Der jährliche Gasverbrauch gehört zu den wichtigsten Angaben, wenn Haushalte ihre Heizkosten kontrollieren oder einen neuen Gastarif vergleichen möchten. Trotzdem wissen viele Verbraucher nicht genau, wie hoch ihr tatsächlicher Verbrauch ist. Auf dem Gaszähler stehen Kubikmeter, auf der Jahresabrechnung und in Vergleichsrechnern wird dagegen meist mit Kilowattstunden gearbeitet. Hinzu kommen Einflüsse wie Wohnfläche, Gebäudezustand, Haushaltsgröße, Warmwasserbereitung und persönliches Heizverhalten.
Wer den eigenen Gasverbrauch berechnen möchte, muss deshalb zunächst unterscheiden, welcher Wert tatsächlich benötigt wird. Für eine grobe Einschätzung kann die Wohnfläche ausreichen. Für einen möglichst genauen Tarifvergleich ist dagegen der tatsächliche Jahresverbrauch aus der letzten Gasabrechnung deutlich besser geeignet. Liegt diese nicht vor, lässt sich der Verbrauch auch anhand der Zählerstände näherungsweise bestimmen.
Ein realistischer Jahresverbrauch hilft nicht nur beim Vergleich verschiedener Gastarife. Er macht auch sichtbar, ob sich der Verbrauch gegenüber früheren Jahren verändert hat, ob Abschlagszahlungen plausibel erscheinen und ob sich Einsparmaßnahmen beim Heizen tatsächlich bemerkbar machen. Dieser Ratgeber zeigt Schritt für Schritt, wie sich der Gasverbrauch ermitteln, umrechnen und sinnvoll bewerten lässt.
Was bedeutet Gasverbrauch eigentlich?
Der Gasverbrauch beschreibt die Energiemenge, die ein Haushalt innerhalb eines bestimmten Zeitraums aus dem Gasnetz bezieht. Bei privaten Haushalten wird meist der Verbrauch eines vollständigen Abrechnungsjahres betrachtet. Auf der Rechnung wird dieser normalerweise in Kilowattstunden, kurz kWh, angegeben.
Der Gaszähler selbst misst allerdings keine Kilowattstunden. Er erfasst das durchströmende Gasvolumen in Kubikmetern, also m³. Damit daraus die tatsächlich gelieferte Energiemenge berechnet werden kann, wird der gemessene Kubikmeterwert mit weiteren Faktoren umgerechnet.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil ein Wert von beispielsweise 1.500 m³ nicht mit einem Jahresverbrauch von 1.500 kWh gleichgesetzt werden darf. Ein Kubikmeter Erdgas enthält je nach Gasbeschaffenheit ungefähr ein Vielfaches dieser Energiemenge. Der genaue Faktor ergibt sich aus Brennwert und Zustandszahl.
Für Tarifvergleiche ist deshalb normalerweise die Angabe in Kilowattstunden relevant. Wer lediglich seinen Gaszähler abliest, muss den Verbrauch zunächst entsprechend umrechnen oder den kWh-Wert aus der letzten Jahresabrechnung übernehmen.
Gasverbrauch berechnen: Die einfachste Methode
Am unkompliziertesten lässt sich der jährliche Gasverbrauch über die letzte Jahresabrechnung feststellen. Dort wird der Verbrauch für den jeweiligen Abrechnungszeitraum bereits in Kilowattstunden ausgewiesen. Dieser Wert eignet sich in der Regel auch am besten als Grundlage für einen Gasvergleich.
Wichtig ist lediglich, den Abrechnungszeitraum zu prüfen. Umfasst die Rechnung beispielsweise nur neun oder zehn Monate, entspricht der angegebene Verbrauch nicht automatisch einem vollständigen Jahresverbrauch. Ebenso können Umzug, längere Abwesenheiten oder außergewöhnlich kalte beziehungsweise milde Heizperioden das Ergebnis beeinflussen.
