Wer einen Gastarif beurteilen möchte, sollte deshalb nicht mit einem pauschalen Landesdurchschnitt rechnen. Entscheidend ist, welche Konditionen tatsächlich an der eigenen Adresse gelten und welche regionalen Kostenbestandteile dort in den Gaspreis einfließen.
Niedersachsen besitzt eine besonders vielfältige Gasnetzstruktur. Große regionale Netzbetreiber treffen auf kommunale Netze und Stadtwerke, sodass sich die Rahmenbedingungen beispielsweise im Nordwesten des Landes deutlich von denen in Hannover, Braunschweig oder einzelnen ländlichen Regionen unterscheiden können.
Hinzu kommt, dass nicht nur der reine Arbeitspreis des Lieferanten über die Rechnung entscheidet. Netzentgelte, Messkosten, Konzessionsabgaben, staatlich beeinflusste Preisbestandteile und der individuelle Jahresverbrauch wirken gemeinsam auf die tatsächlichen Gesamtkosten.
Dieser Artikel zeigt, warum regionale Gaspreisunterschiede in Niedersachsen entstehen, welche Netz- und Versorgerstrukturen eine Rolle spielen und worauf Haushalte beim Gasvergleich achten sollten. Entscheidend ist dabei nicht die Frage, wo Gas vermeintlich „am günstigsten“ ist, sondern wie Verbraucher den für ihre Adresse relevanten Preis richtig bewerten.
Gaspreise in Niedersachsen: Warum es keinen einheitlichen Landespreis gibt
Einen einheitlichen Gaspreis für Niedersachsen gibt es nicht. Selbst zwei Haushalte mit identischem Jahresverbrauch können unterschiedliche Gesamtkosten haben, wenn sie sich in verschiedenen Netzgebieten befinden oder unterschiedliche Lieferverträge abgeschlossen haben.
Ein wesentlicher Grund dafür ist die Aufteilung des Landes in verschiedene Gasverteilnetze. Netzbetreiber kalkulieren ihre regulierten Netzentgelte auf Grundlage ihrer jeweiligen Kosten- und Netzstruktur, während Gaslieferanten zusätzlich eigene Beschaffungs-, Vertriebs- und Tarifbestandteile festlegen.
Im Nordwesten Niedersachsens ist beispielsweise EWE NETZ mit einem großflächigen Erdgasnetz im Ems-Weser-Elbe-Gebiet vertreten. Im Raum Hannover betreibt enercity Netz das Gasnetz unter anderem in Hannover, Langenhagen, Ronnenberg und Seelze sowie in definierten Teilen von Laatzen und Hemmingen.
Braunschweig verfügt mit BS|NETZ über eine eigene Netzstruktur. Im Raum Osnabrück wiederum ist SWO Netz im Stadtgebiet und in Teilen des Umlands tätig, während Avacon Netz zahlreiche weitere niedersächsische Gemeinden und Regionen versorgt.
Diese Struktur hat eine wichtige Konsequenz: Der Wohnort bestimmt zwar nicht den gesamten Gaspreis, aber einen Teil der Kostenbedingungen, unter denen ein Lieferant einen Tarif anbieten kann. Deshalb sollte ein sinnvoller Gasvergleich immer adress- oder zumindest postleitzahlbezogen durchgeführt werden.
Welche Bestandteile den Gaspreis tatsächlich bestimmen
Auf der Gasrechnung erscheint meist ein Arbeitspreis pro Kilowattstunde sowie ein Grundpreis. Hinter diesen beiden Beträgen stehen jedoch unterschiedliche Kostenbestandteile, von denen manche vom Anbieter beeinflussbar sind und andere durch Netze, Abgaben oder gesetzliche Rahmenbedingungen geprägt werden.
Der Lieferant kalkuliert beispielsweise seine Kosten für Beschaffung und Vertrieb sowie seine Marge. Gleichzeitig muss er Netzentgelte und weitere Kosten berücksichtigen, die mit der Versorgung der konkreten Verbrauchsstelle verbunden sind.
Netzentgelte sind für regionale Preisunterschiede besonders wichtig. Sie werden für die Nutzung des örtlichen Gasnetzes erhoben und unterscheiden sich zwischen den Netzbetreibern, weil Netzgröße, Kundenzahl, Investitionen, Betriebskosten und andere regulatorisch berücksichtigte Faktoren nicht überall identisch sind.
