in das Budget passen, der Vertrag aber erhaltenswerte Garantien oder bereits einen erheblichen Vertragswert besitzt.
Auch Verbraucher, die ihren Vertrag grundsätzlich nicht mehr aktiv besparen möchten, das vorhandene Kapital aber nicht sofort benötigen, können von einer Beitragsfreistellung profitieren. Sie vermeiden damit eine sofortige Vertragsbeendigung.
Interessant kann diese Lösung außerdem sein, wenn eine Kündigung zu einem wirtschaftlich ungünstigen Zeitpunkt erfolgen würde. Ob dies tatsächlich der Fall ist, muss jedoch anhand der individuellen Vertragswerte geprüft werden.
Für wen kann eine andere Lösung besser sein?
Wer nur vorübergehend finanzielle Probleme hat, sollte zunächst prüfen, ob eine zeitweise Beitragsstundung oder andere flexible Vertragsregelungen möglich sind. Eine dauerhafte Beitragsfreistellung kann für einen kurzfristigen Engpass unnötig weitreichend sein.
Auch wenn die Lebensversicherung einen besonders wichtigen Risiko- oder Zusatzschutz enthält, kann eine Beitragsfreistellung problematisch sein. In diesem Fall sollte genau untersucht werden, welche Leistungen verloren gehen oder reduziert werden.
Umgekehrt kann ein dauerhaft kostenintensiver und leistungsschwacher Vertrag auch gegen eine jahrzehntelange beitragsfreie Fortführung sprechen. Die Beitragsfreistellung ist deshalb keine automatische Alternative zur Kündigung, sondern eine von mehreren Möglichkeiten.
Lebensversicherung vergleichen: Nicht nur auf den Beitrag achten
Wer seine bestehende Lebensversicherung neu bewerten möchte, sollte den Blick nicht nur auf den aktuellen Beitrag richten. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Kosten, Garantien, erwarteter Leistung, Flexibilität und Risikoabsicherung.
Auch ein Vergleich mit anderen Möglichkeiten der Altersvorsorge oder Geldanlage kann sinnvoll sein. Dabei sollte jedoch berücksichtigt werden, dass ein neuer Vertrag oder eine andere Anlageform nicht automatisch dieselben Garantien und Versicherungsleistungen bietet.
Besonders vorsichtig sollte man mit vereinfachten Vergleichen umgehen, bei denen lediglich die erwartete Rendite gegenübergestellt wird. Eine Lebensversicherung kann zusätzliche Versicherungsleistungen enthalten, die in einem reinen Anlageprodukt nicht vorhanden sind.
Entscheidungshilfe: Drei Werte sind besonders wichtig
Wer über eine Beitragsfreistellung nachdenkt, sollte mindestens drei konkrete Zahlen kennen: den aktuellen Rückkaufswert, die Leistung bei sofortiger Beitragsfreistellung und die erwartete beziehungsweise garantierte Leistung bei unveränderter Fortführung.
Erst anhand dieser Werte wird sichtbar, welche finanziellen Konsequenzen die verschiedenen Entscheidungen haben. Zusätzlich sollten die verbleibenden Beiträge bis zum Vertragsende berücksichtigt werden.
So lässt sich beispielsweise erkennen, wie viel weiteres Kapital noch eingezahlt werden müsste und welche zusätzliche Vertragsleistung daraus entsteht. Eine solche Betrachtung ist wesentlich aussagekräftiger als die einfache Frage, ob die monatliche Rate derzeit als teuer empfunden wird.
FAQ zur Beitragsfreistellung einer Lebensversicherung
Rund um die Beitragsfreistellung entstehen immer wieder ähnliche Fragen, weil viele Versicherungsnehmer die Unterschiede zwischen Kündigung, Zahlungspause und dauerhaftem Beitragsstopp nicht genau kennen. Die wichtigsten Punkte lassen sich anhand der konkreten Vertragsfolgen einordnen.
Was passiert, wenn ich meine Lebensversicherung beitragsfrei stelle?
Sie zahlen künftig grundsätzlich keine regulären Beiträge mehr, während der Vertrag mit einer reduzierten Leistung weitergeführt wird. Das bereits aufgebaute Vertragsvermögen bleibt normalerweise im Vertrag und entwickelt sich entsprechend den vereinbarten Bedingungen weiter.
Die ursprünglich geplante Ablaufleistung und häufig auch die Todesfallleistung sinken jedoch. Deshalb sollte vor der Beitragsfreistellung die konkrete neue Versicherungssumme beziehungsweise Ablaufleistung beim Versicherer erfragt werden.
