Ökostrom: Was wirklich dahintersteckt und worauf du beim Tarif achten solltest

Ökostrom stammt rechnerisch aus erneuerbaren Energien – doch grüne Stromtarife unterscheiden sich deutlich. Entscheidend sind Herkunft, Tarifbedingungen und tatsächlicher Umweltnutzen.

Ökostrom begegnet dir heute bei nahezu jedem Stromvergleich. Viele Anbieter werben mit Begriffen wie „100 % erneuerbare Energien“, „grüner Strom“ oder „klimafreundlicher Tarif“. Auf den ersten Blick scheint die Sache deshalb einfach: Wer Ökostrom bestellt, bekommt Strom aus Windkraft, Wasserkraft oder Photovoltaik statt Strom aus fossilen oder anderen konventionellen Quellen.

Ganz so unmittelbar funktioniert das Stromnetz allerdings nicht. In deiner Steckdose lässt sich physikalisch nicht unterscheiden, aus welchem Kraftwerk der gerade verbrauchte Strom stammt. Bei einem Ökostromtarif geht es deshalb vor allem darum, welche Strommengen der Anbieter beschafft beziehungsweise bilanziell deinem Verbrauch zuordnet und wie deren erneuerbare Herkunft nachgewiesen wird.

Wer Ökostromtarife vergleichen möchte, sollte deshalb nicht ausschließlich auf den Begriff „Ökostrom“ achten. Preis, Herkunftsnachweise, Vertragsbedingungen und der zusätzliche Beitrag zur Energiewende können sich erheblich unterscheiden.

Was bedeutet Ökostrom?

Als Ökostrom wird elektrische Energie bezeichnet, die aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt wird. Dazu gehören insbesondere Windkraft, Solarenergie, Wasserkraft, Biomasse und weitere regenerative Energieformen.

Bei einem Ökostromtarif verpflichtet sich der Anbieter grundsätzlich dazu, die von seinen Kunden verbrauchte Strommenge entsprechend aus erneuerbaren Quellen zu beschaffen beziehungsweise deren erneuerbare Herkunft nachzuweisen. Verbrauchst du beispielsweise 3.000 Kilowattstunden im Jahr, muss die entsprechende Menge erneuerbar erzeugter Energie dem Tarif zugeordnet werden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass ausschließlich dieser Strom durch deine persönliche Stromleitung fließt. Alle Stromerzeuger speisen ihre Energie in ein gemeinsames Netz ein, aus dem Haushalte und Unternehmen gleichzeitig versorgt werden.

Warum ist Ökostrom für Verbraucher wichtig?

Mit der Entscheidung für einen Ökostromtarif kannst du beeinflussen, welche Art der Stromerzeugung du über deinen Vertrag wirtschaftlich unterstützt. Gleichzeitig ermöglicht dir ein entsprechender Tarif, deinen Strombedarf bilanziell mit erneuerbarer Energie abzudecken.

Allerdings ist nicht jeder Ökostromtarif hinsichtlich seiner Wirkung identisch. Ein Tarif kann zwar formal vollständig aus erneuerbaren Energien bestehen, ohne dass dadurch automatisch neue Windkraft-, Solar- oder andere Erzeugungsanlagen entstehen.

 

Deshalb lohnt es sich, zwischen der erneuerbaren Herkunft des Stroms und einem zusätzlichen Beitrag zum Ausbau erneuerbarer Energien zu unterscheiden. Manche Tarife erfüllen lediglich die notwendigen Anforderungen an die Herkunft, während andere Anbieter zusätzliche Investitionen, Fördermodelle oder strengere Nachhaltigkeitskriterien vorsehen.

Wie funktioniert Ökostrom in der Praxis?

Der wichtigste Punkt ist das gemeinsame Stromnetz. Strom aus einem Windpark, einem Wasserkraftwerk, einer Solaranlage oder einem konventionellen Kraftwerk wird nicht über getrennte Leitungen zu bestimmten Haushalten transportiert.

Wenn du einen Ökostromvertrag abschließt, verändert sich deshalb nicht die technische Versorgung deiner Wohnung. Dein Netzbetreiber bleibt normalerweise derselbe, dein Stromzähler funktioniert unverändert und auch bei der Versorgungssicherheit gibt es aufgrund des Tarifwechsels keinen Unterschied.

Die ökologische Zuordnung erfolgt auf der Ebene der Strombeschaffung und der entsprechenden Nachweise. Der Anbieter muss sicherstellen, dass die verkaufte Menge an Ökostrom nachvollziehbar durch erneuerbare Erzeugung gedeckt wird.