Auch die Konzessionsabgabe kann lokal unterschiedlich ausfallen. Ihre Höhe hängt unter anderem von der Art der Belieferung sowie kommunalen Rahmenbedingungen ab, sodass selbst innerhalb eines größeren Netzgebiets nicht zwangsläufig jede Verbrauchsstelle vollständig identische Kostenstrukturen besitzt.
Seit dem 1. Januar 2026 wird die zuvor über den Gaspreis finanzierte Gasspeicherumlage nicht mehr von den Verbrauchern getragen. Bestand sie bereits als Bestandteil eines laufenden Tarifpreises, muss die entsprechende Entlastung grundsätzlich berücksichtigt werden.
Gleichzeitig bleibt der CO₂-Preis ein relevanter Kostenfaktor für fossile Brennstoffe. Für 2026 bewegt sich der nationale CO₂-Preis in einem Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne, weshalb die CO₂-Komponente bei der langfristigen Bewertung einer Gasheizung nicht ausgeblendet werden sollte.
Die wichtigsten Gasnetzregionen in Niedersachsen
Niedersachsen lässt sich beim Gas nicht sinnvoll in „teure Städte“ und „günstiges Land“ unterteilen. Aussagekräftiger ist die Betrachtung der tatsächlichen Netz- und Versorgungsstruktur, denn unterschiedliche Netzbetreiber können sogar zwischen benachbarten Gemeinden zuständig sein.
Im Ems-Weser-Elbe-Gebiet besitzt EWE NETZ eine besonders große Bedeutung. Das Erdgasnetz umfasst weite Teile des nordwestlichen Niedersachsens, unter anderem Regionen rund um Oldenburg, Ostfriesland, das Emsland, Cloppenburg und weitere Bereiche zwischen Ems, Weser und Elbe.
Für Haushalte in diesem Netzgebiet ist EWE VERTRIEB derzeit grundsätzlich als Grundversorger für Erdgas festgelegt. Das bedeutet jedoch nicht, dass Verbraucher dort ausschließlich bei EWE einen Tarif abschließen können oder dass die Grundversorgung automatisch die wirtschaftlich beste Lösung darstellt.
Der Raum Hannover bildet eine andere Versorgungsstruktur. enercity Netz betreibt das Gasnetz in Hannover sowie unter anderem in Langenhagen, Ronnenberg und Seelze und in festgelegten Bereichen von Laatzen und Hemmingen; innerhalb dieses Gasnetzgebiets ist enercity AG aktuell Grundversorger.
Auch Braunschweig besitzt eine klar abgegrenzte kommunal geprägte Struktur. Dort betreibt BS|NETZ das Gasnetz, während BS|ENERGY für die Jahre 2025 bis 2027 als Grundversorger festgestellt wurde.
Im Raum Osnabrück spielt SWO Netz eine wichtige Rolle. Das Unternehmen ist für Infrastrukturnetze im Stadtgebiet sowie für einzelne Gebiete der Region zuständig, während die Stadtwerke Osnabrück im Stadtgebiet als Gas-Grundversorger relevant sind.
Daneben existieren in Niedersachsen zahlreiche Avacon-Netzgebiete. Gerade hier zeigt sich, weshalb eine pauschale Betrachtung des Bundeslandes wenig aussagekräftig ist: In vielen Gemeinden ist E.ON Energie Deutschland Grundversorger, während in einzelnen örtlichen Versorgungsgebieten andere Unternehmen diese Funktion übernehmen können.
Warum Stadt und Land nicht automatisch über teuer oder günstig entscheiden
Ein ländlicher Wohnort bedeutet nicht automatisch einen höheren Gaspreis, ebenso wenig garantiert eine Großstadt besonders günstige Tarife. Die Kosten eines Gasnetzes werden durch wesentlich mehr Faktoren beeinflusst als die Einwohnerzahl einer Gemeinde.
In dünner besiedelten Regionen können beispielsweise längere Leitungswege auf weniger Anschlüsse treffen. Gleichzeitig können große zusammenhängende Netze, unterschiedliche Investitionszyklen oder bereits abgeschriebene Infrastruktur wiederum ganz andere Kosteneffekte erzeugen.