Wer mehrere Abrechnungen besitzt, sollte deshalb nicht ausschließlich auf ein einzelnes Jahr schauen. Der Vergleich mehrerer Jahre vermittelt häufig ein besseres Bild darüber, in welchem Bereich sich der persönliche Gasverbrauch normalerweise bewegt.
Jahresverbrauch aus der Gasrechnung übernehmen
Auf einer Gasabrechnung finden sich meist sowohl Anfangs- und Endzählerstand als auch der daraus berechnete Verbrauch in Kubikmetern und Kilowattstunden. Für einen Tarifvergleich ist insbesondere der Verbrauchswert in kWh interessant.
Angenommen, auf der Rechnung steht für den letzten Abrechnungszeitraum ein Verbrauch von 18.400 kWh. Dann können diese 18.400 kWh grundsätzlich als Ausgangswert für einen Vergleich verwendet werden, sofern der Abrechnungszeitraum ungefähr zwölf Monate umfasst und sich an den Wohn- beziehungsweise Nutzungsverhältnissen nichts Wesentliches geändert hat.
Ist beispielsweise inzwischen eine weitere Person eingezogen oder wird Warmwasser neuerdings ebenfalls über Gas erzeugt, kann der zukünftige Verbrauch höher ausfallen. Umgekehrt kann sich der Bedarf nach einer energetischen Sanierung oder dem Austausch einer alten Heizungsanlage verringern.
Gasverbrauch über den Gaszähler berechnen
Liegt keine aktuelle Jahresabrechnung vor, kann der Verbrauch anhand des Gaszählers ermittelt werden. Dafür benötigt man mindestens zwei Zählerstände und den Zeitraum zwischen den Ablesungen.
Die Berechnung ist zunächst einfach. Vom aktuellen Zählerstand wird der frühere Zählerstand abgezogen. Das Ergebnis zeigt, wie viele Kubikmeter Gas im betrachteten Zeitraum verbraucht wurden.
Beispiel: Der Gaszähler zeigt zu Beginn 12.350 m³ und ein Jahr später 14.050 m³. Die Differenz beträgt 1.700 m³. Um daraus den Energieverbrauch in Kilowattstunden zu erhalten, muss dieser Wert anschließend umgerechnet werden.
Kubikmeter Gas in Kilowattstunden umrechnen
Die Umrechnung erfolgt grundsätzlich nach folgender Logik:
Gasverbrauch in kWh = Verbrauch in m³ × Brennwert × Zustandszahl
Der Brennwert gibt an, wie viel Energie in einem bestimmten Gasvolumen enthalten ist. Die Zustandszahl berücksichtigt unter anderem, dass sich das Volumen von Gas je nach Temperatur, Luftdruck und örtlichen Bedingungen verändert.
Die genauen Werte für Brennwert und Zustandszahl stehen normalerweise auf der Gasabrechnung. Wer diese Angaben besitzt, kann damit seinen Verbrauch wesentlich genauer berechnen als mit einer pauschalen Faustformel.
Für eine überschlägige Berechnung wird häufig vereinfacht angenommen, dass ein Kubikmeter Erdgas ungefähr zehn Kilowattstunden Energie entspricht. Dieser Wert eignet sich jedoch nur zur Orientierung und ersetzt nicht die genaue Berechnung mit den tatsächlichen Abrechnungsfaktoren.
Bei 1.700 m³ Jahresverbrauch würde die überschlägige Rechnung somit etwa 17.000 kWh ergeben. Der tatsächliche Wert kann aufgrund von Brennwert und Zustandszahl etwas davon abweichen.
Gasverbrauch ohne Jahresabrechnung schätzen
Nicht immer stehen alte Zählerstände oder vollständige Abrechnungen zur Verfügung. Besonders nach einem Umzug oder beim erstmaligen Abschluss eines Gasvertrags muss der zukünftige Verbrauch häufig geschätzt werden.
In diesem Fall ist die Wohnfläche ein wichtiger Anhaltspunkt. Allerdings sollte sie niemals isoliert betrachtet werden. Ein gut gedämmtes Einfamilienhaus kann pro Quadratmeter erheblich weniger Heizenergie benötigen als ein unsanierter Altbau, obwohl beide Gebäude eine ähnliche Wohnfläche haben.