Welche Rolle spielen Herkunftsnachweise?

Herkunftsnachweise dienen dazu, die erneuerbare Herkunft einer bestimmten Strommenge nachvollziehbar zu dokumentieren. Dadurch soll verhindert werden, dass dieselbe erneuerbar erzeugte Energie mehrfach als Ökostrom vermarktet wird.

Für Verbraucher ist dabei wichtig zu verstehen, dass ein Herkunftsnachweis zunächst bestätigt, wo beziehungsweise aus welcher erneuerbaren Erzeugung eine entsprechende Strommenge stammt. Er sagt allein noch nicht zwingend aus, wie stark der jeweilige Tarif zusätzliche Investitionen in neue Anlagen unterstützt.

Genau deshalb können zwei Tarife beide als Ökostrom angeboten werden und trotzdem hinsichtlich ihrer ökologischen Wirkung unterschiedlich ausfallen.

Konkretes Beispiel: Was ein Ökostromtarif kosten kann

Angenommen, dein Haushalt verbraucht 3.500 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Du vergleichst zwei Tarife mit unterschiedlichen Preisen und Vertragsbedingungen.

Tarif A verlangt beispielsweise einen Arbeitspreis von 30 Cent pro Kilowattstunde und einen Grundpreis von 150 Euro jährlich. Deine rechnerischen Jahreskosten betragen damit 1.200 Euro: 3.500 × 0,30 Euro ergeben 1.050 Euro Verbrauchskosten, hinzu kommen 150 Euro Grundpreis.

Tarif B ist ein Ökostromtarif mit 31 Cent Arbeitspreis und 135 Euro Grundpreis. Hier entstehen rechnerisch 1.220 Euro Jahreskosten. Der Unterschied beträgt lediglich 20 Euro im Jahr.

Ob Tarif B deshalb die bessere Entscheidung ist, hängt jedoch nicht allein davon ab, dass er Ökostrom bietet. Interessant wird beispielsweise, aus welchen Anlagen der Strom stammt, welche zusätzlichen Nachhaltigkeitskriterien gelten und ob die Vertragsbedingungen insgesamt attraktiv sind.

Worauf solltest du bei Ökostrom achten?

Die Bezeichnung „Ökostrom“ sollte beim Vergleich nur der Ausgangspunkt sein. Entscheidend ist, was sich tatsächlich hinter dem jeweiligen Angebot verbirgt und welche Bedingungen du dafür akzeptierst.

Besonders wichtig sind dabei:

  • Herkunft beziehungsweise Zusammensetzung des angebotenen Stroms
  • nachvollziehbare Herkunftsnachweise
  • mögliche unabhängige Zertifizierungen
  • zusätzliche Förderung neuer erneuerbarer Energieprojekte
  • Arbeitspreis und Grundpreis
  • Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist
  • Preisgarantie und deren Umfang
  • Bonusbedingungen
  • Zahlungsweise und mögliche Vorauszahlungen

Ein ökologisch interessant wirkender Tarif kann finanziell unattraktiv sein, wenn beispielsweise eine ungünstige Vertragsbindung oder problematische Zahlungsbedingungen hinzukommen. Umgekehrt muss ein preiswerter Ökostromtarif nicht automatisch schlecht sein.

Häufige Fehler und Missverständnisse bei Ökostrom

Ein besonders verbreitetes Missverständnis besteht darin, dass mit einem Ökostromvertrag ausschließlich erneuerbarer Strom durch die eigene Steckdose fließt. Technisch ist das nicht möglich, weil sämtliche Strommengen innerhalb des Stromnetzes zusammengeführt werden.

Ein zweiter Fehler ist die Annahme, jeder Ökostromtarif unterstütze automatisch im gleichen Umfang den Bau neuer Anlagen. Die erneuerbare Herkunft und der zusätzliche Ausbau regenerativer Stromerzeugung sind jedoch zwei unterschiedliche Aspekte, die getrennt bewertet werden sollten.

Auch die Vorstellung, Ökostrom müsse grundsätzlich deutlich teurer sein, ist überholt. Auf dem Strommarkt gibt es zahlreiche unterschiedliche Tarifmodelle, sodass ein grüner Tarif je nach Wohnort, Verbrauch und aktueller Angebotssituation preislich durchaus mit anderen Stromtarifen konkurrieren kann.

Schließlich sollte ein attraktiver Bonus nicht davon ablenken, die regulären Tarifkosten zu betrachten. Gerade bei Stromverträgen ist entscheidend, wie hoch Grundpreis und Arbeitspreis nach Ablauf möglicher einmaliger Vergünstigungen ausfallen.