Auch städtische Netze sind nicht direkt miteinander vergleichbar. Hannover, Braunschweig und Osnabrück verfügen über unterschiedliche Netzbetreiber, Versorgungsstrukturen und Grundversorger, obwohl alle drei Standorte größere niedersächsische Städte sind.
Noch deutlicher wird der Effekt im Umland. Ein Haushalt wenige Kilometer außerhalb einer Stadtgrenze kann bereits einem anderen Netzbetreiber und einem anderen Grundversorgungsgebiet zugeordnet sein, obwohl sich Wetter, Gebäudestruktur und Jahresverbrauch kaum unterscheiden.
Deshalb ist die Postleitzahl nur eine erste Orientierung. Besonders bei Orten mit mehreren Ortsteilen oder unterschiedlichen Konzessionsgebieten sollte die konkrete Lieferadresse für den Tarifvergleich verwendet werden.
Die Erdgasumstellung ist in Niedersachsen noch regional relevant
Eine Besonderheit Nordwestdeutschlands ist die schrittweise Umstellung von L-Gas auf H-Gas. Niedersachsen war traditionell stark von L-Gas aus deutschen und niederländischen Quellen geprägt, während andere Gebiete bereits länger H-Gas beziehen.
Im Netzgebiet von EWE NETZ läuft diese Umstellung noch bis 2027. Dabei werden Leitungen und Stationen angepasst und bei Bedarf auch Gasgeräte in Haushalten technisch auf die neue Gasqualität eingestellt.
Auch einzelne Gebiete rund um Osnabrück sind noch Teil dieses Prozesses. In Wallenhorst werden beispielsweise 2026 mehrere Tausend Gasgeräte für den anschließenden H-Gas-Betrieb angepasst.
Für die Gasrechnung ist wichtig zu verstehen, dass ein höherer Brennwert des H-Gases nicht einfach bedeutet, dass Kunden für dieselbe Wärmemenge mehr bezahlen. Gaszähler erfassen zunächst das Volumen in Kubikmetern, während für die Abrechnung mithilfe von Brennwert und Zustandszahl die tatsächlich gelieferte Energiemenge in Kilowattstunden ermittelt wird.
Die Kosten der Marktraumumstellung werden zudem nicht einfach einzelnen betroffenen Haushalten als persönliche Umrüstungsrechnung berechnet. Die regulären Anpassungsmaßnahmen werden über das System der Netzentgelte verteilt, während Reparaturen an mangelhaften oder nicht geeigneten Geräten eine andere Frage darstellen können.
Grundversorgung oder Sondertarif: Der Unterschied ist entscheidend
Der Grundversorger ist jeweils das Unternehmen, das im betreffenden Netzgebiet die meisten Haushaltskunden beliefert. Wer Gas verbraucht, ohne zuvor einen separaten Liefervertrag abgeschlossen zu haben, kann deshalb unter bestimmten Voraussetzungen zunächst in der Grund- oder Ersatzversorgung landen.
Grundversorgung und Gasnetz dürfen dabei nicht miteinander verwechselt werden. EWE NETZ oder enercity Netz betreiben beispielsweise Infrastruktur, während der eigentliche Liefervertrag mit einem Energieanbieter abgeschlossen wird.
Auch die Aussage „Grundversorgung ist immer teuer“ wäre zu pauschal. Preise können sich verändern, sodass Grundversorgung und Sondertarife zum konkreten Vergleichszeitpunkt anhand ihrer tatsächlichen Jahreskosten gegenübergestellt werden sollten.
Besonders nach einem Umzug lohnt deshalb ein Blick auf die erste Vertragsbestätigung. Wer lediglich davon ausgeht, automatisch einen günstigen Tarif zu besitzen, kann über Monate in einem Vertrag bleiben, den er nie bewusst ausgewählt hat.