Auch die Art der Nutzung spielt eine große Rolle. Wird Gas ausschließlich zum Heizen verwendet, fällt der Verbrauch anders aus als bei einem Haushalt, der zusätzlich Warmwasser über eine Gastherme erzeugt.
Gasverbrauch anhand der Wohnfläche berechnen
Für eine erste Orientierung kann der Jahresverbrauch anhand eines angenommenen Verbrauchs pro Quadratmeter geschätzt werden. Je nach Gebäudezustand kann dieser Wert erheblich schwanken.
Ein energetisch günstiges Gebäude benötigt vergleichsweise wenig Heizenergie pro Quadratmeter. Ältere oder schlecht gedämmte Gebäude können dagegen einen deutlich höheren Bedarf haben. Deshalb sind pauschale Quadratmeterwerte keine präzise Verbrauchsprognose, sondern lediglich ein Ausgangspunkt.
Ein Haushalt mit 100 m² Wohnfläche kann beispielsweise einen Jahresverbrauch von ungefähr 10.000 kWh haben, in einem anderen Gebäude aber 20.000 kWh oder mehr benötigen. Allein aus der Wohnfläche lässt sich deshalb nicht ableiten, ob ein Verbrauch hoch oder niedrig ist.
Für einen Tarifvergleich ohne vorhandene Verbrauchsdaten ist eine realistische Schätzung dennoch besser als eine willkürlich gewählte Zahl. Sobald die erste vollständige Jahresabrechnung vorliegt, sollte der tatsächliche Wert verwendet werden.
Welche Faktoren beeinflussen den jährlichen Gasverbrauch?
Der Gasverbrauch hängt von deutlich mehr Faktoren ab als nur von der Größe einer Wohnung oder eines Hauses. Zwei Haushalte mit identischer Wohnfläche können deshalb vollkommen unterschiedliche Jahresverbräuche haben.
Besonders großen Einfluss haben der energetische Zustand des Gebäudes, die gewünschte Raumtemperatur, das Heizsystem und die Frage, ob Gas zusätzlich zur Warmwasserbereitung genutzt wird. Auch die Dauer der Heizperiode und das Wetter können einen einzelnen Jahresverbrauch spürbar verändern.
Wer seinen Verbrauch beurteilen möchte, sollte deshalb immer die eigene Wohnsituation berücksichtigen und nicht ausschließlich mit allgemeinen Durchschnittswerten vergleichen.
Wohnfläche und Gebäudetyp
Mit zunehmender beheizter Fläche steigt normalerweise auch der Energiebedarf. Eine 160-m²-Wohnfläche benötigt unter vergleichbaren Bedingungen mehr Heizenergie als eine 60-m²-Wohnung.
Trotzdem kann eine kleine unsanierte Wohnung einen relativ hohen Verbrauch haben, während ein größeres, gut gedämmtes Gebäude überraschend effizient arbeitet. Außenwände, Fenster, Dach, Kellerdecke und Dämmstandard beeinflussen erheblich, wie viel Wärme verloren geht.
Auch die Lage innerhalb eines Mehrfamilienhauses spielt eine Rolle. Eine Wohnung zwischen anderen beheizten Wohnungen benötigt häufig weniger Heizenergie als eine Dachgeschoss- oder Eckwohnung mit mehreren Außenflächen.
Warmwasserbereitung mit Gas
Wird nicht nur geheizt, sondern auch Warmwasser mit Gas erzeugt, erhöht sich der Jahresverbrauch. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt insbesondere von der Zahl der Personen und den Nutzungsgewohnheiten ab.
Ein Haushalt mit mehreren Personen und entsprechend höherem Warmwasserbedarf verbraucht normalerweise mehr Gas als eine einzelne Person in derselben Wohnung. Häufiges Baden, lange Duschen und hohe Warmwassertemperaturen können den Bedarf zusätzlich erhöhen.
Beim Vergleich des eigenen Verbrauchs mit anderen Haushalten sollte deshalb immer berücksichtigt werden, ob Warmwasser ebenfalls über Gas bereitgestellt wird.