Welche Bedeutung hat Ökostrom beim Tarifvergleich?

Beim Stromvergleich kannst du häufig gezielt nach Ökostromtarifen filtern. Das ist sinnvoll, wenn erneuerbare Energien für deine Tarifentscheidung ein wichtiges Kriterium darstellen.

Anschließend sollte jedoch innerhalb dieser Tarife weiter verglichen werden. Prüfe nicht nur den ausgewiesenen Jahrespreis, sondern insbesondere Arbeitspreis, Grundpreis, Vertragslaufzeit, Kündigungsbedingungen, Preisgarantie und die Herkunft des angebotenen Stroms.

Auch mögliche Zertifizierungen können ein zusätzliches Auswahlkriterium sein. Sie können Hinweise darauf geben, ob ein Tarif über den reinen Nachweis erneuerbarer Herkunft hinausgehende ökologische Anforderungen erfüllt.

Der günstigste Ökostromtarif ist daher nicht automatisch der überzeugendste. Entscheidend ist das Gesamtpaket aus Kosten, Vertragsbedingungen, Herkunft und dem Anspruch, den du persönlich an die ökologische Wirkung des Tarifs stellst.

Ökostrom, Grünstrom und erneuerbare Energien: Wo liegt der Unterschied?

Die Begriffe Ökostrom und Grünstrom werden im Alltag weitgehend gleichbedeutend verwendet. Gemeint ist normalerweise Strom, dessen Herkunft erneuerbaren Energiequellen zugeordnet wird.

„Erneuerbare Energien“ ist dagegen der übergeordnete Begriff für Energiequellen, die sich auf natürlichem Weg erneuern beziehungsweise langfristig verfügbar sind. Dazu zählen unter anderem Sonne, Wind, Wasser und Biomasse.

Ein weiterer wichtiger Begriff ist der Herkunftsnachweis. Er ist kein eigener Stromtarif und auch keine Energiequelle, sondern dient der Dokumentation der erneuerbaren Herkunft einer bestimmten Strommenge.

Für wen ist Ökostrom besonders relevant?

Ökostrom ist grundsätzlich für jeden Haushalt interessant, der bei seiner Stromversorgung neben dem Preis auch ökologische Kriterien berücksichtigen möchte. Besonders relevant wird die Entscheidung für Verbraucher, die ihren persönlichen Energieverbrauch stärker auf erneuerbare Energien ausrichten wollen.

Auch Haushalte mit hohem Stromverbrauch sollten genauer vergleichen. Bei 5.000 oder 6.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch wirken sich bereits geringe Unterschiede beim Arbeitspreis deutlich stärker auf die Gesamtkosten aus als bei einem kleinen Single-Haushalt.

Wer bereits einen Ökostromtarif besitzt, sollte ebenfalls regelmäßig prüfen, ob der Vertrag weiterhin konkurrenzfähig ist. Die Bezeichnung „Ökostrom“ allein schützt nicht vor überhöhten Preisen oder ungünstigen Vertragsbedingungen.

Merksatz zu Ökostrom

Ökostrom bedeutet, dass deinem Verbrauch Strom aus erneuerbaren Energiequellen zugeordnet wird – nicht, dass ausschließlich grüner Strom aus deiner Steckdose kommt. Ein guter Tarif verbindet nachvollziehbare Herkunft mit fairen Preisen und vernünftigen Vertragsbedingungen.

Häufige Fragen zu Ökostrom

Rund um Ökostrom entstehen viele Fragen, weil technische Stromversorgung, Herkunftsnachweise und Tarifgestaltung häufig miteinander vermischt werden. Die folgenden Antworten helfen dir dabei, typische Detailfragen besser einzuordnen und Angebote realistischer zu bewerten.

Kommt bei einem Ökostromtarif tatsächlich Ökostrom aus meiner Steckdose?

Nicht in dem Sinne, dass dein Haushalt eine eigene Leitung zu einem Windpark oder Wasserkraftwerk erhält. Im öffentlichen Stromnetz vermischen sich die eingespeisten Strommengen verschiedener Erzeugungsarten. Dein Tarif sorgt stattdessen dafür, dass deinem Verbrauch eine entsprechende Menge erneuerbar erzeugten Stroms zugeordnet und dessen Herkunft nachgewiesen wird. Technisch bleibt deine Stromversorgung beim Wechsel zu Ökostrom deshalb unverändert.

Ist Ökostrom immer teurer als normaler Strom?