Welche regionalen Faktoren beim Gasvergleich entscheidend sind
Ein guter Gasvergleich sollte nicht ausschließlich die sichtbare Zahl beim Arbeitspreis betrachten. Gerade bei unterschiedlichen niedersächsischen Netzgebieten können Tarifstrukturen dazu führen, dass ein auf den ersten Blick günstiges Angebot bei der Jahresrechnung schlechter abschneidet.
| Kriterium | Warum es wichtig ist | Darauf achten |
|---|---|---|
| Lieferadresse | Netzgebiet und verfügbare Tarife sind lokal abhängig | Vollständige Adresse verwenden |
| Jahresverbrauch | Arbeitspreis wirkt sich bei hohem Verbrauch stärker aus | Letzte Jahresabrechnung nutzen |
| Grundpreis | Fällt unabhängig vom Verbrauch an | In die Jahreskosten einrechnen |
| Arbeitspreis | Bestimmt den verbrauchsabhängigen Tarifanteil | Nicht isoliert betrachten |
| Netzkosten | Können zwischen niedersächsischen Netzgebieten variieren | Regionale Unterschiede berücksichtigen |
| Preisgarantie | Kann bestimmte Preisbestandteile zeitweise absichern | Umfang und Ausnahmen lesen |
| Bonus | Kann das erste Vertragsjahr günstiger erscheinen lassen | Kosten auch ohne Bonus prüfen |
| Laufzeit | Beeinflusst die Flexibilität bei Preisänderungen | Kündigung und Verlängerung beachten |
| Grundversorgung | Kann örtlich unterschiedlich bepreist sein | Mit verfügbaren Sondertarifen vergleichen |
Bei einem Haushalt mit hohem Gasverbrauch hat selbst eine relativ kleine Differenz beim Arbeitspreis stärkere Auswirkungen als bei einer kleinen Wohnung. Bei niedrigem Verbrauch kann dagegen der jährliche Grundpreis einen größeren Anteil an der Gesamtbelastung ausmachen.
Entscheidend sind daher die Gesamtkosten für den persönlichen Verbrauch. Ein Tarif mit niedrigerem Arbeitspreis und hohem Grundpreis kann für einen sparsamen Haushalt schlechter sein als ein Angebot mit etwas höherem Arbeitspreis und niedriger Grundgebühr.
Typische Fehler beim Vergleich der Gaspreise
Regional unterschiedliche Tarife machen einen Vergleich nicht kompliziert, wenn konsequent mit den richtigen Daten gerechnet wird. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Durchschnittswerte oder Werbeangaben die tatsächlichen Vertragskosten ersetzen.
Nur den Arbeitspreis vergleichen
Der Arbeitspreis fällt besonders ins Auge, bildet die Jahreskosten aber nicht vollständig ab. Grundpreis, Bonusbedingungen und der tatsächliche Verbrauch müssen gemeinsam betrachtet werden, damit zwei Tarife sinnvoll vergleichbar sind.
Einen Niedersachsen-Durchschnitt auf den eigenen Wohnort übertragen
Ein landesweiter Durchschnitt kann eine Marktentwicklung zeigen, sagt aber wenig darüber aus, welcher Preis an einer konkreten Adresse verfügbar ist. Ein Haushalt im EWE-Netzgebiet kann unter anderen regionalen Bedingungen vergleichen als ein Haushalt in Hannover, Braunschweig oder einem Avacon-Netzgebiet.
Den Bonus als dauerhafte Ersparnis betrachten
Neukundenboni oder Sofortboni können das erste Vertragsjahr deutlich günstiger erscheinen lassen. Für eine längerfristige Entscheidung sollte zusätzlich berechnet werden, welche Kosten ohne einmalige Vergünstigungen entstehen.
Grundversorgung und Netzbetreiber verwechseln
Der Netzbetreiber bleibt normalerweise auch nach einem Lieferantenwechsel derselbe, weil er für die örtliche Infrastruktur zuständig ist. Gewechselt wird dagegen der Gaslieferant, weshalb ein Anbieterwechsel keinen Austausch des örtlichen Gasnetzes bedeutet.
Wann ein neuer Gasvergleich sinnvoll sein kann
Ein besonders guter Zeitpunkt für eine Prüfung ist eine angekündigte Preisänderung. Verbraucher können dann nachvollziehen, ob sich lediglich einzelne Preisbestandteile verändern oder ob andere Lieferanten an der eigenen Adresse insgesamt günstigere Konditionen anbieten.
Auch vor Ablauf einer Preisgarantie sollte der bestehende Vertrag kontrolliert werden. Entscheidend ist dabei nicht nur das Ende der Garantie, sondern auch die anschließende Vertragslaufzeit, Kündigungsfrist und mögliche Preisgestaltung.