Heizverhalten und Raumtemperatur
Die gewünschte Raumtemperatur beeinflusst den Verbrauch unmittelbar. Wer Wohnräume dauerhaft stärker beheizt, benötigt mehr Energie als ein Haushalt mit moderateren Temperaturen.
Auch die Zahl der beheizten Räume ist entscheidend. Wird ein Gästezimmer nur selten genutzt und entsprechend weniger beheizt, kann sich dies auf den Gesamtverbrauch auswirken. Gleichzeitig sollte das Absenken der Temperatur sinnvoll erfolgen, damit Räume nicht vollständig auskühlen und Feuchtigkeitsprobleme entstehen.
Der Gasverbrauch ist deshalb nicht ausschließlich eine technische Kennzahl des Gebäudes. Er spiegelt auch einen Teil des individuellen Nutzungsverhaltens wider.
Ist mein Gasverbrauch hoch oder niedrig?
Ein einzelner Verbrauchswert lässt sich nur eingeschränkt bewerten. 20.000 kWh können für einen kleinen, gut gedämmten Haushalt relativ hoch sein, für ein großes älteres Einfamilienhaus dagegen durchaus plausibel erscheinen.
Sinnvoller als der Vergleich mit einem pauschalen Durchschnitt ist deshalb die Betrachtung des Verbrauchs pro Quadratmeter sowie die Entwicklung über mehrere Jahre. Dafür kann der Jahresverbrauch durch die beheizte Wohnfläche geteilt werden.
Verbraucht ein Haushalt beispielsweise 18.000 kWh Gas bei einer Wohnfläche von 120 m², entspricht dies 150 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Dieser Wert lässt sich anschließend im Zusammenhang mit Gebäudealter, Dämmung, Warmwasserbereitung und persönlichem Heizverhalten betrachten.
Besonders interessant wird die Kennzahl im Zeitvergleich. Steigt der Verbrauch innerhalb eines ansonsten unveränderten Haushalts deutlich an, lohnt sich eine genauere Prüfung.
Warum sich der Gasverbrauch von Jahr zu Jahr verändert
Selbst wenn sich weder Haushalt noch Gebäude verändern, ist der Gasverbrauch nicht jedes Jahr identisch. Ein wichtiger Grund dafür sind unterschiedliche Außentemperaturen und Heizperioden.
Ein kalter Winter führt normalerweise zu einem höheren Heizenergiebedarf als ein außergewöhnlich milder Winter. Deshalb bedeutet ein höherer Jahresverbrauch nicht automatisch, dass plötzlich ineffizienter geheizt wurde.
Auch längere Anwesenheitszeiten können eine Rolle spielen. Wer beispielsweise häufiger von zu Hause arbeitet oder weniger verreist, beheizt die Wohnung möglicherweise über längere Zeiträume.
Um Verbrauchsentwicklungen realistisch zu beurteilen, ist deshalb ein mehrjähriger Vergleich sinnvoller als die isolierte Betrachtung zweier Rechnungen. Auffällige Veränderungen sollten dennoch geprüft werden, insbesondere wenn sie sich nicht durch Wetter, Nutzung oder veränderte Haushaltsbedingungen erklären lassen.
Gasverbrauch und Gaskosten auseinanderhalten
Gasverbrauch und Gaskosten sind zwei unterschiedliche Größen. Der Verbrauch zeigt, wie viele Kilowattstunden Gas genutzt wurden. Die tatsächlichen Kosten hängen zusätzlich vom jeweiligen Gastarif ab.
Typischerweise bestehen Gastarife aus einem verbrauchsabhängigen Arbeitspreis und einem festen Grundpreis. Der Arbeitspreis wird für jede verbrauchte Kilowattstunde berechnet, während der Grundpreis unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch anfällt.
