Der BaFin-Kontenvergleich umfasst mit Datenstand vom 19. August 2026 insgesamt 6.593 Zahlungskonten. Für Verbraucher ist die Übersicht vor allem deshalb interessant, weil sich dadurch erkennen lässt, wie stark die Kosten verschiedener Kontomodelle auseinanderliegen und welche Positionen beim eigenen Girokonto besonders geprüft werden sollten.
Der Vergleich selbst ist allerdings keine neue Einführung des Jahres 2026. Die BaFin hat das Angebot bereits am 15. Januar 2025 gestartet und aktualisiert die gemeldeten Kontodaten seitdem fortlaufend.
Das Wichtigste in Kürze
- Im BaFin-Kontenvergleich sind aktuell 6.593 Zahlungskonten erfasst.
- Die monatlichen Kontoführungsgebühren unterscheiden sich je nach Kontomodell erheblich.
- Auch bei Dispozinsen bestehen deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Angeboten.
- Ein Girokonto mit 0 Euro Kontoführungsgebühr muss nicht automatisch vollständig kostenlos sein.
- Wer sein Konto seit längerer Zeit nicht überprüft hat, kann die aktuellen Daten für einen neuen Konditionscheck nutzen.
Tausende Girokonten machen einen direkten Vergleich schwierig
Der deutsche Girokontomarkt ist wesentlich größer, als es die bekannten Angebote großer Banken vermuten lassen. Neben bundesweit angebotenen Online-Konten gibt es zahlreiche Kontomodelle von Sparkassen, Volksbanken, Regionalbanken, Direktbanken und weiteren Instituten.
Genau diese Vielfalt macht einen Vergleich schwierig. Eine Bank kann mehrere Girokontomodelle mit unterschiedlichen Gebühren, Kartenleistungen, Bedingungen oder Zielgruppen anbieten, sodass selbst innerhalb eines Instituts erhebliche Unterschiede bestehen können.
Der BaFin-Kontenvergleich soll diese Vielzahl an Angeboten nach einheitlichen Kriterien vergleichbarer machen. Verbraucher können sich unter anderem über die monatliche Kontoführungsgebühr, Debit- und Kreditkarten, den Dispozins, mögliche Guthabenzinsen sowie bestimmte Nutzungsbedingungen informieren.
Kontoführungsgebühren reichen von 0 Euro bis zu hohen Monatsbeträgen
Besonders sichtbar werden die Unterschiede bei der monatlichen Kontoführungsgebühr. Während verschiedene Anbieter Kontomodelle mit einer ausgewiesenen Grundgebühr von 0 Euro führen, verlangen andere Banken deutlich höhere monatliche Beträge.
Schon scheinbar kleine Unterschiede summieren sich über ein Jahr. Kostet ein Konto beispielsweise 5 Euro im Monat, entstehen allein für die Kontoführung 60 Euro pro Jahr, bei 10 Euro sind es bereits 120 Euro und bei 20 Euro monatlich 240 Euro.
Dabei handelt es sich ausschließlich um die Grundgebühr. Kosten für Karten, zusätzliche Dienstleistungen, Bargeldabhebungen oder andere Leistungen können je nach Konto noch hinzukommen und die tatsächlichen Jahreskosten erhöhen.
Kostenloses Girokonto bedeutet nicht automatisch 0 Euro Gesamtkosten
Die monatliche Kontoführungsgebühr ist deshalb nur ein Teil der Rechnung. Ein Girokonto kann mit 0 Euro beworben oder im Vergleich mit 0 Euro Grundgebühr geführt werden und trotzdem Kosten verursachen.
Möglich sind beispielsweise Gebühren für eine physische Debitkarte, eine Kreditkarte oder bestimmte Bargeldabhebungen. Auch einzelne Zahlungsdienste oder Leistungen außerhalb eines enthaltenen Kontopakets können zusätzliche Entgelte verursachen.