Bei einem Umzug innerhalb Niedersachsens ist eine erneute Prüfung besonders sinnvoll. Schon der Wechsel von einer Gemeinde in eine Nachbargemeinde kann ein anderes Gasnetz, einen anderen Grundversorger und eine veränderte Tarifauswahl bedeuten.
Ein deutlich veränderter Verbrauch ist ebenfalls ein Anlass für eine Neubewertung. Nach energetischer Sanierung, einem Wechsel der Wohnfläche oder Änderungen im Heizverhalten kann ein Tarif, der früher günstig war, aufgrund seines Verhältnisses zwischen Grund- und Arbeitspreis weniger passend sein.
Checkliste: Gaspreise in Niedersachsen richtig vergleichen
Für einen belastbaren Vergleich reichen wenige Angaben, wenn sie korrekt verwendet werden. Die folgende Vorgehensweise verhindert, dass regionale Unterschiede, Einmalboni oder unpassende Verbrauchswerte das Ergebnis verzerren.
1. Jahresverbrauch aus der Abrechnung übernehmen
Nutze nach Möglichkeit den tatsächlichen Gasverbrauch der letzten vollständigen Abrechnungsperiode. Eine grobe Schätzung nach Wohnfläche ist nur eine Ersatzlösung und kann bei schlecht oder sehr gut gedämmten Gebäuden deutlich vom tatsächlichen Bedarf abweichen.
2. Vollständige Lieferadresse verwenden
Die Postleitzahl grenzt den Markt ein, die vollständige Adresse liefert jedoch die präzisere Zuordnung. Das ist in Niedersachsen besonders relevant, weil sich Netz- und Versorgungsgebiete zwischen Gemeinden und teilweise sogar Ortsteilen unterscheiden können.
3. Grundversorgung als Vergleichswert prüfen
Ermittle, welcher Grundversorger für deine Verbrauchsstelle zuständig ist und welche Konditionen aktuell gelten. Dieser Preis ist ein sinnvoller Referenzwert, sollte aber weder automatisch als teuer noch als günstig eingestuft werden.
4. Jahreskosten statt Einzelpreise vergleichen
Addiere beziehungsweise vergleiche Grundpreis und verbrauchsabhängige Kosten für denselben Jahresverbrauch. Nur dadurch wird sichtbar, welcher Tarif unter den persönlichen Bedingungen tatsächlich günstiger ausfällt.
5. Boni getrennt betrachten
Prüfe zunächst die Kosten des ersten Vertragsjahres und anschließend die regulären Kosten ohne einmalige Vergünstigungen. Dadurch erkennst du, ob ein Angebot dauerhaft interessant ist oder hauptsächlich durch den Einstiegsbonus attraktiv wirkt.
6. Vertragsbedingungen vor dem Wechsel kontrollieren
Preisgarantie, Mindestlaufzeit, Kündigungsfrist und automatische Verlängerung gehören genauso zum Vergleich wie der Preis. Ein geringfügig günstigerer Tarif kann unattraktiv werden, wenn dafür deutlich weniger Flexibilität akzeptiert werden muss.
Häufige Fragen zu Gaspreisen in Niedersachsen
Regionale Gaspreise lassen sich nur richtig einordnen, wenn Netzgebiet, Lieferant und Verbrauch getrennt betrachtet werden. Die folgenden Fragen behandeln deshalb vor allem Punkte, die bei einem Gasvergleich innerhalb Niedersachsens regelmäßig eine Rolle spielen.
Warum unterscheiden sich Gaspreise innerhalb Niedersachsens?
Niedersachsen besteht aus zahlreichen Gasnetz- und Versorgungsgebieten mit unterschiedlichen Netzbetreibern und lokalen Strukturen. Zusätzlich kalkulieren Gaslieferanten ihre Tarife selbst, sodass sowohl regionale Kostenbestandteile als auch der Wettbewerb an der jeweiligen Adresse Einfluss auf die verfügbaren Preise haben.
Deshalb können zwei Haushalte mit gleichem Verbrauch unterschiedliche Jahreskosten haben. Ein sinnvoller Vergleich muss immer die tatsächlich verfügbaren Tarife am jeweiligen Wohnort berücksichtigen.