Eine vereinfachte Kostenberechnung lautet daher:
Jahreskosten = Jahresverbrauch × Arbeitspreis + Grundpreis
Bei einem Verbrauch von 18.000 kWh wirkt sich beispielsweise bereits eine kleine Differenz beim Arbeitspreis stärker auf die Gesamtkosten aus als bei einem Haushalt mit nur 6.000 kWh Jahresverbrauch. Bei niedrigen Verbräuchen kann dagegen der Grundpreis vergleichsweise stärker ins Gewicht fallen.
Deshalb sollte ein Gastarif niemals ausschließlich anhand des Arbeitspreises beurteilt werden.
Warum der richtige Jahresverbrauch beim Gasvergleich wichtig ist
Vergleichsrechner verwenden den angegebenen Jahresverbrauch, um die voraussichtlichen Kosten verschiedener Tarife zu berechnen. Ist dieser Wert unrealistisch, können auch die angezeigten Jahreskosten und Ersparnisse wenig aussagekräftig sein.
Wer beispielsweise tatsächlich 20.000 kWh verbraucht, im Rechner aber nur 10.000 kWh angibt, erhält eine Kostenberechnung, die nicht zur eigenen Situation passt. Umgekehrt kann ein deutlich zu hoch angesetzter Verbrauch Tarife anders gewichten, als es bei der tatsächlichen Nutzung sinnvoll wäre.
Am besten wird deshalb der aktuelle Jahresverbrauch aus einer vollständigen Abrechnung übernommen. Liegt dieser nicht vor, sollte die Schätzung möglichst nachvollziehbar erfolgen.
Welche Daten für einen Gasvergleich benötigt werden
Neben dem Jahresverbrauch wird häufig die Postleitzahl benötigt. Sie ist relevant, weil verfügbare Tarife, Netzentgelte und regionale Bedingungen vom Wohnort abhängen können.
Je nach Vergleich können außerdem Angaben zum bisherigen Anbieter oder zu den aktuellen Kosten hilfreich sein. Dadurch lässt sich besser beurteilen, ob ein anderes Angebot tatsächlich günstiger wäre oder lediglich auf den ersten Blick attraktiv erscheint.
Besonders wichtig ist jedoch, dass die Verbrauchsangabe plausibel ist. Schon eine grobe, aber realistische Schätzung liefert sinnvollere Ergebnisse als ein beliebig gewählter Standardwert.
Gastarife richtig bewerten statt nur auf den Preis zu schauen
Wer seinen Jahresverbrauch kennt, kann verschiedene Angebote wesentlich genauer einordnen. Der rechnerisch niedrigste Jahrespreis sollte dabei jedoch nicht das einzige Auswahlkriterium sein.
Neben Arbeitspreis und Grundpreis können Vertragslaufzeit, Kündigungsfrist, Preisgarantie und Bonusbedingungen relevant sein. Ein Tarif mit niedrigem Einstiegspreis kann beispielsweise weniger attraktiv werden, wenn bestimmte Preisbestandteile nicht von einer Garantie erfasst werden oder ein Bonus nur unter bestimmten Voraussetzungen ausgezahlt wird.
Auch eine lange Vertragsbindung sollte bewusst gewählt werden. Sie kann Planungssicherheit bieten, schränkt aber gleichzeitig die Möglichkeit ein, kurzfristig auf Veränderungen am Markt zu reagieren.
Ein guter Tarifvergleich berücksichtigt deshalb sowohl den Preis als auch die Vertragsbedingungen, die zum eigenen Haushalt und zum gewünschten Maß an Flexibilität passen.
Preisgarantie, Laufzeit und Kündigungsfrist prüfen
Bei Gastarifen kann eine Preisgarantie einen Teil der Kosten für einen bestimmten Zeitraum absichern. Entscheidend ist jedoch, welche Preisbestandteile tatsächlich eingeschlossen sind und wie lange die Garantie gilt.
Ebenso wichtig sind Mindestvertragslaufzeit und Kündigungsfrist. Eine günstige Kalkulation hilft wenig, wenn ein Tarif deutlich länger bindet, als es für den Verbraucher sinnvoll ist.
Vor einem Anbieterwechsel lohnt es sich daher, nicht nur die erste Ergebnisübersicht eines Vergleichs zu betrachten. Die Tarifdetails zeigen häufig erst, unter welchen Bedingungen der angegebene Preis zustande kommt.