Hinzu kommen Kontomodelle, bei denen die kostenlose Kontoführung an bestimmte Voraussetzungen gebunden ist. Typische Bedingungen können ein regelmäßiger Geldeingang oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kundengruppe sein, weshalb vor der Kontoeröffnung immer geprüft werden sollte, welche Voraussetzungen tatsächlich gelten.
Besonders große Unterschiede gibt es beim Dispozins
Neben der Kontoführungsgebühr ist der Dispozins einer der wichtigsten Kostenpunkte eines Girokontos. Er wird relevant, sobald die Bank eine eingeräumte Kontoüberziehung ermöglicht und der Kontoinhaber diesen Kreditrahmen tatsächlich nutzt.
Die im BaFin-Kontenvergleich aufgeführten Zinssätze zeigen, dass zwischen einzelnen Angeboten mehrere Prozentpunkte liegen können. Dadurch kann derselbe überzogene Betrag abhängig vom Girokonto unterschiedlich hohe Zinskosten verursachen.
Für Verbraucher, die ihren Dispo nie nutzen, spielt dieser Unterschied im Alltag kaum eine Rolle. Wer dagegen regelmäßig mit seinem Girokonto ins Minus rutscht, sollte den Zinssatz deutlich stärker gewichten als bei einem Konto, das dauerhaft im Guthaben geführt wird.
So stark kann sich der Dispozins auf die Kosten auswirken
Wie relevant unterschiedliche Dispozinsen sind, lässt sich mit einer einfachen Beispielrechnung zeigen. Angenommen, ein Girokonto wird für 30 Tage mit durchschnittlich 1.000 Euro überzogen.
Bei einem angenommenen Jahreszins von 7,5 Prozent entstehen für diesen Zeitraum rechnerisch Zinskosten von rund 6,16 Euro. Bei einem Zinssatz von 14,5 Prozent wären es für denselben Betrag und denselben Zeitraum bereits rund 11,92 Euro.
Die Rechnung dient ausschließlich als vereinfachtes Beispiel. Die tatsächlichen Kosten hängen vom konkreten Zinssatz, der Dauer der Überziehung, dem jeweils genutzten Betrag und der Abrechnungsmethode der Bank ab.
Wer dauerhaft im Dispo steckt, sollte mehr als nur den Zinssatz prüfen
Ein günstigerer Dispozins kann die Kosten einer Kontoüberziehung reduzieren, löst aber nicht automatisch das dahinterliegende finanzielle Problem. Der Dispositionskredit ist in erster Linie dafür gedacht, kurzfristige finanzielle Engpässe zu überbrücken.
Wer über viele Wochen oder sogar Monate dauerhaft einen größeren Betrag im Minus steht, sollte deshalb nicht ausschließlich nach einem Girokonto mit niedrigerem Dispozins suchen. Zusätzlich kann es sinnvoll sein zu prüfen, ob eine strukturierte Rückzahlung oder eine günstigere Finanzierungsmöglichkeit wirtschaftlich besser geeignet ist.
Entscheidend ist dabei immer die Gesamtbelastung. Ein niedrigerer Zinssatz ist nur dann ein Vorteil, wenn nicht gleichzeitig hohe Grundgebühren oder andere laufende Kosten entstehen.
Der günstigste Grundpreis ist nicht automatisch das beste Girokonto
Beim Girokonto-Vergleich sollte deshalb nicht einfach das Angebot mit der niedrigsten monatlichen Gebühr ausgewählt werden. Entscheidend ist, welche Leistungen tatsächlich benötigt werden und wie das Konto im Alltag genutzt wird.
Wer beispielsweise regelmäßig Bargeld abhebt, sollte die verfügbaren Geldautomaten und mögliche Gebühren berücksichtigen. Wer häufig reist oder im Ausland bezahlt, sollte zusätzlich auf Kartenleistungen und mögliche Fremdwährungskosten achten.