Sind Gaspreise in Hannover günstiger als auf dem Land?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Hannover besitzt mit enercity Netz eine andere Gasnetzstruktur als viele umliegende Gemeinden, während ländliche Regionen wiederum zu EWE NETZ, Avacon oder weiteren Netzbetreibern gehören können.
Ob der Endpreis höher oder niedriger ist, hängt zusätzlich vom gewählten Lieferanten und Tarif ab. Die Größe einer Stadt allein erlaubt daher keine belastbare Aussage über die Gasrechnung.
Welcher Gas-Grundversorger ist in Niedersachsen zuständig?
Es existiert kein Grundversorger für das gesamte Bundesland. Im EWE-NETZ-Gebiet ist beispielsweise grundsätzlich EWE VERTRIEB relevant, im Gasnetz von Hannover enercity AG, in Braunschweig BS|ENERGY und im Stadtgebiet Osnabrück die Stadtwerke Osnabrück.
In anderen Gemeinden können wiederum E.ON oder regionale Energieunternehmen Grundversorger sein. Die richtige Zuordnung erfolgt deshalb anhand des konkreten Netzgebiets beziehungsweise der Verbrauchsstelle.
Ändert sich beim Anbieterwechsel auch der Gasnetzbetreiber?
Normalerweise nicht. Der örtliche Netzbetreiber ist für Leitungen, Netzinfrastruktur und bestimmte technische Aufgaben zuständig und bleibt unabhängig davon bestehen, von welchem Lieferanten der Haushalt Gas kauft.
Beim Anbieterwechsel ändert sich dagegen der Vertragspartner für die Energielieferung. Verbraucher müssen deshalb keine neuen Gasleitungen erhalten und üblicherweise auch keinen technischen Umbau vornehmen lassen.
Macht die Umstellung von L-Gas auf H-Gas das Gas automatisch teurer?
Nein, aus dem höheren Brennwert von H-Gas lässt sich nicht direkt ein höherer Rechnungsbetrag ableiten. Abgerechnet wird die gelieferte Energiemenge in Kilowattstunden, wobei das gemessene Gasvolumen über Brennwert und Zustandszahl umgerechnet wird.
Die Marktraumumstellung verursacht zwar Kosten im Gasnetzsystem, diese werden jedoch nicht einfach nur den jeweils umgestellten Haushalten als persönliche Umrüstungskosten berechnet. In Teilen Niedersachsens bleibt das Thema wegen der laufenden Umstellung dennoch aktuell.
Was sollte ich bei einem Umzug innerhalb Niedersachsens beachten?
Prüfe zuerst, welchem Netzgebiet die neue Adresse zugeordnet ist und welcher Grundversorger dort zuständig ist. Ein bisheriger Tarif lässt sich nicht automatisch unter identischen Bedingungen auf jeden neuen Wohnort übertragen.
Anschließend sollte mit dem erwarteten Verbrauch für die neue Wohnung oder das neue Haus ein neuer Gasvergleich durchgeführt werden. Besonders ein Wechsel zwischen Nordwestniedersachsen, der Region Hannover, Braunschweig oder anderen Netzgebieten kann zu einer veränderten Tarifauswahl führen.
Fazit: Beim Gaspreis entscheidet die Adresse mit
Die wichtigste Erkenntnis für Niedersachsen ist nicht, dass einzelne Regionen grundsätzlich teuer oder günstig wären. Entscheidend ist vielmehr, dass das Bundesland aus sehr unterschiedlichen Gasnetz- und Versorgungsstrukturen besteht und deshalb ein pauschaler Landespreis nur begrenzten praktischen Nutzen besitzt.
Besonders relevant ist eine genaue Prüfung für Haushalte nach einem Umzug, vor Vertragsende, nach Preisänderungen oder bei älteren Tarifen, die längere Zeit nicht verglichen wurden. Dabei sollten Jahreskosten, Grundpreis, Arbeitspreis, Preisgarantie und Vertragsbedingungen gemeinsam bewertet werden.
Der sinnvollste nächste Schritt ist deshalb ein Vergleich mit dem eigenen Jahresverbrauch und der vollständigen Lieferadresse. Wer zusätzlich den örtlichen Grundversorgungstarif als Referenz einbezieht und einmalige Boni von den regulären Kosten trennt, erhält eine wesentlich realistischere Entscheidungsgrundlage.