Bonusangebote beim Gasvergleich richtig einordnen
Neukunden- oder Wechselboni können die Kosten im ersten Vertragsjahr reduzieren. Sie sollten jedoch getrennt vom regulären Tarifpreis betrachtet werden.
Für einen fairen Vergleich kann es sinnvoll sein, sich sowohl die Kosten inklusive Bonus als auch die voraussichtlichen Kosten ohne Bonus anzusehen. Dadurch wird besser sichtbar, wie attraktiv ein Tarif langfristig tatsächlich ist.
Besonders wichtig sind die Bedingungen für die Bonuszahlung. Mindestvertragsdauer, Belieferungszeitraum oder andere Voraussetzungen können darüber entscheiden, ob der Bonus vollständig gewährt wird.
Typische Fehler beim Berechnen des Gasverbrauchs
Ein häufiger Fehler besteht darin, den Zählerstand in Kubikmetern direkt als Kilowattstundenverbrauch zu verwenden. Dadurch wird der tatsächliche Energieverbrauch massiv unterschätzt.
Ebenso problematisch ist es, einen Verbrauchswert aus einem ungewöhnlich kurzen Zeitraum einfach auf zwölf Monate hochzurechnen. Gas wird überwiegend während der Heizperiode verbraucht. Drei Wintermonate lassen sich deshalb nicht sinnvoll mit drei Sommermonaten gleichsetzen.
Auch die Wohnfläche wird häufig überschätzt oder unterschätzt. Entscheidend ist grundsätzlich die tatsächlich beheizte Fläche und nicht zwingend jede Fläche innerhalb eines Gebäudes.
Ein weiterer Fehler besteht darin, Verbrauch und Abschlagszahlung miteinander zu verwechseln. Ein hoher monatlicher Abschlag bedeutet nicht automatisch einen hohen Gasverbrauch. Abschläge basieren auf Verbrauchsprognosen und Preisen und können daher auch zu hoch oder zu niedrig angesetzt sein.
Gasverbrauch regelmäßig kontrollieren
Wer den Gaszähler nur einmal jährlich abliest, erkennt Verbrauchsveränderungen oft erst mit der nächsten Abrechnung. Eine gelegentliche Zwischenablesung kann deshalb sinnvoll sein.
Besonders hilfreich ist es, Zählerstände zu festen Zeitpunkten zu notieren. Dadurch lässt sich nachvollziehen, wie sich der Verbrauch innerhalb der Heizperiode entwickelt und ob Änderungen am Heizverhalten tatsächlich einen Effekt haben.
Die Werte sollten allerdings nicht vorschnell interpretiert werden. Der Verbrauch im Januar ist naturgemäß meist wesentlich höher als in einem warmen Sommermonat. Aussagekräftiger sind Vergleiche ähnlicher Zeiträume oder mehrerer vollständiger Jahre.
Wie sich der Gasverbrauch sinnvoll senken lässt
Wer seine Gaskosten reduzieren möchte, sollte nicht ausschließlich nach einem günstigeren Tarif suchen. Der tatsächliche Verbrauch ist mindestens ebenso wichtig, weil jede nicht benötigte Kilowattstunde gar nicht erst bezahlt werden muss.
Potenzial kann unter anderem bei unnötig hohen Raumtemperaturen, dauerhaft beheizten ungenutzten Räumen oder einer ungünstigen Heizungssteuerung bestehen. Auch technische Maßnahmen am Gebäude oder an der Heizungsanlage können den Energiebedarf beeinflussen.
Welche Maßnahme sinnvoll ist, hängt stark vom jeweiligen Gebäude ab. Während Mieter vor allem ihr Nutzungsverhalten beeinflussen können, haben Eigentümer zusätzlich Möglichkeiten bei Heizung, Dämmung oder Fenstern.
Entscheidend ist, Veränderungen anhand echter Verbrauchswerte zu überprüfen. Wer regelmäßig Zählerstände dokumentiert, kann wesentlich besser beurteilen, ob eine Maßnahme tatsächlich Wirkung zeigt.