Auch die Qualität des Online-Bankings, die Banking-App, erreichbarer Kundenservice und mögliche Filialleistungen können für die Entscheidung wichtig sein. Ein etwas teureres Konto kann für bestimmte Nutzer sinnvoller sein, wenn dafür Leistungen enthalten sind, die andernfalls separat bezahlt werden müssten.
Was du bei deinem aktuellen Girokonto jetzt prüfen solltest
Der BaFin-Kontenvergleich kann ein guter Anlass sein, das eigene Girokonto einmal vollständig durchzurechnen. Besonders bei einem Konto, das bereits seit mehreren Jahren besteht, können sich Gebühren und Marktangebote inzwischen deutlich verändert haben.
Prüfen solltest du nicht nur die monatliche Kontoführungsgebühr. Relevant sind auch Kartenkosten, Dispozins, Gebühren für Bargeldabhebungen, mögliche Bedingungen für eine kostenlose Kontoführung und weitere regelmäßig genutzte Dienstleistungen.
Hilfreich kann zusätzlich ein Blick auf die Kontoabrechnungen der vergangenen zwölf Monate sein. Dadurch erkennst du auch Kosten, die nur gelegentlich auftreten und bei einer Betrachtung der reinen Monatsgebühr möglicherweise übersehen werden.
Wann sich ein Girokonto-Vergleich besonders lohnen kann
Ein Vergleich ist besonders interessant, wenn für dein aktuelles Konto eine regelmäßige Grundgebühr anfällt und du nicht sicher bist, welche Leistungen darin tatsächlich enthalten sind. Auch ein vergleichsweise hoher Dispozins oder kostenpflichtige Karten können ein sinnvoller Anlass für einen neuen Marktcheck sein.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ein bestehendes Konto grundsätzlich gewechselt werden sollte. Wer mit seiner Bank zufrieden ist, wichtige Leistungen nutzt und die Gesamtkosten für angemessen hält, kann trotz günstigerer Alternativen bewusst beim bisherigen Anbieter bleiben.
Anders sieht es aus, wenn hohe Gebühren anfallen, ohne dass dafür ein erkennbarer persönlicher Mehrwert besteht. In diesem Fall kann ein Vergleich zeigen, ob ein anderes Kontomodell besser zum eigenen Nutzungsverhalten passt.
Auch bestehende Konten bei der eigenen Bank vergleichen
Nicht immer muss für günstigere Konditionen gleich die Bank gewechselt werden. Viele Institute bieten mehrere Kontomodelle an, die sich bei Grundgebühr, Karten, Online-Nutzung oder weiteren Leistungen unterscheiden.
Wer einen älteren Tarif nutzt, kann deshalb zunächst prüfen, ob die eigene Bank inzwischen ein passenderes Kontomodell anbietet. Ein interner Tarifwechsel kann je nach Bank einfacher sein als ein vollständiger Kontowechsel zu einem anderen Institut.
Trotzdem sollten auch alternative Banken in den Vergleich einbezogen werden. Erst der breitere Marktvergleich zeigt, ob die Konditionen der eigenen Bank tatsächlich konkurrenzfähig sind.
Vor einem Kontowechsel nicht nur auf Prämien achten
Einige Banken werben für neue Girokonten zusätzlich mit Wechselprämien oder anderen Vorteilen. Solche Aktionen können interessant sein, sollten aber nicht das wichtigste Entscheidungskriterium für ein Konto darstellen, das möglicherweise viele Jahre genutzt wird.
Eine einmalige Prämie kann dauerhaft höhere Kontogebühren oder einen ungünstigen Dispozins nicht ausgleichen. Deshalb sollten zunächst die langfristigen Konditionen und erst danach mögliche Neukundenvorteile betrachtet werden.
Besonders wichtig sind die Bedingungen einer Prämienaktion. Häufig müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, beispielsweise regelmäßige Geldeingänge, eine aktive Kontonutzung oder eine Mindestdauer der Geschäftsbeziehung.