Nein. Ob ein Ökostromtarif teurer oder günstiger ist, hängt vom jeweiligen Anbieter, deinem Wohnort, deinem Verbrauch und den aktuellen Tarifkonditionen ab. Teilweise liegen Ökostromangebote preislich sehr nah an anderen Stromtarifen oder können sogar günstiger sein. Deshalb solltest du nicht von der Tarifbezeichnung auf den Preis schließen, sondern Grundpreis und Arbeitspreis konkret für deinen Jahresverbrauch berechnen lassen.

Was sagt „100 Prozent Ökostrom“ aus?

Die Angabe bedeutet grundsätzlich, dass die im Tarif vermarktete Strommenge vollständig erneuerbarer Stromerzeugung zugeordnet wird. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass der Anbieter besonders stark in den Ausbau neuer Anlagen investiert. Wenn dir dieser zusätzliche Effekt wichtig ist, solltest du prüfen, ob der Tarif über die reine Herkunft hinausgehende Nachhaltigkeitskriterien oder Fördermechanismen beinhaltet.

Muss beim Wechsel zu Ökostrom mein Zähler ausgetauscht werden?

Nein, allein wegen eines Wechsels von einem herkömmlichen Stromtarif zu einem Ökostromtarif ist normalerweise kein anderer Stromzähler erforderlich. Auch Leitungen und Netzanschluss bleiben unverändert. Es handelt sich in erster Linie um einen Wechsel des Stromliefervertrags beziehungsweise der Beschaffung. Der technische Netzbetrieb liegt weiterhin beim zuständigen Netzbetreiber.

Ist ein zertifizierter Ökostromtarif automatisch besser?

Eine seriöse Zertifizierung kann ein hilfreiches Qualitätsmerkmal sein, weil zusätzliche Kriterien an Herkunft oder Förderung erneuerbarer Energien gestellt werden können. Trotzdem solltest du den Tarif als Ganzes prüfen. Auch ein ökologisch anspruchsvoller Tarif kann beispielsweise eine lange Vertragslaufzeit oder einen hohen Preis haben. Zertifizierung, Kosten und Vertragsbedingungen sollten deshalb gemeinsam bewertet werden.

Kann ich auch als Mieter selbst zu Ökostrom wechseln?

Wenn du einen eigenen Stromliefervertrag abgeschlossen hast, kannst du grundsätzlich selbst entscheiden, welchen Stromtarif du nutzt. Ob du Eigentümer oder Mieter der Wohnung bist, ist dafür normalerweise nicht entscheidend. Anders kann es aussehen, wenn der Strom über einen gemeinschaftlichen Vertrag oder über den Vermieter abgerechnet wird. Dann solltest du zunächst klären, wer Vertragspartner des Stromlieferanten ist.

Wie erkenne ich einen guten Ökostromtarif?

Ein guter Ökostromtarif sollte sowohl ökologisch nachvollziehbar als auch wirtschaftlich vernünftig sein. Prüfe deshalb Herkunft und mögliche Zertifizierung ebenso wie Arbeitspreis, Grundpreis, Preisgarantie, Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist. Vorsicht ist bei Tarifen sinnvoll, deren Attraktivität hauptsächlich aus hohen einmaligen Boni entsteht. Für eine langfristige Entscheidung sind die regulären Kosten und Vertragsbedingungen meist aussagekräftiger.

Fazit: Ökostrom richtig auswählen statt nur auf das grüne Etikett achten

Ökostrom ermöglicht es dir, deinen Stromverbrauch bilanziell mit erneuerbarer Energie abzudecken und deine Tarifentscheidung stärker an ökologischen Kriterien auszurichten. Die technische Stromversorgung deines Haushalts verändert sich dadurch nicht, denn im Stromnetz werden die unterschiedlichen Erzeugungsmengen gemeinsam transportiert.

 

Für einen guten Vergleich reicht es deshalb nicht, lediglich den Filter „Ökostrom“ zu aktivieren. Interessant sind die Herkunft des Stroms, mögliche zusätzliche Förderwirkungen, der Arbeitspreis, der Grundpreis sowie Laufzeit, Kündigungsfrist und Preisgarantie.

Wer diese Faktoren gemeinsam betrachtet, kann einen Ökostromtarif auswählen, der sowohl zu den eigenen Nachhaltigkeitsvorstellungen als auch zum Haushaltsbudget passt. Ein Tarifvergleich hilft dabei, die Unterschiede sichtbar zu machen, statt sich allein auf grüne Werbeaussagen zu verlassen.

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