Wann sollte ein ungewöhnlich hoher Verbrauch geprüft werden?
Ein höherer Jahresverbrauch ist nicht automatisch ein Hinweis auf ein Problem. Ein kalter Winter, mehr Personen im Haushalt oder veränderte Anwesenheitszeiten können den Verbrauch erklären.
Bleibt der Anstieg jedoch über längere Zeit ungewöhnlich hoch, obwohl sich die Wohnsituation nicht verändert hat, lohnt sich eine genauere Ursachenanalyse. Dabei können sowohl das Heizverhalten als auch technische Faktoren eine Rolle spielen.
Auch die Rechnung selbst sollte kontrolliert werden. Wurde der Zähler tatsächlich abgelesen oder lediglich geschätzt? Stimmen Anfangs- und Endzählerstand? Wurde der richtige Zähler berücksichtigt? Solche einfachen Prüfungen können bereits viele Unklarheiten beseitigen.
Gasverbrauch bei einem Umzug richtig einschätzen
Nach einem Umzug ist der bisherige Jahresverbrauch nur eingeschränkt auf die neue Wohnung übertragbar. Gebäudegröße, Dämmstandard, Lage der Wohnung und Heizsystem können den Bedarf erheblich verändern.
Wer für die neue Wohnung noch keine Verbrauchsdaten besitzt, kann zunächst mit Wohnfläche, Gebäudezustand und Haushaltsgröße arbeiten. Sind Verbrauchswerte des vorherigen Bewohners verfügbar, können diese einen zusätzlichen Anhaltspunkt liefern, sollten aber nicht ungeprüft übernommen werden.
Sobald eigene Verbrauchsdaten vorliegen, lässt sich die Schätzung korrigieren. Dadurch können auch zukünftige Abschläge und Tarifvergleiche realistischer ausgerichtet werden.
Abschlagszahlung anhand des Verbrauchs besser einschätzen
Die monatliche Abschlagszahlung soll die erwarteten Jahreskosten auf mehrere Zahlungen verteilen. Sie ist deshalb abhängig vom angenommenen Verbrauch und den Preisen des jeweiligen Tarifs.
Ist der geschätzte Verbrauch deutlich zu niedrig, kann am Ende des Abrechnungsjahres eine Nachzahlung entstehen. Ein wesentlich zu hoher Verbrauchswert kann dagegen dazu führen, dass während des Jahres unnötig hohe Abschläge gezahlt werden.
Wer den tatsächlichen Gasverbrauch kennt, kann deshalb besser beurteilen, ob die aktuelle Abschlagshöhe ungefähr zur eigenen Situation passt. Trotzdem sollten saisonale Schwankungen berücksichtigt werden, da während des Winters ein großer Teil des Jahresverbrauchs entsteht.
FAQ: Häufige Fragen zum Gasverbrauch
Beim Berechnen des Gasverbrauchs entstehen besonders häufig Fragen zur Einheit, zur Schätzung und zur richtigen Verwendung des Jahresverbrauchs. Die folgenden Antworten helfen dabei, typische Unsicherheiten einzuordnen und Fehler bei Rechnung oder Tarifvergleich zu vermeiden.
Wie kann ich meinen jährlichen Gasverbrauch berechnen?
Am einfachsten lässt sich der Jahresverbrauch auf der letzten Gasabrechnung ablesen. Dort ist die verbrauchte Energiemenge normalerweise bereits in Kilowattstunden angegeben.
Alternativ können zwei Gaszählerstände miteinander verglichen werden. Die Differenz ergibt den Verbrauch in Kubikmetern, der anschließend mithilfe von Brennwert und Zustandszahl in Kilowattstunden umgerechnet wird. Für eine grobe Schätzung kann zusätzlich die Wohnfläche herangezogen werden.
Wie rechne ich m³ Gas in kWh um?
Die genaue Berechnung erfolgt, indem der Verbrauch in Kubikmetern mit dem Brennwert und der Zustandszahl multipliziert wird. Beide Werte finden sich normalerweise auf der Gasabrechnung.