Was der BaFin-Kontenvergleich leisten kann – und was nicht
Der große Vorteil des BaFin-Angebots liegt in der einheitlichen Darstellung zahlreicher Kontomodelle. Verbraucher erhalten dadurch einen breiten Marktüberblick und können verschiedene Kriterien gezielt miteinander vergleichen.
Die Übersicht ersetzt jedoch nicht die Prüfung der aktuellen Preis- und Leistungsverzeichnisse einer Bank. Konditionen können von Voraussetzungen abhängen und nicht jede Besonderheit eines Kontomodells lässt sich in einer standardisierten Vergleichsansicht vollständig darstellen.
Wer ein interessantes Girokonto gefunden hat, sollte deshalb vor der Eröffnung die konkreten Bedingungen beim Anbieter prüfen. Besonders wichtig sind dabei laufende Gebühren, Kartenkosten, Bedingungen für Preisvorteile und mögliche Zusatzentgelte.
Für Verbraucher zählt am Ende der persönliche Gesamtpreis
Die aktuellen BaFin-Daten zeigen vor allem, wie unterschiedlich Girokonten in Deutschland kalkuliert werden. Von Kontomodellen ohne ausgewiesene monatliche Grundgebühr bis zu deutlich höheren Monatskosten und stark voneinander abweichenden Dispozinsen reicht das Spektrum.
Akuter Handlungsbedarf besteht deshalb nicht für jeden Kontoinhaber. Wer sein bestehendes Girokonto jedoch seit Jahren nicht mehr überprüft hat, regelmäßig Gebühren bezahlt oder häufiger den Dispo nutzt, kann die aktuellen Unterschiede zum Anlass für einen vollständigen Kontencheck nehmen.
Entscheidend ist dabei nicht, welches Konto auf den ersten Blick am günstigsten aussieht. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis ergibt sich erst aus Grundgebühr, tatsächlich benötigten Leistungen, möglichen Zusatzkosten und dem persönlichen Nutzungsverhalten.
Häufige Fragen zum BaFin-Kontenvergleich 2026
Der BaFin-Kontenvergleich wirft vor allem Fragen zur Aussagekraft der Daten und zur richtigen Bewertung einzelner Kostenpunkte auf. Die folgenden Antworten helfen dabei, die wichtigsten Punkte für einen eigenen Girokonto-Vergleich einzuordnen.
Ist der BaFin-Kontenvergleich erst 2026 gestartet?
Nein, der Kontenvergleich wurde bereits am 15. Januar 2025 eingeführt. Die enthaltenen Kontodaten werden jedoch fortlaufend aktualisiert, sodass der Vergleich auch 2026 einen aktuellen Überblick über zahlreiche Giro- und Basiskonten bietet.
Wie viele Konten umfasst der BaFin-Kontenvergleich aktuell?
Mit Datenstand vom 19. August 2026 sind insgesamt 6.593 Zahlungskonten erfasst. Die große Anzahl zeigt, wie vielfältig der deutsche Markt für Giro- und Basiskonten tatsächlich ist.
Ist ein Girokonto mit 0 Euro Kontoführungsgebühr wirklich kostenlos?
Nicht zwangsläufig, weil neben der Grundgebühr weitere Kosten entstehen können. Dazu gehören beispielsweise Kartenkosten, bestimmte Bargeldabhebungen oder andere kostenpflichtige Zusatzleistungen.
Wie wichtig ist der Dispozins beim Girokonto-Vergleich?
Das hängt stark vom eigenen Nutzungsverhalten ab. Wer regelmäßig den Dispo nutzt, sollte den Zinssatz besonders beachten, während er für Verbraucher ohne Kontoüberziehungen deutlich weniger relevant ist.
Muss ich wegen der Unterschiede jetzt mein Girokonto wechseln?
Nein, ein Wechsel ist nicht automatisch notwendig. Sinnvoll ist zunächst ein Vergleich der eigenen Jahreskosten und Leistungen mit aktuellen Alternativen, bevor eine Entscheidung getroffen wird.