Bekomme ich bei einer Beitragsfreistellung Geld ausgezahlt?
Normalerweise erfolgt durch die reine Beitragsfreistellung keine sofortige Auszahlung des Vertragswerts. Das vorhandene Kapital bleibt im Versicherungsvertrag und wird entsprechend der weiteren Vertragsbedingungen verwaltet.
Wer das vorhandene Kapital ausgezahlt bekommen möchte, müsste grundsätzlich andere Möglichkeiten wie eine Kündigung prüfen. Dabei sollte allerdings der aktuelle Rückkaufswert bekannt sein, da dieser insbesondere bei jüngeren Verträgen deutlich von den insgesamt eingezahlten Beiträgen abweichen kann.
Kann ich eine beitragsfreie Lebensversicherung später wieder weiterzahlen?
Das kann bei vielen Verträgen möglich sein, ist aber nicht automatisch garantiert. Die genauen Voraussetzungen hängen von den Versicherungsbedingungen ab und können beispielsweise Fristen oder weitere Anforderungen enthalten.
Besonders bei Verträgen mit zusätzlichen Risikoabsicherungen sollte vorher geklärt werden, ob bei einer Wiederaufnahme eine erneute Gesundheitsprüfung oder eine andere Prüfung erforderlich werden könnte. Wer bereits bei der Beitragsfreistellung plant, später weiterzuzahlen, sollte sich diese Möglichkeit möglichst vorher bestätigen lassen.
Ist beitragsfrei stellen besser als kündigen?
Eine Beitragsfreistellung kann besser sein, wenn wertvolle Vertragsbestandteile erhalten werden sollen und das vorhandene Kapital nicht sofort benötigt wird. Bei älteren Verträgen können insbesondere Garantien oder zusätzliche Versicherungsleistungen eine wichtige Rolle spielen.
Eine Kündigung kann dagegen sinnvoller erscheinen, wenn der Vertrag dauerhaft nicht mehr zur eigenen Finanzplanung passt und das Kapital anderweitig benötigt wird. Entscheidend ist deshalb immer der Vergleich zwischen Rückkaufswert, beitragsfreier Leistung, zukünftigen Beiträgen und den verbleibenden Versicherungsleistungen.
Wie lange kann eine Lebensversicherung beitragsfrei bleiben?
Eine dauerhaft beitragsfrei gestellte Lebensversicherung kann grundsätzlich bis zum vereinbarten Vertragsende weiterlaufen, sofern die Vertragsbedingungen dies vorsehen und der erforderliche Mindestwert erreicht wird. Bei sehr kleinen Vertragswerten können besondere Regelungen gelten.
Wie genau der Vertrag anschließend weitergeführt wird, ergibt sich aus den jeweiligen Versicherungsbedingungen. Versicherungsnehmer sollten deshalb nicht nur fragen, ob eine Beitragsfreistellung möglich ist, sondern auch welche garantierte Leistung danach bis zum Vertragsende bestehen bleibt.
Fazit: Beitragsfreistellung kann sinnvoll sein – aber nur nach einem echten Vertragsvergleich
Eine Lebensversicherung beitragsfrei zu stellen kann eine sinnvolle Alternative zur Kündigung sein. Besonders interessant ist diese Möglichkeit, wenn die laufenden Beiträge nicht mehr zum Budget passen, gleichzeitig aber bereits ein nennenswerter Vertragswert, attraktive Garantien oder wichtige Versicherungsleistungen vorhanden sind.
Die Beitragsfreistellung ist allerdings kein kostenloses Einfrieren des bisherigen Vertrags. Weil keine neuen Beiträge mehr eingezahlt werden, sinkt die spätere Leistung meistens deutlich. Zusätzlich können Todesfallschutz und weitere Vertragsbausteine betroffen sein.
Vor einer Entscheidung sollten daher mindestens Rückkaufswert, beitragsfreie Leistung, garantierte Ablaufleistung, verbleibende Beiträge und mögliche Zusatzversicherungen miteinander verglichen werden. Auch Beitragsreduzierung oder eine zeitweise Zahlungspause können je nach Situation bessere Alternativen darstellen.
Die richtige Entscheidung hängt letztlich nicht davon ab, welche Variante kurzfristig die höchste monatliche Entlastung bringt. Entscheidend ist, welche Lösung langfristig zum eigenen Budget, zum vorhandenen Vertrag und zu den persönlichen Vorsorgezielen passt. Wer die Vertragswerte sauber gegenüberstellt, kann wesentlich besser beurteilen, ob Beitragsfreistellung, Weiterzahlung oder Kündigung wirtschaftlich sinnvoller ist.