Als grobe Faustformel wird teilweise mit ungefähr zehn Kilowattstunden pro Kubikmeter gerechnet. Für eine genaue Abrechnung oder Verbrauchskontrolle sollte jedoch immer mit den tatsächlichen Faktoren des jeweiligen Gasanschlusses gerechnet werden.
Wie viel Gasverbrauch ist für eine Wohnung normal?
Einen allgemeingültigen Normalwert gibt es nicht, weil der Verbrauch von Wohnfläche, Gebäudezustand, Lage der Wohnung, Heizverhalten und Warmwasserbereitung abhängt. Selbst gleich große Wohnungen können deshalb erheblich unterschiedliche Verbrauchswerte aufweisen.
Aussagekräftiger ist der Vergleich des eigenen Verbrauchs über mehrere Jahre oder die Berechnung des Verbrauchs pro Quadratmeter. Dadurch lassen sich Veränderungen besser erkennen und in Verbindung mit Gebäude und Nutzungsverhalten beurteilen.
Welchen Gasverbrauch sollte ich beim Tarifvergleich angeben?
Am besten eignet sich der tatsächliche Verbrauch der letzten vollständigen Jahresabrechnung. Dieser Wert bildet die eigene Nutzung normalerweise realistischer ab als allgemeine Durchschnittswerte.
Hat sich die Wohn- oder Haushaltsgröße inzwischen deutlich verändert, sollte der Verbrauch entsprechend angepasst werden. Nach einem Umzug kann zunächst eine realistische Schätzung anhand von Wohnfläche, Gebäudezustand und Haushaltsgröße verwendet werden.
Warum ist mein Gasverbrauch plötzlich höher?
Ein höherer Verbrauch kann zahlreiche Ursachen haben. Kalte Witterung, längere Anwesenheitszeiten, zusätzliche Haushaltsmitglieder, höhere Raumtemperaturen oder ein gestiegener Warmwasserbedarf können den Jahresverbrauch erhöhen.
Ist keine dieser Veränderungen erkennbar, sollte zunächst die Abrechnung geprüft werden. Stimmen Zählernummer und Zählerstände, wurden Werte tatsächlich abgelesen oder geschätzt und lässt sich der Mehrverbrauch auch bei eigenen Zwischenablesungen erkennen, kann anschließend gezielter nach weiteren Ursachen gesucht werden.
Fazit: Ein realistischer Gasverbrauch ist die Grundlage für bessere Entscheidungen
Wer seinen Gasverbrauch berechnen möchte, sollte möglichst mit tatsächlichen Verbrauchsdaten arbeiten. Die beste Grundlage bietet die letzte vollständige Jahresabrechnung. Alternativ lässt sich der Verbrauch über zwei Zählerstände bestimmen und anschließend von Kubikmetern in Kilowattstunden umrechnen. Fehlen sämtliche Verbrauchsdaten, kann die Wohnfläche eine erste Orientierung liefern, wobei Gebäudezustand, Warmwasser und Heizverhalten unbedingt berücksichtigt werden sollten.
Besonders wertvoll wird der Verbrauchswert, wenn er nicht isoliert betrachtet wird. Der Vergleich mehrerer Jahre zeigt, ob sich der Energiebedarf verändert hat und ob außergewöhnliche Entwicklungen näher untersucht werden sollten. Gleichzeitig hilft der Jahresverbrauch dabei, Abschläge realistischer einzuschätzen und unterschiedliche Gastarife auf einer passenden Verbrauchsbasis miteinander zu vergleichen.
Beim Tarifvergleich sollte allerdings nicht allein der niedrigste berechnete Jahrespreis entscheiden. Arbeitspreis, Grundpreis, Vertragslaufzeit, Kündigungsfrist, Preisgarantie und mögliche Bonusbedingungen gehören ebenfalls in die Bewertung. Ein gut ermittelter Gasverbrauch schafft damit die Grundlage, Kosten und Vertragsangebote realistischer einzuordnen und eine Entscheidung zu treffen, die zum eigenen Haushalt passt.